Landtagswahl im Kreis Böblingen Warum Wahl und Scheerer uns fehlen werden

Forian Wahl (l.) und Hans Dieter Scheerer sind nicht mehr im Landtag vertreten Foto: Schlecht/Granville

Das Ausscheiden von Florian Wahl und Hans Dieter Scheerer aus dem Landtag ist ein herber Verlust: Sie werden von AfD-Abgeordneten verdrängt.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl der Abgeordneten, die den Landkreis Böblingen im Landesparlament in den kommenden fünf Jahren vertreten werden, bleibt mit sechs konstant. Jetzt die aus Sicht der demokratischen Kultur weniger gute: Die bisherigen Abgeordneten von SPD und FDP schaffen es nicht mehr in den Landtag, wohl aber die der AfD. Die Liberalen verschwinden in ihrem Stammland erstmals aus dem Parlament, ihnen bleibt nur die außerparlamentarische Opposition. Das ist herb, gerade im Land von freiheitlichen Vordenkern wie Reinhold Maier oder Theodor Heuss.

 

Der Zugewinn der Rechtspopulisten geht zulasten der FDP und der SPD – so ist es zumindest rechnerisch. Für den Kreis Böblingen bedeutet es ganz konkret den (herben) Verlust der zwei Abgeordneten Florian Wahl und Hans Dieter Scheerer, die beide tief in ihren Wahlkreisen verwurzelt sind. Wahl ist, obwohl erst Anfang 40, schon ein SPD-Urgestein im Böblinger Gemeinderat, verbucht hier bei den Kommunalwahlen regelmäßig hohe und höchste Stimmenanteile. Er engagiert sich in der Kirche und legt den Finger in die Wunden der Gesundheitspolitik.

Mandat mit Engagement ausgefüllt

Hans Dieter Scheerer nahm sein Mandat 2021 mit großem Engagement an. Leidenschaftlich kämpfte der Rechtsanwalt für liberale Positionen, stark bezogen auf den hier so wichtigen Mittelstand und das Handwerk. Auch er wird dem Landkreis fehlen. In Stuttgart zumindest. Sein Engagement vor Ort dürfte bleiben, wenn nicht gar wachsen. Seit Kurzem ist er Präsident im Kreisverband des Roten Kreuzes.

Den beiden nachfolgen werden zwei lokalpolitisch weit weniger beschriebene Blätter: Andreas Auer im Wahlkreis 6 ist in der Breite kaum bekannt. Auch die neue AfD-Abgeordnete im Wahlkreis 5, Christine Schäfer aus Nufringen, trat bisher wenig in Erscheinung, ihre Teilnahme an öffentlichen Podiumsdiskussionen vor der Wahl sagte sie aus Termingründen ab. Sieht so ein demokratischer Dialog aus? Nein. Mit Kopf-in-den-Sand-stecken lässt sich keine Politik machen. Zumindest keine gute.

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