Landtagswahl im Kreis Göppingen Erstmals ein halbes Dutzend Abgeordnete im Landtag

Die Abgeordneten aus dem Landkreis Göppingen im nächsten Landtag. Oben (von links) Wahlkreis Göppingen: Sarah Schweizer (CDU, Direktmandat), Sandro Scheer (AfD), Mariska Ott (Grüne). Unten (von links) Wahlkreis Geislingen: Nicole Razavi (CDU, Direktmandat), Uwe von Wangenheim (AfD), Sascha Binder (SPD). Foto: SWP

Aus den Wahlkreisen Göppingen und Geislingen ziehen erstmals jeweils drei Parlamentarier in den neuen Landtag. Beide Direktmandate gehen wieder an die CDU.

Das hat es noch nie gegeben: Der Landkreis Göppingen ist künftig mit sechs Abgeordneten im Landtag vertreten. In der noch laufenden Legislaturperiode sind es fünf, doch erstmals haben es auch drei Kandidaten aus dem Wahlkreis 11 Geislingen geschafft – und das hängt mit dem neuen Wahlrecht zusammen. Da die Wählerinnen und Wähler zum ersten Mal zwei Stimmen hatten, gab es nun auch Landeslisten, und über die hat es im Wahlkreis 11 auch Uwe von Wangenheim (AfD) geschafft.​

 

Von den sechs Abgeordneten sind vier keine Novizen mehr. Allen voran Nicole Razavi (CDU), die schon seit 2006 im Landesparlament sitzt und nun zum fünften Mal das Direktmandat erringen konnte. Das war im Wahlkreis 10 Göppingen bei den vergangenen beiden Wahlen an die Grünen gegangen, doch jetzt konnte Sarah Schweizer es im zweiten Anlauf für die CDU wieder zurückerobern.

Auch Sascha Binder (SPD) aus Geislingen hat es geschafft

Auch Sandro Scheer von der AfD ist kein Unbekannter: Der Gemeinde-, Kreis- und Regionalrat aus Uhingen war am 1. April 2025 im Wahlkreis 10 für Hans-Jürgen Goßner in den Landtag nachgerückt, nachdem dieser ein Bundestagsmandat errungen hatte. Schließlich hat es auch Sascha Binder aus Geislingen wieder geschafft, er sitzt seit 2011 für den Wahlkreis 11 im Landtag und wird nun Mitglied der zehn Mitglieder umfassenden SPD-Fraktion.

Der Grünen-Kreisverband hat künftig auch wieder eine Vertreterin im Parlament, nachdem Ayla Cataltepe im Dezember 2024 während der laufenden Legislatur zur CDU-Fraktion gewechselt war. Mariska Ott hat es am Sonntag im Wahlkreis 10 über die Landesliste ins Parlament geschafft. Der zweite Landtags-Neuling ist das AfD-Mitglied Uwe von Wangenheim, der erstmals ein Mandat im Wahlkreis 11 über die Landesliste seiner Partei errungen hat. Bislang war Binder der einzige Parlamentarier aus Geislingen, der nicht über ein Direktmandat ins Parlament eingezogen ist.

Inhaltlich äußert sich niemand ausführlich

Am Tag nach der Wahl feiern sich die gewählten Abgeordneten in den Sozialen Medien oder bedauern ihr Abschneiden – je nach Ergebnis. Inhaltlich äußert sich jedoch niemand ausführlich, schon gar nicht zu den Gedankenspielen, wie es in Stuttgart weitergehen könnte. So postet Sarah Schweizer noch in der Nacht: „Ich bin überglücklich – mit 38,5 Prozent habe ich das Direktmandat für den Wahlkreis Göppingen gewonnen!“ Nicole Razavi teilt auf Instagram lediglich Glückwünsche des CDU-Landesverbands an sie. Sandro Scheer zeigt sich zufrieden: „Wir sind die neue Arbeiterpartei. Die beste Zeit der AfD kommt erst noch.“ Nicht viel war von seinem Parteifreund Wangenheim zu hören, in der Nacht hatte er lediglich geschrieben: „Danke für Ihr Vertrauen!“ Noch am Sonntagnachmittag hatte er seine Follower erwartungsvoll gefragt: „Was meint ihr? Sind 24 Prozent in Baden-Württemberg drin?“ Das hat bekanntlich nicht annähernd geklappt. Seit der Wahl nichts gepostet hat Mariska Ott, sie bedankte sich aber im Laufe des Sonntags schon mal für die Unterstützung, die sie erfahren hatte.

Der SPD-Generalsekretär Sascha Binder hat sich noch nicht geäußert, auf Instagram finden sich Fotos von Wahlkampfterminen. Und auf Facebook stammt der letzte Eintrag vom Landesparteitag 2025: „Vielen Dank für Platz drei – das ist eine große Ehre und keine Selbstverständlichkeit! Glückwunsch an Andreas Stoch, mit ihm an der Spitze starten wir die Aufholjagd!“ Auch das ist bekanntlich anders gekommen. Kein Blatt vor den Mund nimmt hingegen die SPD-Kreisvorsitzende Sabrina Hartmann, die den Einzug in den Landtag nicht geschafft hat: „Heute ist kein leichter Tag. Das Ergebnis für die SPD in Baden-Württemberg ist desaströs – da gibt es nichts schönzureden.“

Kandidat aus Birenbach unterliegt Manuel Hagel

Konkurrenz
Es gab noch einen weiteren Kandidaten aus dem Landkreis Göppingen, der allerdings im Wahlkreis Ehingen gegen Manuel Hagel (CDU) angetreten war: Tobias Hocke-Beck. Hocke-Beck war erst im Jahr 2024 Mitglied bei den Grünen geworden und lebt in Birenbach, wo er ein Unternehmen für Hard- und Softwarelösungen leitet. Im Jahr 2023 war er Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren.​

Ergebnisse
Erwartungsgemäß konnte Hocke-Beck Hagel das Direktmandat nicht streitig machen: Hagel erreichte 47,1 Prozent der Erststimmen, der 33-Jährige aus Birenbach kam auf 17,7 Prozent.

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