Landtagswahl im Stuttgarter Norden Der Wahlkampf hat seine Spuren hinterlassen

Kehraus nach der Landtagswahl: Die Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten haben ausgedient. Foto: dpa
Kehraus nach der Landtagswahl: Die Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten haben ausgedient. Foto: dpa

Aus dem Wahlkreis 3 wird nur Umweltminister Franz Untersteller in den Landtag einziehen. Reinhard Löffler (CDU), Marion von Wartenberg (SPD), Bernd Klingler (AfD) und Gabriele Heise (FDP) sind gescheitert.

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Stuttgarter Norden - Die Landtagswahl ist vorbei. Doch wie geht es jetzt für die Kandidaten aus dem Stuttgarter Norden im Wahlkreis 3 weiter? Die Nord-Rundschau hat mit einigen Wettstreitern gesprochen.

Wenige Stunden nachdem klar war, dass Reinhard Löffler (CDU) sein Direktmandat nicht verteidigen konnte und auch seine 23,5 Prozent der Stimmen nicht für ein Zweitmandat reichen werden, fühlte sich der Jurist immer noch, „als hätte mich ein Bus überfahren. Die Stimmungslage ist natürlich nicht gut.“ Es sei wie im Halbfinale der Fußball-WM beim Spiel Brasilien gegen Deutschland. „Und ich bin Brasilien.“ Die Gastgeber verloren damals 1:7 gegen den späteren Weltmeister. „Aber das ist Demokratie. Das Ergebnis muss man akzeptieren und damit umgehen können“, sagt Löffler, der zehn Jahre Mitglied des Landtags war. Dass er im Vergleich zur Wahl 2011 mehr als zehn Prozent der Stimmen verloren hat, erklärt sich Löffler vor allem mit der schlechten Stimmung in der Bevölkerung, wenn es um die Flüchtlingspolitik geht. Viele Leute hätten lieber ihr Kreuz bei der AfD als bei der CDU gemacht. „Sie haben rechts gewählt und einen Grünen bekommen“, sagt Löffler in Anspielung an den Gewinner des Wahlkreises, Franz Untersteller (Grüne).

Politische Ziele habe er nach dieser Niederlage nun keine mehr, betont der Christdemokrat. „Ich plane nichts. Wenn noch etwas kommt, kommt es.“ Nun wolle er sich auf die Arbeit in seiner Anwaltskanzlei konzentrieren und mehr mit seinen Enkeln spielen. Urlaub könne er nach dem langen Wahlkampf keinen machen.

Dem Umweltminister hat sein Job gefallen

Das gilt auch für Umweltminister Franz Untersteller, der sich allerdings Ende der Woche eine dreitägige Auszeit mit seiner Ehefrau nehmen wird, „um den Kopf frei zu bekommen“. Seit Weihnachten habe er eigentlich kein Privatleben mehr gehabt, in den vergangenen Nächten sogar von Politik geträumt. „Dass es stressig wird, war klar und das war auch okay.“ Schließlich hat sich der anstrengende Wahlkampf für ihn aber auch gelohnt. Mit 30,7 Prozent der Stimmen hat der Grüne den Wahlkreis gewonnen. 2011 reichten 28 Prozent nur zu Platz zwei. „Das gute Ergebnis von Sonntag hat mich letztendlich nicht überrascht. Ich hatte in den vergangenen Tagen ein sehr gutes Gefühl. Überall habe ich einen überwältigenden Zuspruch erhalten. Das freut mich riesig, denn in der Vergangenheit war der Stuttgarter Norden für uns Grüne ja nie ein einfaches Pflaster“, sagt Untersteller.

Trotz seines tollen Ergebnisses habe er aber nicht so ausgiebig gefeiert. „Das hätte auf jeden Fall anders ausgesehen, wenn es wieder für Grün-Rot gereicht hätte. Dann säße ich sicherlich noch jetzt bei einer Flasche Wein“, sagte der Umweltminister am Montagnachmittag. Ob er auch in den kommenden fünf Jahren seinen Posten inne haben werde, wisse er noch nicht. Das hänge unter anderem von den anstehenden Sondierungsgesprächen und von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ab. „Niemand ist unersetzlich. Aber ich habe den Job in den vergangenen fünf Jahren sehr gerne gemacht. Wir konnten einiges bewegen“, sagt Untersteller.

Dass die Regierung gute Arbeit abgeliefert habe, davon ist auch Marion von Wartenberg (SPD) überzeugt. Doch die Flüchtlingsfrage habe alle anderen Themen überlagert. „Dass wir aber so abstürzen, hätte ich nicht gedacht“, sagt die Sozialdemokratin, die in ihrem Wahlkreis auf 12,9 Prozent der Stimmen kam. Am Ende haben ihr knapp zwei Prozent zum Einzug in den Landtag gefehlt. „Aber es ist, wie es ist.“ Noch ist sie Staatssekretärin im Kultusministerium. Wie es mit ihr beruflich weitergeht, weiß sie noch nicht. „Alles ist erst einmal davon abhängig, wie die Sondierungsgespräche verlaufen.“ Allerdings scheint alles auf Grün-Schwarz hinauszulaufen, nachdem die SPD für die sogenannte schwarze Ampel mit der FDP und Guido Wolf (CDU) als Ministerpräsident nicht zur Verfügung stehen will und die Liberalen keine Sondierungsgespräche mit den Grünen führen möchten. „Das haben wir am Montagabend im Landesvorstand auch noch einmal so besprochen und abgestimmt“, sagt Gabriele Heise (FDP).

Trotz gutem AfD-Ergebnis: Klingler nicht im Landtag

Dass sie selbst künftig nicht im Landtag Platz nehmen wird, war für die Rechtsanwältin keine Überraschung. Sie werde sich nun weiterhin im Feuerbacher Bezirksbeirat engagieren. „In diesem Wahlkreis haben wir noch nie ein Mandat geholt. Das wäre ein kleines Wunder gewesen.“ Mit ihrem Ergebnis (9,1 Prozent) ist sie aber dennoch sehr zufrieden. Zirka ein Prozent hätte sie mehr gebraucht, um Mitglied des Landtags zu werden. „Aber mein persönliches Ziel war es eh, Bernd Klingler aus dem Landtag fernzuhalten“, betont Heise schmunzelnd. „Und das hat geklappt.“

Auch dem AfD-Politiker hat am Ende nur rund ein Prozent gefehlt, um ein Landtagsmandat zu erhalten. Seine 15,3 Prozent haben nicht gereicht – weil er in Feuerbach (11,8 Prozent) und Botnang (11,3) nicht so punkten konnte, wie in anderen Bezirken. „Es war knapp, das ist schade. Aber die Stimmung ist aufgrund unseres Abschneidens dennoch gut“, sagt Klingler. „Die Freude überwiegt.“ Nun werde er sich erst einmal wieder intensiv um seine Werbeagentur kümmern und sich natürlich weiterhin im Gemeinderat engagieren. „Und vom Alter her, kommt die nächste Landtagswahl bestimmt“, sagt der 48-Jährige.




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