Tübingens OB Boris Palmer (links) sei bei der Grünen-Wahlparty in Stuttgart zum Gehen aufgefordert worden – Ryyan Alshebl (rechts), der Ostelsheimer Bürgermeister stützt seine Geschichte. Foto: IMAGO/Ulmer II/dpa/Collage: STZN
Tübingens OB Boris Palmer sagt, auf der Wahlparty der Grünen in Stuttgart von Mitgliedern der Grünen Jugend angegangen worden zu sein. Ein prominenter Zeuge stützt seine Schilderung.
Die Aufregung um Tübingens OB Boris Palmer reißt nach der Landtagswahl nicht ab. Wie der Ex-Grüne berichtete, sei er am Wahlsonntag auf der Wahlparty der Grünen in der Stuttgarter Staatsgalerie von mutmaßlichen Mitgliedern der Grünen Jugend zum Gehen aufgefordert worden. Auch gegenüber unserer Zeitung hatte er geschildert, im Foyer von zwei jungen Männern konfrontiert worden zu sein, die er der Grünen Jugend zurechne.
„Mir wurde gesagt, dass ich Cem schade und wieder gehen soll“ – er sei nicht eingeladen worden und solle wieder verschwinden. „Dem bin ich natürlich nicht nachgekommen, ich hatte eine persönliche Einladung von Cem Özdemir“, sagte Palmer. Am Einlass habe alles reibungslos funktioniert. Und abgesehen von dem Vorfall habe Palmer auch nicht den Eindruck gehabt, nicht willkommen zu sein. „Viele Partybesucher haben Selfies mit mir gemacht.“
Streit zwischen Palmer und Grüner Jugend
Ein Zeuge des Vorfalls bestätigte die Schilderungen Palmers und geht ins Detail, was genau geschehen sein soll. Der Tübinger OB liefert sich seit Sonntag hitzige Gefechte in klassischen und sozialen Medien mit der Grünen Jugend, die Cem Özdemir aufgefordert hatte, zu verhindern, dass Palmer in einer von ihm geführten Regierung ein Ministerposten oder eine andere Rolle spielen könnte – wozu sich beide bislang alle Optionen offen lassen.
Nun schildert Ryyan Alshebl, der grüne Bürgermeister von Ostelsheim im Kreis Calw, wie er den Vorfall erlebt hat – und stützt damit Palmers Geschichte. Palmer bestätigte ebenfalls, dass Alshebl zur Situation dazugestoßen war. „Ich sagte zunächst scherzhaft zu Boris: Was hast du hier verloren?“, sagte Alshebl auf Nachfrage. Dann habe er in die Gesichter der Beteiligten gesehen und festgestellt: Die Situation ist ernst.
Danach habe er auch deutlich vernommen, wie die beiden Palmer-Gegner ihn zum Gehen aufgefordert hätten. „Sie haben außerdem gesagt, Boris Palmer schade Cem Özdemir“, so Alshebl. Daraufhin habe er versucht, auf die Situation deeskalierend einzuwirken. „Das hat funktioniert und dann sind Boris und ich zur Party gegangen.“ Dort sei Palmer als ganz normaler Gast aufgenommen worden, man habe sich gemeinsam Özdemirs Rede angehört. Auch die Selfie-Erzählungen Palmers bestätigte Alshebl.
Die jungen Männer als Mitglieder der Grünen Jugend identifiziert
Er habe die beiden jungen Männer außerdem als Mitglieder der Grünen Jugend identifizieren können. Wer sie genau waren, möchte er nicht verraten, um Schaden von ihnen abzuwenden. Dennoch verurteilt er deren Verhalten. „Wie man jemanden, der als Gast auf einer Party eingeladen ist, so behandeln kann, ist mir fremd.“ Ryyan Alshebl gilt als Befürworter Palmers, in seinen Augen bleibt der Tübinger OB im Kern auch nach seinem Parteiaustritt 2023 weiterhin ein Grüner.
Von den Grünen selbst dagegen ist zu den Ereignissen um Palmer am Rande der Wahlparty nichts zu erfahren. Der Landesverband habe keine Kenntnis von dem Vorfall, wie ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung sagte. Die Grüne Jugend Baden-Württemberg ließ durch eine Sprecherin ausrichten: „Wir verweisen auf die Statements, die von uns in der Presse sind; darüber hinaus werden wir uns nicht äußern.“ In diesen steht, dass die Grüne Jugend zu den Vorgängen nichts sagen will.