Landtagswahl in Baden-Württemberg Manuel Hagel verspricht „CDU pur“ im Wahlkampf
Der CDU-Landeschef Manuel Hagel ist auf Sommertour und will sich den Bürgern vor allem von der menschlichen Seite präsentieren.
Der CDU-Landeschef Manuel Hagel ist auf Sommertour und will sich den Bürgern vor allem von der menschlichen Seite präsentieren.
Manuel Hagel, der Landes- und Fraktionschef der Südwest-CDU hat noch nicht einmal den ersten Termin seiner Sommertour in Reutlingen begonnen, da hat ihn die Zukunft schon eingeholt. „Du musst das machen, Manu. Das hat keinen Wert mehr. Du bist der nächste Ministerpräsident“, sagt Annegret Lucas-Zweigle beim Händeschütteln resolut und nimmt gleich zwei Schritte auf einmal. Hagel lässt Fragen nach seiner Spitzenkandidatur im Landtagswahlkampf öffentlich stets routiniert ins Leere laufen, weil es ja noch nicht offiziell ist. Doch für die temperamentvolle Reutlingerin, die von sich selbst sagt, dass sie „seit der Geburt“ bei der CDU sei, auch wenn sie in den Büchern offiziell erst 1971 auftauche, steht nicht nur Hagels Kandidatur fest, sondern auch der CDU-Wahlsieg.
Die vom Ampelfrust gespeisten Umfragewerte lassen die Christdemokraten auch im Land nicht unberührt, da ist Annegret Lucas-Zweigle keine Ausnahme „Politiker sind für mich nichts besonderes“, sagt die frühere Lehrerin. Über ihre Mutter, die in der Reutlinger CDU auch schon eine Legende war, habe sie bereits als Kind viele getroffen. Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Ludwig Erhard hat sie kennengelernt. Und jetzt bewundert sie den 36-jährigen Hagel, „weil er konservativ ist und unsere Werte vertritt, die aus lauter Toleranz fast abgeschafft worden sind“. Eine neue Koalition mit den Grünen? Sie macht keinen Hehl daraus, dass ihr das wie Spitzgras wäre.
Zum achten Mal macht Hagel jetzt eine Sommertour durchs Land. Aber diesmal ist vieles anders, egal ob er sich bei Innoport in Reutlingen neue Wege bei der Vermarktung des mit 14 Hektar größten bebaubaren Industriegebiets zwischen Stuttgart und Bodensee erklären lässt, bei der Triqbriq AG in Tübingen besichtigt, wie man mit mikro-modularen Holzbausteinen einen vollständig recycelbaren Supermarkt baut, oder wenn er den Russlanddeutschen in Pforzheim den Puls fühlt. Stets ist klar: Da kommt der CDU-Ministerpräsidenten- und Kretschmann-Nachfolgekandidat im Wartestand.
Langsam wird es ernst mit der Landtagswahl. Für die neue Nummer eins steht die Rückgewinnung der Macht im Pflichtenheft der Südwest-CDU ganz oben. Hagel selbst ist nicht gefährdet, die guten Umfragewerte als frühe Garantie eines späteren Sieges misszuverstehen. Er spürt, dass der Druck wächst, und er weiß, dass das erst der Anfang ist. Schließlich hat er schon viele CDU-Hoffnungsträger kommen und verglühen sehen.
Nach wie vor lässt Hagel sich nicht in die Karten schauen, wie er sich strategisch aufstellen, mit welchen Inhalten er am Ende bei den Wählern punkten will. Klar ist, dass er keinesfalls als Herausforderer greifbar sein will, bevor die Grünen ihren Kretschmann-Nachfolgebewerber gekürt haben. Aber den Sommer nutzen will er schon, um sich auch außerhalb der CDU bekannter zu machen, an seinem Profil zu tüfteln und Übung im Umgang mit kniffligen Themen zu gewinnen.
Bei den Wahlkämpfen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg hat er eigens praktische Erfahrungen im Umgang mit AfD-affinen Wählern verschafft, die den angestammten Parteien nicht mehr vertrauen. Zuhören, nicht gleich kontern und niemanden in die rechte Ecke stellen, hat er als Methode für solche Situationen aus der AfD-Kampfzone im Osten mitgebracht. Denn so klar Hagel, eine Zusammenarbeit mit der AfD immer wieder abgelehnt hat, so klar ist, dass er möglichst viele dorthin abgewanderten Wähler zurückholen will. Deshalb ist er bei den Russlanddeutschen in Pforzheim auf dem Haidach. Einst war das eine Hochburg der CDU; heute stellt die AfD die größte Fraktion im Gemeinderat. Steuerlasten, Wohnungsmangel und vor allem die Migration drücken die dreißig Leute, die zum Gespräch gekommen sind. Einer fordert eine effizientere Integrationspolitik, einer schlägt eine Arbeitspflicht vor, eine Frau findet, die „kulturfremden“ Migranten der heutigen Zeit müssten wieder weg. Hagel hört sich alles an, bremst nirgends und sagt am Schluss nur, dass niemand AfD wählen müsse, der die Migration neu geregelt sehen wolle. Stattdessen möge man bei der Bundestagswahl auf die CDU mit Friedrich Merz setzen. Nur das Bekenntnis, dass „wir immer Migration haben und brauchen werden“, mutet Hagel den Zuhörern zu. „Wer etwas anderes sagt, schwindelt Sie an.“
Damit er nahbar und vor allem als normal wahrgenommen wird, hat sein Team ein neues Veranstaltungsformat entwickelt. Premiere von „Mensch Manu“ ist in Karlsruhe-Durlach in der Eventfabrik, an diesem Donnerstag steht die Wiederholung in Stuttgart an. Vor dem Großfoto einer in Partei-Türkis gefärbten Sichtbetonwand stellt Hagel sich den Fragen. Wer ihn eigentlich „Manu“ nenne, will die Moderatorin wissen. „Jeder, der will“, sagt er. Das Publikum will danach nicht viel Persönliches wissen. Es sind viele CDU-Mitglieder da. Sie fragen wie es mit Migration, Mobilität und mit der Koalition nach der Wahl weitergeht. „CDU pur und keinen Wahlkampf für irgendeine Koalition“ verspricht Hagel. Der „Kulturkampf gegen das Auto“ müsse beendet und ein Mobilitätsmix einschließlich des Verbrenners als „beste Technologie der Welt“ geschaffen werden. Am Ende ist klar. „Manu“ nennt Manuel Hagel sich vor allem selbst, wenn er Anekdoten aus seinem Leben und der Politik erzählt.