Landtagswahl in Bayern Auf Wahlkampf-Tour mit Horst Seehofer und Christian Ude

Von Haus aus ist Ministerpräsident Horst Seehofer, hier mit seiner Frau Karin im Festzelt, eher kein Biertrinker. Aber was macht man nicht alles, damit Wirklichkeit und Klischee hinreichend zur Deckung kommen. Foto: dpa
Von Haus aus ist Ministerpräsident Horst Seehofer, hier mit seiner Frau Karin im Festzelt, eher kein Biertrinker. Aber was macht man nicht alles, damit Wirklichkeit und Klischee hinreichend zur Deckung kommen. Foto: dpa

Im Freistaat Bayern liegt die absolute Mehrheit für die CSU wieder in der Luft. Eine kleine Wahlkampfreise mit zwei Großkopferten: dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer und seinem Herausforderer Christian Ude.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Mirko Weber (miw)
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Haunshofen - Haunshofen, ein Stück weg vom Starnberger See, der mal wieder daliegt, als habe er selber frisch gebadet. Abendstimmung wie im Eichendorff-Gedicht. Darüber hinaus ein Festzelt auf der Höh’, wo sie ein Ochsenrennen veranstaltet haben. Schwerer Brathendlgeruch und hohe Lederhosndichte.

Dann der bayerische Ministerpräsident.

Wenn Horst Seehofer aus seiner Dienstkutsche steigt, steht er erst mal immer einfach nur da: ein großer, schwerer Mann. Wenn man ihn oft hat aussteigen sehen in den letzten fünf Jahren, kann einem der Gedanke kommen, er sei in Wirklichkeit eine dieser aus der Zeit gefallenen Spielzeugfiguren, die mittels eines Schlüssels aufgezogen werden. Dann läuft das Manschgerl los.

Ungefähr so geht das Mannsbild Seehofer. Er schiebt sich, einmal in Gang gekommen, vorwärts. Nur seine Augen sind längst weiter, immer unterwegs und selten direkt beim Visavis. Seehofer nutzt seine Lufthoheit

Horst Seehofer aus Stimmenfang in Haunshofen Foto: dpa
aus und scannt auch jetzt ununterbrochen die Umgebung, als sei er sein eigener Leibwächter, während er einem mosernden Haunshofer Bauern etwas über Internationalität erzählt. Denn „die Welt“, sagt Seehofer, „ist schwieriger geworden“. Bayern bleibe aber Bayern. Sein Instinkt meldet, dass er’s ein bisschen konkreter machen müsste. Seehofer sagt: „Aber der Muichpreis is’ scho . . .“ Weiter kommt er nicht, weil der Milchpreis eben nie in Ordnung sei, finden sie in Haunshofen. „Der Diesel is a wieda vui deirer . . .“ Seehofer beschließt, dass es jetzt langsam langen sollte mit dem Bund deutscher Milchviehhalter. „Ich muss dann jetzt rein“, rollt er retour. Schiebt an, geht. Hinter ihm, das hört er schon nicht mehr, bricht der Respekt schnell in allgemeinem Gefeixe übern „Horsti“ und was er sich alles einbilde, zusammen. Aber das Kreuz machen die meisten dann doch wieder bei der CSU, wie’s ausschaut.

Kann man das erklären? Versuchen kann man’s.

Herausforderer Christian Ude in Würzburg

Ein Abend später, Würzburger Juliusspital, Weinstube, Nebenzimmer. Es tagt der Presseclub. Vorne sitzt der nach einem termingespickten Tag im Wahlkampf über Land und kurzer Ruhepause im Bus auf seine gaumige Art schon wieder erstaunlich putzmuntre Christian Ude. Als Ude vor knapp zwei Jahren sich anschickte, Spitzenkandidat einer SPD zu werden, die er auf Landesebene in Bayern eigentlich nur schemenhaft kannte, dachten viele in der Partei: Ja, jetza! Sie dachten es wirklich. Ude ist dann neben seiner Tätigkeit als Münchner Oberbürgermeister losgelaufen, als ob es kein Morgen mehr gebe. Ein bisschen hamsterhaft, im Rad. Erst klang das mitunter ganz pointiert, und die CSU war nicht gut beinand, wie man so sagt. Die SPD ging schon mal ans Planen, wie man die CSU in welcher Konstellation beerben könne. Mit den Grünen, klar. Aber auch mit den Freien Wählern, Fleisch vom Fleisch der CSU, und, jedenfalls beim letzten Mal, gut für einen fetten Zehnprozenter. Allerdings hat sich dann Hubert Aiwanger, der Chef der Freien Wähler, als Divus entpuppt, der bis heute nicht rauslässt, ob er Seehofer und den Seinen helfen würde, wenn’s denen je nicht langt (und die FDP nicht reinkommt), oder ob er dann doch zu Ude schwenkte. Wobei der deutlich über 20 Prozent bräuchte, „25“, sagt er in Würzburg, „wären eine schöne Zahl“. Wären!

In Bayern gehen, schon Willy Brandt erkannte das milde resignierend an, die Uhren anders. Christian Ude, der am Anfang seiner Kandidatur viel belachte Probleme gerade mit der fränkischen Geografie hatte (die CSU lacht da momentan nicht mehr mit, weil Horst Seehofer jüngst die Donau im Brustton der Überzeugung grad verkehrt herum fließen ließ), ist viel durch den Freistaat gekommen. Weiß er jetzt, warum Bayern anders tickt? In Würzburg sagt Ude, es komme einem „eigentlich unfassbar vor, wie viele Angriffsflächen die CSU“ biete. Das sei den meisten seit den Tagen des „wie einen Halbgott verehrten Franz Josef Strauß jedoch „einfach wurst“. Ude setzt nach, das klinge böse. „Anderes aber wäre illusionär. Es ist so!“ Und dann müsse man natürlich am Ende schon zugestehen, dass es „eine enorme politische Leistung“ darstelle, „wenn die Frage nach politischem Versagen oder Moral“ keine Rolle mehr spiele. Was jetzt nicht ganz stimmt.




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