Landtagswahl in Bayern Seehofers Missionen

Horst Seehofer hat seine Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl in Bayern ausgerufen. Foto: dpa
Horst Seehofer hat seine Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl in Bayern ausgerufen. Foto: dpa

Damit die alte Rechnung Bayern = CSU aufgeht, wird Ministerpräsident Horst Seehofer sämtliche Hebel in Bewegung setzen, meint StZ-Autor Mirko Weber.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Mirko Weber (miw)
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München - Lange Zeit hat sich Horst Seehofer im Stil einer historisch überlebten Operettenfigur geziert und gewunden, seine Spitzenkandidatur für die nächsten Landtagswahlen in Bayern auszurufen. Jetzt aber meldet er sich aus dem Kloster Banz und lässt während der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion ein „Ja, ich will!“ erschallen. „Breaking News“ sind das nicht, wiewohl zur prompten Einspeisung der Kunde ins globale Netz von der CSU die Verlegung eines hyperteuren Glasfaserkabels in den Banzer Gottesgarten organisiert wurde: „Bayern 3.0“, ein Programm, mit dem die Christlich Soziale Union die Erfolgsgeschichte der Stoiber’schen Laptop-Lederhosen-Jahre fortschreiben will, wurde wirkungsmächtig in Szene gesetzt. Man muss dies – und alles andere – als Zeichen nehmen, die verknüpft werden wollen.

Da wäre demnach nun also Seehofer selbst, dessen Nominierung bei aller vorgespiegelten Entschlossenheit auch leicht sphingische Züge trägt: Am Wochenende hatte er schließlich noch vom heimischen Ingolstadt aus deutlich gemacht, dass er für seine „Mission“, nämlich die Rückgewinnung der absoluten Mehrheit für die CSU in Bayern, mehr Hilfe braucht. Aus Berlin losgeeist wird deswegen die Bundesministerin Ilse Aigner, eine oberbayerische Stimmenfängerin ersten Ranges – und sie weiß durchaus um ihren Wert.

Die Liberalen scheinen in Umfragen bayernweit marginalisiert

Vordergründig mag Aigner in der CSU momentan sozusagen jedermanns Herzensdirndl sein. Doch sie hat der Partei bereits gezeigt, wie viel sie vom kalkulierten Machtschach versteht. Ohne ihre gewiefte Hintergrundarbeit gäbe es beispielsweise intern den stellvertretenden Parteivorsitzenden Peter Ramsauer nicht mehr, den eine winzige Mehrheit auf dem letzten Nürnberger Parteitag am Ende dem bajuwarischen Softromantiker Peter Gauweiler vorziehen wollte. Schwer vorstellbar jedenfalls, dass Ilse Aigner nach dem September nächsten Jahres geduldig warten wird, bis Seehofer als Parteichef und Ministerpräsident auf 2018 hin langsam ins Austragsstüberl zieht. Seehofer selbst sagt, er habe ungefähr dies im Auge. Doch sagt er öfter viel, wenn der Tag lang ist.

Unbedingte Voraussetzung solcher Szenarien ist freilich, dass die CSU aus ihrer Perspektive wieder auslöffelt, was sie sich 2008 bei der letzten Wahl eingebrockt hat. Sie durfte damals froh sein, dass die FDP als Koalitionär wenig Ansprüche stellte. Mittlerweile scheinen die Liberalen in Umfragen bayernweit marginalisiert, und der CSU winkt, mit 47 Prozent scheu lächelnd, wiederum die leise Ahnung von Alleinherrschaft. Damit die alte Rechnung Bayern = CSU (oder wenigstens knapp zur Hälfte) noch einmal aufgeht, wird Seehofer spätestens im nächsten Jahr sämtliche Hebel in Bewegung setzen, die er noch finden kann. Notfalls auch mit neuem, noch nicht voll erprobtem Personal. Seehofers Werben um die Europaabgeordnete Angelika Niebler und die schwäbische JU-Vorsitzende Katrin Albsteiger, die er für herausgehobene Positionen geeignet hält, ist auffällig. Deutlich hat er anlässlich der Präsentation von Ilse Aigner zu verstehen gegeben, dass es seiner Meinung nach die Menschen sind, die Wahlen entscheiden, nicht die Programme. Das trifft sich ganz gut, denn programmatisch hinkt die CSU ihren Führungsansprüchen hinterher. Das Land ist gut und weitgehend effizient organisiert. Geistig geführt im Sinne einer höheren Idee ist es nicht.

SPD verharrt bei um die zwanzig Prozent

Eher aber bekommt die CSU wieder die absolute Mehrheit, als dass sich SPD, Grüne und Freie Wähler (und womöglich noch die Piraten) einig werden können, ob sie ein sicher schwieriges Miteinander hinter einem Frontmann Christian Ude nicht doch wagen wollen. Neuesten Umfragen zufolge verharrt die SPD bei um die zwanzig Prozent. Das wird kaum reichen für eine Wachablösung. Seehofer, der seltsame Missionar, muss vielleicht noch nicht mal beten.




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