Was wäre, wenn Kinder und Jugendliche wählen dürften? Davon vermittelt die Hauswahl der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft einen Eindruck. So haben die Parteien abgeschnitten.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Am Sonntag wählen die Menschen in Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Zum ersten Mal in der Geschichte des Bundeslandes dürfen auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben.

 

Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft (STJG) wollte im Vorfeld wissen, welche Themen die Jugendlichen interessieren. Im Rahmen ihrer Tour „Gib dein‘ Senf dazu“ gab es in vielen Einrichtungen Informationen und interaktive Formate rund um die Demokratiebildung. Zudem nahmen mehr als 400 Jugendlichen an einer „Hauswahl“ teil.

Dabei erzielten die Parteien folgende Werte:

  • Die Linke liegt mit 26,9 Prozent vorn,
  • gefolgt von CDU (20,3 Prozent) und
  • Bündnis 90/Die Grünen (20,1 Prozent).

„Auffällig ist die starke Zustimmung zu Parteien, die soziale Gerechtigkeit, Bildung, Chancengleichheit und ökologische Fragen in den Mittelpunkt stellen. Gleichzeitig bildet das Ergebnis ein breites demokratisches Spektrum ab“, sagt Vanessa Fritz, Referentin für Partizipation bei der STJG.

Vertiefende Online-Umfrage mit interessanten Ergebnissen

Parallel zur Hauswahl nahmen 100 junge Menschen an einer vertiefenden Online-Umfrage teil. 79 Prozent der Befragten waren zwischen 14 und 20 Jahre alt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 53 Prozent fühlen sich von der aktuellen Landespolitik eher nicht oder gar nicht vertreten. Nur 33 Prozent geben an, sich eher oder gut vertreten zu fühlen, während 14 Prozent unsicher sind.
  • Bildung ist mit 59 Prozent das wichtigste politische Thema für junge Menschen. Weitere zentrale Themen sind Soziales und Wohnen (38 Prozent), Frieden und Sicherheit (35 Prozent), Klima und Nachhaltigkeit (27 Prozent) sowie mentale und körperliche Gesundheit (20 Prozent).
  • 48 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Politik bei politischen Entscheidungen besonders die Interessen junger Menschen berücksichtigt. Doch nur 4 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass junge Menschen im Fokus der Politik stehen.

„Die Ergebnisse zeigen eine spürbare Distanz vieler junger Menschen zur Landespolitik. Gleichzeitig wird deutlich, dass politisches Interesse vorhanden ist und junge Menschen klare Erwartungen an politische Entscheidungen formulieren“, sagt Vanessa Fritz. Sie ergänzt: „Vertrauen in Politik entsteht vor allem dort, wo politische Entscheidungen transparent sind, verständlich kommuniziert werden und junge Menschen Schnittstellen zur eigenen Lebensrealität erkennen können.“

Aus Sicht der STJG können Beteiligungsformate in der Jugendarbeit dabei wichtige Räume schaffen, um politische Themen zugänglich zu machen und Perspektiven junger Menschen sichtbar werden zu lassen.