Obwohl die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst in den meisten Umfragen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen leicht vorne liegt, ist der Machterhalt noch nicht sicher. Schließlich schwächelt der liberale Koalitionspartner – und die SPD darf hoffen.

Korrespondenten: Christopher Ziedler (zie)

Nordrhein-Westfalen ist in 128 Wahlkreise unterteilt. Neben den dort direkt gewählten Abgeordneten ziehen noch mindestens 53 weitere Abgeordnete über die Landeslisten der diversen Parteien in den Düsseldorfer Landtag ein. Das neue Parlament wird dann bestimmen müssen, ob es den SPD-Herausforderer Thomas Kutschaty wählt oder CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst im Amt bleibt.

Am Wahltag wird es gerade einmal 200 Tage her sein, dass er zum Regierungschef des bevölkerungsreichsten Bundeslandes wurde. Von einem echten Amtsbonus zu sprechen, wäre also übertrieben. Wüst hat vielmehr Bundestagswahlverlierer Armin Laschet beerbt als Chef der einzigen schwarz-gelben Koalition in Deutschland – die aber vor dem Aus steht.

Eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition ist unwahrscheinlich

Den letzten Umfragen vor dem Wahltag zufolge hat die CDU, die stets leicht über der 30-Prozent-Marke lag, auch unter Wüst gute Chancen, auf dem ersten Platz zu landen – nur wenig schlechter als die von Laschet eingefahrenen 33 Prozent. Erneut mit der FDP eine Koalition zu bilden, scheint allerdings schwer, da manche Demoskopen fast eine Halbierung des liberalen Stimmenanteils prognostizieren. Kamen die FDP vor fünf Jahren noch auf 12,6 Prozent der Stimmen, sah die Forschungsgruppe Wahlen sie mit ihrem Spitzenkandidaten Joachim Stamp in dieser Woche bei nur sechs Prozent. Etwas Hoffnung machte den Liberalen dagegen die demoskopische Konkurrenz von YouGov, die die Partei wieder bei zehn Prozent verortete.

Da eine Neuauflage dennoch unwahrscheinlich schien, sind viele Konstellationen denkbar. Wüst könnte versuchen, die Grünen zu einer Jamaika-Koalition dazuzuholen oder gar allein mit ihnen zu regieren. Das schien im Bereich des Möglichen, weil sich der Stimmenanteil der Umweltpartei nach 6,4 Prozent 2017 mehr als verdoppeln dürfte. YouGov prognostizierte der Partei von Spitzenkandidatin Mona Neubaur 15, die Forschungsgruppe sogar 17 Prozent.

Die Grünen können womöglich zwischen CDU und SPD wählen

In dieser Größenordnung können die Grünen womöglich entscheiden, ob sie lieber Wüst oder Kutschaty zum Ministerpräsidenten machen, dessen Genossen mit knapp unter 30 Prozent taxiert werden, was in deren Stammland kein guter Wert ist, aber trotzdem zur Regierungsverantwortung führen könnte, eventuell auch mit der Ampel. Zu den möglichen Präferenzen der Grünen gibt es unterschiedliche Hinweise. Angeblich kann Neubaur persönlich besser mit Wüst als mit Kutschaty, gleichzeitig tendiert der Landesverband insgesamt eher zu den Roten. Die Wahrscheinlichkeit jedenfalls ist nicht klein, dass am Wahlabend noch nicht feststehen wird, wer NRW künftig regieren wird.

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