Landtagswahl in Stuttgart Stuttgarter SPD sieht Krise als Chance

Von Christoph Kutzer 

Bangemachen gilt nicht: Die Stuttgarter SPD hat ihre Bewerber für die Landtagswahl im kommenden Jahr nominiert. Trotz der Corona-Pandemie sind sich die Genossen sicher, dass in der Krise auch eine Chance steckt.

Die Stuttgarter SPD hat ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2021 nominiert. Die Partei zeigt sich trotz Coronapandemie optimistisch. Foto: imago images/7aktuell 5 Bilder
Die Stuttgarter SPD hat ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2021 nominiert. Die Partei zeigt sich trotz Coronapandemie optimistisch. Foto: imago images/7aktuell

Stuttgart - Carsten Singer (33) kann es kaum erwarten, dass der Landtagswahlkampf losgeht. „Ich brenne darauf, neben Frau Eisenmann auf dem Podium zu sitzen und über Bildungspolitik zu diskutieren“, zeigt sich der Lehrer am Hohenheimer Paracelsus-Gymnasium hoch motiviert. Am Samstag wurde er mit 94 Prozent der Stimmen zum SPD-Kandidaten für den Wahlkreis Stuttgart II nominiert. Damit tritt er direkt gegen die amtierende Kultusministerin an. Die Genossen, die sich um eine Kandidatur in den übrigen drei Wahlkreisen beworben haben und ihre Stellvertreter erfahren im DGB-Haus ebenfalls klare Rückendeckung. Sascha Meßmer, der in den Innenstadtbezirken antritt, kann die einzelne Gegenstimme gut verkraften. Sein Ergebnis: 92 Prozent. Während Singer seinen thematischen Schwerpunkt im Bildungssektor hat, setzt der 40-Jährige aus dem Stuttgarter Süden auf seine Erfahrung als Wirtschaftsförderer, Politik- und Verwaltungswissenschaftler. „Das Land braucht eine starke Sozialdemokratie“, ruft er den Genossen zu. Das gelte für die Schwachen wie für den Mittelstand oder die durch den Corona-Lockdown gebeutelten Kleinstunternehmen und Soloselbstständigen.

Die Partei ist für die Abschaffung der Kita-Gebühren und will gerechte Bildungschancen

„Wir haben uns die Wahlkreise genau angesehen und passende Kandidaten mit unterschiedlichem Profil gesucht“, erklärt Dejan Perc. Der SPD-Kreisvorsitzende ist sichtlich zufrieden mit der Auswahl, die nun ins Rennen geht. Als Zweitkandidatin ist mit Maria Hackl (59) eine erfahrene Stadträtin und Sozialpolitikerin mit an Bord. Sarah Schlösser (33), die im Norden antritt, steht für eine andere Generation und ist hoch motiviert. „Der Landtag ist überaltert, und Frauen sind beschämend unterrepräsentiert“, so Perc. Das schlägt sich auch programmatisch nieder. Schlösser etwa plädiert vehement für eine Abschaffung der Kitagebühren, die sie als „Kindersteuer“ ablehnt. Katrin Steinhülb-Joos, seit 2012 Schulleiterin an der Altenburg-Gemeinschaftsschule in Cannstatt, geht in ihrem Redebeitrag mit dem bestehenden Bildungssystem ins Gericht. Dass 3000 Lehrer im Land zu den Sommerferien entlassen werden, weil sie nur befristete Verträge haben, ist ihr ebenso ein Dorn im Auge wie ungleiche Bildungschancen oder die Priorisierung der Gymnasien. Das Votum für sie: 97 Prozent.

Von Krisenstimmung ist auf der SPD-Nominierungskonferenz trotz Corona nichts zu spüren. „In jeder Krise steckt eine Chance“, ist sich Sarah Schlösser sicher.




Unsere Empfehlung für Sie