Sabine Kurtz (CDU), hier vor der Akademie für Jugendbildung in Weil der Stadt, zieht sich aus der Landespolitik zurück. Foto: Simon Granville
Etliche Novizen in der Landespolitik möchten den Wahlkreis Leonberg künftig in Stuttgart vertreten. Aber zwei Routiniers treten wieder an, eine Parlamentarierin verabschiedet sich.
Zwei Routiniers und fünf Neulinge treten bei der Landtagswahl am 8. März im Wahlkreis Leonberg an, der auch die Bereiche Weil der Stadt und Herrenberg umfasst. Peter Seimer von den Grünen und Hans Dieter Scheerer von der FDP gehören bereits dem Parlament in Stuttgart an, alle anderen bewerben sich erstmals.
In besonders große Fußspuren will Albrecht Stickel aus Herrenberg steigen. Der 52-Jährige ist der Nachfolgekandidat der Christdemokratin Sabine Kurtz. Die Leonbergerin zieht sich nach zwei Jahrzehnten aus der aktiven Landespolitik zurück, in der sie nicht nur einfache Abgeordnete war: Drei Jahre lang, von 2018 bis 2021, war sie Vizepräsidentin des Landtags und dort für eine entschlossene Sitzungsleitung bekannt. Seither ist die nun 64-Jährige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium.
Albrecht Stickel kandidiert für die CDU im Wahlkreis Leonberg. Foto: Simon Granville
Gremienerfahrung hat auch der Mann, der Sabine Kurtz nachfolgen möchte. Seit fast zwölf Jahren gehört der Vater zweier Kinder der CDU-Fraktion im Herrenberger Gemeinderat an, deren Vorsitzender er jetzt ist.
Als Mitarbeiter in einer mittelständischen Unternehmensberatung hat Albrecht Stickel die Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen besonders im Blick. Seine Ersatzkandidatin ist die Streuobstpädagogin Jessica Kläber aus Rutesheim.
Die SPD-Bewerberin Faina Semler aus Herrenberg mit ihrem Zweitkandidaten Marco Lang aus Renningen Foto: SPD
Ebenfalls aus Herrenberg kommt die SPD-Kandidatin Farina Semler. Die 49-Jährige hat evangelische Religion und Mathematik auf Lehramt in Tübingen studiert und knapp 20 Jahre lang unterrichtet. Jetzt ist Farina Semler stellvertretende Vorsitzende des Hauptpersonalrats Gymnasien am Kultusministerium und des Bezirkspersonalrats am Regierungspräsidium Stuttgart. Bildungsgerechtigkeit, so sagt sie, müsse „aus ihrem Dornröschenschlaf“ erweckt werden. Semlers Zweitkandidat ist der AWO-Geschäftsführer Marco Lang aus Renningen.
Peter Seimer (Grüne) aus Aidlingen möchte im Landtag bleiben. Foto: Jürgen Bach
Vor vier Jahren beerbte Peter Seimer den langjährigen Grünen-Abgeordneten Bernd Murschel aus Leonberg. Nach einem Studium des Wirtschafts-und Steuerrechts an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg arbeitete der inzwischen 35-Jährige als Steuerfahnder in Stuttgart. Landtagsluft hatte der Mann aus Aidlingen bereits als Mitarbeiter seines Vorgängers Murschel geschnuppert. Politisch setzt sich Seimer für eine „starke Klimapolitik“ und eine „Finanzpolitik, die keine Investitionen in die Zukunft ausbremst“ ein. Seine Ersatzbewerberin ist die Studentin Caroline von Monsjou aus Herrenberg.
Der Liberale Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt tritt wieder an. Foto: Simon Granville
Hohe Popularität hat Hans Dieter Scheerer durch seinen Einsatz für den Verbleib eines Rettungshubschraubers am Klinikum Leonberg erlangt. Der hauptberufliche Rechtsanwalt aus Weil der Stadt war bis vor Kurzem Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes und gehört dem Landtag seit vier Jahren an. Im Gemeinderat von Weil der Stadt ist er Chef der FDP-Fraktion. Scheerer, der bald seinen 68. Geburtstag feiert, fordert nach „zehn Jahren mit wilden Experimenten“ eine Bildungspolitik, die die Schüler fördere, dazu eine „ideologiefreie Infrastrukturpolitik“. Das sei auch die beste Wirtschaftspolitik. Scheerers Zweitkandidat ist Alexander Rudat aus Leonberg.
Ein Ersatzkandidat kommt aus einer bekannten Familie
Die Linke tritt mit dem Historiker Thomas Walz aus Aidlingen (35) an. Sein Ersatzkandidat ist Moritz Riexinger aus Weil der Stadt, ein Neffe des ehemaligen Linken-Chefs Bernd Riexinger. Die AfD schickt den in Stuttgart wohnenden Bankkaufmann Andreas Auer (63) ins Rennen. Die Landes-Freien-Wähler, die nichts mit den kommunalen Freien Wählern zu tun haben, bieten den gebürtigen Leonberger Ingolf Welfe (65) auf. Der bisherige Bürgermeister von Nufringen hatte nicht mehr kandidiert. Ersatzbewerber haben die beiden Letztgenannten nicht.
Der Kreiswahlausschuss hat all diese Bewerbungen für den Wahlkreis Leonberg zugelassen. Weitere Vorschläge hat es nach Angaben des Landratsamts nicht gegeben. Die Namen der zugelassenen Kandidaten wurden jetzt dem Innenministerium übermittelt, das spätestens bis zum 19. Januar eventuell eingehende Beschwerden überprüfen will. Danach werden die Kandidaten und ihre Reihenfolge auf den Stimmzetteln final bekannt gegeben.
Es gibt erstmals zwei Stimmen bei der Landtagswahl
Bei der Landtagswahl am 8. März gibt es zwei Neuerungen: Stimmberechtigt sind nun Menschen ab 16 Jahren. Außerdem gibt es eine Erststimme für den individuellen Bewerber und eine Zweitstimme für die Partei, so wie es bei Bundestagswahlen üblich ist. „Der Landtag erhofft sich, dass mithilfe von Landeslisten der Parteien bisher unterrepräsentierte Teile der Bevölkerung stärker berücksichtigt werden“, erklärt der Kreiswahlleiter, der Landrat Roland Bernhard. „Das Parlament will damit repräsentativer werden.“