Andreas Deutschle (Esslingen), Natalie Pfau-Weller (Kirchheim) und Maren Steege (Nürtingen) holten die Direktmandate. Foto: CDU
In den Wahlkreisen Esslingen, Kirchheim und Nürtingen siegen die Kandidaten der Union. Weitere fünf Abgeordnete aus dem Kreis Esslingen ziehen ins Landesparlament ein.
Sieg und Niederlage liegen mitunter nah beieinander. Das haben die Grünen bei dieser Landtagswahl zu spüren bekommen: Die Partei konnte auch im Landkreis Esslingen das Rennen um die Zweitstimmen für sich entscheiden, die Direktmandate in den drei Wahlkreisen gingen aber allesamt verloren.
In Esslingen, Kirchheim und Nürtingen siegten die Bewerber der CDU. Dennoch ist der Kreis im künftigen Landtag von Baden-Württemberg gut vertreten, denn fünf weitere Abgeordnete – von den Grünen, der AfD und der SPD – ziehen über die Landeslisten ins Parlament ein.
Andreas Deuschle: Viele Stimmen sind auch mit Kritik verbunden
Im Wahlkreis Esslingen, zu dem neben der Großen Kreisstadt die Kommunen Aichwald, Denkendorf, Neuhausen, Ostfildern und Wolfschlugen gehören, hat der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Deutschle mit 34,2 Prozent der Erststimmen einen klaren Sieg eingefahren. 27 200 Stimmen entfielen auf den Fraktionsvize und Parlamentarischen Geschäftsführer, der damit fast das Wahlergebnis von 2011 erreichte – damals holte er erstmals ein Direktmandat. „Ich bin überwältigt von diesem großen Vertrauen, das mir die Wählerinnen und Wähler ausgesprochen haben“, kommentiert der 47-Jährige sein Ergebnis und fügt hinzu: „Ich bin mir durchaus bewusst, dass viele dieser Stimmen für mich und meine Partei auch mit Kritik verbunden sind.“
Andrea Lindlohr von den Grünen hat 31 Prozent der Erststimmen eingefahren und verpasst das Direktmandat um 2573 Stimmen. Dennoch kann die 51-Jährige ihre 2011 begonnene politische Arbeit im Landtag auch in den nächsten fünf Jahren fortführen: Platz elf auf der Landesliste der Partei sichert ihr eine vierte Wahlperiode. Ob sie in der neuen grün-schwarzen Landesregierung weiterhin als Staatssekretärin tätig sein wird? „Das wird erst Anfang Mai entschieden“, informiert sie.
Stephan Köthe (AfD) und Nicolas Fink (SPD) ziehen über Landeslisten ins Parlament ein
Dem Landesparlament wird zudem der Esslinger AfD-Stadtrat Stephan Köthe angehören, der auf Listenplatz 21 seiner Partei stehend ein Zweitmandat erhält. Die Fraktion zählt künftig 35 Mitglieder. „Für uns als Partei bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagt er mit Verweis auf den deutlichen Stimmenzuwachs der AfD landesweit. Der 59-Jährige kündigt an: „Im Landtag werden wir eine maximal konstruktive Oppositionsarbeit leisten.“
Nicolas Fink von der SPD hat nach 2021 erneut ein Zweitmandat errungen. Als Nummer sieben auf der Landesliste gehört der 49-jährige Esslinger zu den künftig nur noch zehn Sozialdemokraten im Landesparlament. „Das Ergebnis dieser Wahl kann uns als SPD überhaupt nicht zufriedenstellen, da unser Anspruch ein deutlich anderer war und ist“, räumt er ein.
Sie haben ein Zweitmandat errungen: Stephan Köthe (AfD) und Nicolas Fink (SPD). Foto: AfD/SPD
Für Martin Auerbach (Linke) stimmten 6,1 Prozent der Wähler. Auch wenn es der Esslinger Stadt- und Kreisrat bedauert, dass die Linkspartei im Land an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, zeigt er sich zufrieden: „Wir haben unser Ergebnis im Wahlkreis deutlich verbessert.“ Tobias Wirth hat für die FDP hingegen magere 3,6 Prozent der Erststimmen geholt.
Natalie Pfau-Weller: Bin überwältigt von diesem Vertrauen
Im Wahlkreis Kirchheim – er umfasst die Große Kreisstadt sowie die Gemeinden Altbach, Baltmannsweiler, Bissingen, Deizisau, Dettingen, Erkenbrechtsweiler, Hochdorf, Holzmaden, Köngen, Lenningen, Lichtenwald, Neidlingen, Notzingen, Ohmden, Owen, Plochingen, Weilheim, Wendlingen, Wernau, Oberboihingen und Unterensingen – holt die CDU-Kandidatin Natalie Pfau-Weller mit 36,7 Prozent Erststimmenanteil das Direktmandat. Vor fünf Jahren hatte sie sich mit einem Zweitmandat begnügen müssen, diesmal zog sie mit großem Vorsprung an Andreas Schwarz von den Grünen vorbei. „Ich bin überwältigt von diesem Vertrauen und vor allem unglaublich dankbar“, freut sich die 39-Jährige über ihr Ergebnis.
SPD und FDP hatten sich deutlich bessere Ergebnisse gewünscht
Dass er mit nur 27,6 Prozent Stimmenanteil das Direktmandat verloren hat, kann Schwarz jedoch verschmerzen. Der Wiedereinzug in den Landtag war dem Fraktionschef der Grünen durch Platz vier auf der Landesliste sicher. Wichtiger ist ihm – eigenem Bekunden nach – das Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei, die im Wahlkreis 31,2 Prozent der Stimmen verbucht. „Damit liegen wir über dem landesweiten Ergebnis.“
SPD-Kandidatin Tonja Brinks zeigt sich „fassungslos“ über 6,7 Prozent Erststimmenanteil und 5,2 Prozent bei den Zweitstimmen. „Ich bin geschockt.“ Enttäuscht ist auch Nicole Falkenstein von der FDP über 4 Prozent für sich und 4,5 Prozent für die Partei: „Das ist nicht das, was wir uns erhofft haben.“ AfD-Kandidat Markus Berthold, für den 18,6 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten, freut sich hingegen: „Wir haben unser Ergebnis verdoppelt und mit 18,4 Prozent das beste Ergebnis aller drei Wahlkreise im Landkreis Esslingen erzielt.“
Maren Steege: Ich nehme die Verantwortung mit großem Respekt an
Auch im Wahlkreis Nürtingen mit der Großen Kreisstadt sowie den Kommunen Aichtal, Altdorf, Altenriet, Bempflingen, Beuren, Filderstadt, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Leinfelden-Echterdingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Neuffen, Nürtingen und Schlaitdorf geht das Direktmandat an die CDU: Die 43-jährige Maren Steege verbucht 33,7 Prozent der Erststimmen für sich. Damit hat die Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Filderstadt Clara Schweizer von den Grünen deutlich hinter sich gelassen. „Ich nehme diese Verantwortung mit großem Respekt an“, sagt Steege überglücklich.
Über die Landesliste ziehen drei Abgeordnete der Grünen in den Landtag ein: Andreas Schwarz (Kirchheim), Andrea Lindlohr (Esslingen) und Clara Schweizer (Nürtingen) Foto: Grüne
Doch auch für die 23-jährige Gemeinde- und Kreisrätin aus Nürtingen, die 27,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, geht die politische Karriere weiter: Schweizer, die die Nachfolge von Winfried Kretschmann als Direktkandidatin antreten wollte, schafft über Platz 21 auf der Landesliste der Grünen den Einzug in den Landtag.
Für Dennis Birnstock, seit 2021 Abgeordneter der FDP in diesem Gremium, endet hingegen die Reise – für ihn überraschend, wie er einräumt. Mit nur 4,5 Prozent Stimmenanteil haben es die Liberalen nicht in den Landtag geschafft. „Damit habe ich nicht gerechnet. Das Ergebnis ist definitiv bitter.“ Er selbst erreichte 6,9 Prozent der Erststimmen. Wie seine berufliche Zukunft nach dem Verlust des Mandates aussieht, „das wird sich zeigen“.
Die SPD erhält im Wahlkreis gerade mal 5 Prozent der Stimmen, ihr Kandidat Tim Reeth holt 7,5 Prozent. Diese Zahlen, sagt der 26-jährige Neuffener Stadtrat, seien „katastrophal“. Auch für die Kandidatin der Linken, Clara Meier, ist das Wahlergebnis „natürlich eine herbe Enttäuschung“. Zufrieden hingegen zeigt sich Felix Schneider von der AfD. 18,2 Prozent der Erststimmen beflügeln den Heizungsbaumeister, sodass er sich weiterhin politisch engagieren will.