Landtagswahl rund um Leonberg Vom harten Kampf um die Aufmerksamkeit
Im sonderbar geschnittenen Wahlkreis Leonberg haben es die Kandidaten besonders schwer, meint der Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.
Im sonderbar geschnittenen Wahlkreis Leonberg haben es die Kandidaten besonders schwer, meint der Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.
Viele Berufspolitiker mögen die närrische Zeit. Weil sie eine besondere Affinität zur Fasnet haben? Das dürfte eher selten der Fall sein. Doch am Rande von Umzügen oder auf narreten Sitzungen kann man sich volksnah und bodenständig geben. Im Großen ist das das beim bundesweiten TV-Klassiker „Mainz bleibt Mainz“ zu beobachten, auf lokaler Bühne ist Weil der Stadt ein willkommenes Pflaster für kaum verborgene Wahlkampfwerbung im närrischen Gewand.
So sind am vorigen Fasnet-Sonntag beim Zunftmeister-Empfang der AHA im Vorfeld des großen Umzuges fast alle in die Bütt gegangen, die auch das Rednerpult im Stuttgarter Landtag anstreben. Und ob in der Politik oder beim Fasching: Die einen können es besser, andere nicht ganz so gut.
Nun sind Entertainerqualitäten nur eine von mehreren Voraussetzungen, die vom Volk gewählte und bezahlte Abgeordnete mitbringen sollten. Doch um überhaupt bei den Menschen durchzudringen, braucht es eines gewissen rhetorischen Talents. Denn Landespolitik ist kein Gewinnerthema. Irgendwo angesiedelt zwischen dem Dauergetöse in Berlin und lokalen Aufregern, die die Menschen unmittelbar betreffen, ist diese Zwischenebene mit oft komplexen wie trocknen Themen kein Stoff für die Massen.
Wer also Landesparlamentarier bleiben oder werden will, sollte um seine Sichtbarkeit bemüht sein. Besonders schwierig ist das in einem Wahlkreis, der aus zwei Gebieten besteht, die im Grunde so gut wie gar nichts miteinander zu tun haben – außer dass sie in einem vor mehr als 50 Jahren willkürlich festgelegten Landkreis liegen. Der Leonberger Wahlkreis 6, wie er amtlich heißt, ist so ein Beispiel. Er reicht von Leonberg über Weil der Stadt nach Herrenberg. Die natürlichen Bezugspunkte sind in diesem Konstrukt sehr überschaubar.
Nicht umsonst war Sabine Kurtz in den vergangenen Jahren sehr oft im Gäu unterwegs. Die langjährige CDU-Abgeordnete, Landtags-Vizepräsidentin und Staatssekretärin im Agrarministerium, lebt in Leonberg und wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, den anderen Teil ihres Wahlkreises zu vernachlässigen. Jetzt haben wir die umgekehrte Situation: Ihr Nachfolge-Kandidat Albrecht Stickel kommt aus Herrenberg und zeigt in diesen Tagen in der Raumschaft Leonberg hohe Präsenz – nicht nur bei der Fasnet oder beim Pferdemarkt. Doch der Kampf um Aufmerksamkeit ist ein schwerer. Gleichwohl hat Stickel den Anspruch, den Wahlkreis zu gewinnen.
Nicht viel besser geht es der Sozialdemokratin Farina Semler. Die Herrenbergerin mag sich damit trösten, dass ihre Partei schon jetzt keinen Abgeordneten im Wahlkreis Leonberg hat. Immerhin eine gewisse Bekanntheit hat Peter Seimer von den Grünen, der vor fünf Jahren dem Langzeitabgeordneten Bernd Murschel gefolgt ist. Die Popularitätswerte seines redegewandten Vorgängers konnte der hochgewachsene Mann aus Aidlingen freilich nicht erreichen.
Den Statuts eines Lokalmatadors im Raum Leonberg erfüllt am ehesten Hans-Dieter Scheerer von der FDP. In seinen fünf Abgeordneten-Jahren hat der Rechtsanwalt aus Weil der Stadt besonders durch seinen Einsatz für einen Verbleib des Rettungshubschraubers am Leonberger Krankenhaus Pluspunkte gesammelt. Ob das für einen Wiedereinzug ins Parlament reicht? Die FDP selbst muss in Baden-Württemberg zittern. Scheerer steht auf Listenplatz 15, seine Partei hat derzeit 18 Mandate.
Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat auch Gitte Hutter. Politisch zeigt die frühere Leonberger Stadt- und Kreisrätin eine bemerkenswerte Geschmeidigkeit. Von den Linken wechselte sie zu Volt. Jetzt kandidiert sie für das Bündnis Sahra Wagenknecht.