Muhterem Aras ist Stimmenkönigin der Landtagswahl „Die OB-Wahl ist von der CDU überinterpretiert worden“

Die Landtagswahl brachte gute Nachrichten für Muhterem Aras und die Stuttgarter Grünen. Foto: dpa/Felix Kästle

44,8 Prozent – niemand holte bei der baden-württembergischen Landtagswahl mehr Stimmen. Die Stuttgarter Grüne-Politikerin Muhterem Aras ist damit erneut Stimmenkönigin geworden. Im Interview zeigt sie sich bewegt.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Stuttgart - Die 1966 in Ostanatolien geborene Grünen-Politikerin und gelernte Steuerberaterin Muhterem Aras gehört dem baden-württembergischen Landtag seit 2011 an. Bei der Wahl am Sonntag erreichte sie im Wahlkreis I in Stuttgart 44,8 Prozent. Ein grüner Rekordwert.

 

Frau Aras, Sie sind erneut Stimmenkönigin geworden. Was bedeutet Ihnen das?

Die 42,4 Prozent vom letzten Mal waren schon eine hohe Messlatte. Dass ich sie überspringen konnte, macht mich überglücklich. Ich bin den Wählerinnen und Wählern sehr dankbar für diesen Vertrauensbonus.

Wie erklären Sie sich den großen Zuspruch? Spielt das Amt der Landtagspräsidentin eine Rolle?

Das hat sicher nicht geschadet. Ich denke, dass die Leute meine langjährige Arbeit und meine Arbeitsweise schätzen. Ich habe einen Wahlkreis (Stuttgart I), in dem nicht danach gefragt wird, wo man zufällig geboren worden ist. Entscheidend ist, für welche Werte man sich einsetzt und was man zu dieser wunderbaren weltoffenen Gesellschaft beiträgt. Es freut mich riesig, dass das gesehen wird. Wichtig ist auch, dass man in seinem Wahlkreis während der Legislaturperiode sichtbar ist. Politiker sind gut beraten, darauf zu achten, was die Menschen bewegt. Es geht nicht darum, den Leuten nach dem Mund zu reden. Man muss zuhören können und Entscheidungen dann auch transparent erklären – darauf kommt es an. Die Wählerinnen und Wähler schätzen es, wenn man offen und authentisch ist.

Als größte Fraktion haben die Grünen darauf wieder Anspruch – wollen Sie Präsidentin bleiben?

Es ist eines der wunderbarsten und spannendsten Ämter in diesem Land überhaupt. Man kann überparteilich an grundsätzlichen Themen arbeiten. Ich habe das mit viel Leidenschaft gemacht und bin motiviert. Alles Weitere entscheiden wir gemeinsam in der Fraktion.

Sie haben sich als Landtagspräsidentin in der vergangenen Legislaturperiode heftige Auseinandersetzungen mit der AfD geliefert. Am Sonntag ist die Partei zurechtgestutzt worden. Wie bewerten Sie das?

Als Abgeordnete kann ich sagen: Ich bin sehr froh, dass die AfD einstellig geworden ist. In meinem Wahlkreis hat sie erneut das schlechteste Ergebnis in ganz Baden-Württemberg geholt. Ich bin der Wählerschaft sehr dankbar, dass das, was die AfD will, nämlich spalten, nicht auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Die Grünen haben in Stuttgart 39 Prozent der Stimmen erreicht – gut sechs Prozent mehr als im Landesdurchschnitt. Nach der OB-Wahl im November konnte man den Eindruck haben, Stuttgart sei schwarz. Was ist passiert?

Die OB-Wahl ist von der CDU überinterpretiert worden. Wenn man sich das Ergebnis genau anschaut, stellt man fest, dass es in der Stadt eine Mehrheit für ökologische und soziale Themen gibt – bei allem Respekt vor der Wahl von Herrn Nopper. Dass wir in Stuttgart alle vier Direktmandate gewonnen haben, zeigt, dass unsere Themen wie Klimaschutz, Mobilitätswende und bezahlbarer Wohnraum in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Wir sind näher an den Menschen in dieser Stadt, als es die CDU ist.

Grün-Schwarz oder Ampel? Haben Sie eine Präferenz?

Ich bin da sehr offen und froh, dass wir in der Lage sind, uns die Partner aussuchen zu können. Klar muss sein, Klimaschutz ist das herausragende Thema – egal in welcher Konstellation.

Weitere Themen