Landtagswahl Um 18 Uhr müssen die Balken stehen

Von Sabine Nedele 

Die Demoskopen spielen bei der Landtagswahl eine wichtige Rolle. Für die Hochrechnung werden bis zu 30.000 Fragebögen ausgewertet.

 Foto: Stoppel
Foto: Stoppel

Stuttgart - Ob die Wahlen wichtig sind oder nicht, macht für uns keinen Unterschied", sagt Matthias Jung, der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, die für das ZDF Wahlforschung betreibt. Wenn in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewählt wird, heißt das für die Meinungsforscher zunächst mal "business as usual" - unabhängig davon, ob Politiker den Termin zur Schicksalswahl erklärt haben. Doch nachdem die Demoskopen in einer Vielzahl von Umfragen zumindest für Baden-Württemberg eine anhaltende Wechselstimmung unter den Wählern ausgemacht haben, dürfte das Interesse an der 18-Uhr-Prognose im Fernsehen bei dieser Landtagswahl besonders hoch sein.

Grundlage dieser Prognose ist die Wahltagsbefragung, wie die Meinungsforscher das nennen. Um die Prognose möglichst zuverlässig zu erstellen, werden aus zufällig ausgewählten Wahllokalen - bei der Forschungsgruppe Wahlen sind es 158 in Baden-Württemberg, 160 in Rheinland-Pfalz - Menschen nach Verlassen des Wahllokals angesprochen und gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Darin wird nach der Wahlentscheidung gefragt, außerdem werden demografische Daten erhoben: Alter, Geschlecht, Konfession, Schulbildung.

Ergebnisse werden zentral ausgewertet

Je nach Größe des ausgewählten Wahllokals wird jeder fünfte oder jeder siebte Wähler gebeten, sein Datenblatt in eine Pappurne zu werfen. Die Ergebnisse werden telefonisch nach Mannheim übermittelt und dort zentral ausgewertet, erläutert Jung, der über die Jahre ein "parteienspezifisches Wählerverhalten" ausgemacht hat. In ausgewiesen katholischen Gebieten oder ländlichen Gebieten sei das Wahlverhalten traditionell, CDU-Wähler machten ihr Kreuz eher zwischen Kirchgang und Mittagessen. Deshalb liege vormittags die CDU oft weit vorne, weil es die grünen Wähler dem Klischee entsprechend gemütlicher angehen ließen und eher später ins Wahllokal kämen, meint Jung.

In Baden-Württemberg sind 7,8 Millionen Menschen wahlberechtigt, darunter 550.000 Erstwähler. In Rheinland-Pfalz sind drei Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Am Wahlsonntag wird die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen für die 18-Uhr-Prognose des ZDF für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zwischen 15.000 und 18.000 Interviews auswerten.

Wähler von Interviewern angesprochen

Weil die Wahllokale für die Interviews nach dem Zufallsprinzip ausgewählt sind, werden bedeutend mehr Menschen befragt als die üblichen 1000, die die Demoskopen bei Meinungsumfragen und Wahlabsichtsbefragungen heranziehen. Außerdem werden nur wirkliche Wähler befragt, Nichtwähler und Unentschlossene - in den Vor-Wahl-Umfragen ein großer Unsicherheitsfaktor - kommen nicht vor, genauso wenig wie Briefwähler.

Auch die Meinungsforscher des für die ARD tätigen Berliner Instituts Infratest dimap erstellen ihre "Wahltagsbefragungen" ähnlich. Auch hier werden die Wähler von den Interviewern angesprochen und gebeten, den kurzen Fragebogen auszufüllen, in dem nach der Wahlentscheidung gefragt wird. Darüber hinaus werden Alter, Geschlecht und einige für die Entscheidung ausschlaggebende Aspekte erhoben. So spielt zum Beispiel eine Rolle, "ob der Kandidat, das Programm der Partei oder die langfristige Bindung an eine Partei für die Wahlentscheidung wichtig war", erläutert Irina Roth von Infratest dimap.

Die Befragung ist wie bei Forschungsgruppe Wahlen freiwillig und anonym, die Bereitschaft den Fragebogen auszufüllen, sei sehr hoch, sagt Roth. "Fast alle Wähler kennen unsere Arbeit aus dem Fernsehen und beteiligen sich gerne."

Bezirke werden zufällig ausgewählt

Die Ergebnisse der ausgewerteten Fragebogen werden stündlich in die Datenzentrale gemeldet. Auf dieser Basis entsteht dann die Prognose, die um 18 Uhr in der ARD präsentiert wird. Nach Schließung der Wahllokale melden die Mitarbeiter außerdem schnellstmöglich die Ergebnisse, die im Verlauf des Abends in die Hochrechnungen der ARD einfließen.

Die Berliner Demoskopen werden in Baden-Württemberg in 220 Wahllokalen vor Ort sein, in Rheinland-Pfalz in 196. Diese Bezirke wurden zufällig ausgewählt, "wie beim Lotto", sagt Roth. Diese Auswahl werde auf verschiedene Gegebenheiten geprüft, etwa ob man mit bei der vorigen Landtagswahl eine gute Prognose erzielt hat. Genügt die Stichprobe nicht allen Ansprüchen, werden neue Wahllokale ausgesucht. In Baden-Württemberg rechnen die Meinungsforscher von Infratest dimap mit 25.000 bis 30.000 ausgefüllten Fragebögen, in Rheinland-Pfalz geht man von 20.000 bis 25.000 aus.

Auch das Statistische Landesamt in Baden-Württemberg ist vorbereitet: die Stimmzettel aus den 10.500 Wahlbezirken werden von Wahlhelfern und Wahlvorständen von Hand ausgezählt, anschließend werden die Ergebnisse dem Kreiswahlleiter zugeleitet. Mit ersten Zählergebnissen ist von 19.30 Uhr an zu rechnen. Deutlich länger, nämlich zwei Wochen, wird es dauern, bis das Ergebnis der sogenannten Repräsentativen Wahlstatistik vorliegt. Bei dieser Stichprobe sammeln die Landesstatistiker Informationen über die Zahl der Wahlberechtigten, die Wähler und die Stimmabgabe nach Geschlecht und Altersgruppe. Dafür wurden 186 Wahlbezirke - darunter 23 Briefwahl- und 163 Urnenwahlbezirke - ausgewählt, die auf 139 Gemeinden im Südwesten verteilt sind. Einzige Bedingung: die Bezirke müssen mindestens 500 Wahlberechtigte, die Briefwahlbezirke mindestens 500 Wähler haben.

Weitere Informationen zur Landtagswahl finden Sie hier.