Landtagswahl Verpasst die CDU den Machtwechsel im Land?

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat den lange sicher geglaubten Wahlsieg verpasst. Foto: Marijan Murat/dpa

Die CDU erlebt bei dieser Ladntagswahl einen historischen Wahlkrimi. Ihr Ziel war ein großer Sieg. Ob das gelingt? Die Zahlen schwanken, es bleibt knapp.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Um 18 Uhr kann die CDU noch hoffen, weil die Prognose am Wahlabend bei knappem Ergebnis immer noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Aber schon als Manuel Hagel wenige Minuten später vor seine Parteifreunde im Stuttgarter Geno-Haus tritt und die Verantwortung für die Kampagne, für alle Entscheidungen und für das Ergebnis übernimmt, hat der Vorsprung der Grünen begonnen, sich zu konsolidieren. Die CDU liegt in Hochrechnungen von ARD und ZDF hinter den Grünen. Hagel plädierte dafür, noch weitere Ergebnisse abzuwarten. „Es kann ein langer Abend werden“, sagt er. Doch seine Worte haben schon zu diesem Zeitpunkt einen schalen Klang.

 

Verlieren war nicht vorgesehen

Die Gesichter der Christdemokraten, die ihn bei diesem Fernsehauftritt umringen sind ernst. Dass es knapp werden würde an diesem Sonntag, das haben sie nach der Aufholjagd der grünen Konkurrenz in den Umfragen geahnt. Aber dass sie wirklich verlieren? Das haben sich in der CDU die meisten nicht vorstellen können.

Auch dem Spitzenkandidaten Manuel Hagel ist in den vergangenen Tagen gedämmert, dass er kaum, wie ursprünglich einmal angenommen, als der überragende Sieger auf der Bühne stehen würde, der der CDU nach dem Ende der Ära Kretschmann einen glatten Durchmarsch zurück in die Staatskanzlei erkämpft hat. Mindestens an einen Zittersieg haben er und seine Getreuen bis zum Schluss geglaubt, wenn auch wohl nicht mehr an den Triumph, den sie vor nicht allzu langer Zeit noch schon eingepreist hatten.

Doch der Souverän macht es spannend. Bei Schließung der Wahllokale liegen die Grünen vorn. Dem 37-jährigen Christdemokraten aus Ehingen scheint der so lange so sicher geglaubte Machtwechsel zu missglücken. Doch die Zahlen schwanken hin und her. Hagels Konkurrent Cem Özdemir scheint es schon geschafft zu haben, die grüne Ära über die Amtszeit des Landes- und Übervaters Winfried Kretschmann hinaus zu verlängern.

Und wo landet Kretschmanns Erbe?

Hagel hat den Grünen schon zum Sieg gratuliert. Dann wird es wieder knapp. Um zu ermessen, wie bitter eine Niederlage für Hagel und seine Parteifreunde an diesem Abend wäre, muss man sich vergegenwärtigen, dass die Christdemokraten sich das Ende der Ära Kretschmann noch vor kurzer Zeit nur als Triumph vorstellen konnten.

Kretschmanns Erbe reklamierte der ehrgeizige Herausforderer Hagel schon bei seinem Aufstieg an die Parteispitze vor gut zwei Jahren für seine Partei. Die grüne Regierungszeit im Südwesten wollte Hagel an diesem 8. März zu einer respektablen, nach 15 Jahren endenden Ausnahme-Episode in der Geschichte Baden-Württembergs degradieren. Er wollte durchstarten in eine neue christdemokratische Ära – mit einer neuen Koalition ohne die Grünen. Dass das auch scheitern kann? Das hatten Hagel und seine Leute nicht wirklich auf der Rechnung, bis, ja bis die Grünen mit Özdemir Ende Februar Luft unter die Flügel bekamen.

Wie tief der Fall sein kann, wenn die Operation Machtwechsel scheitert, können die Christdemokraten im Nachbarland Rheinland-Pfalz beobachten. Dort wird in 14 Tagen gewählt. Ob es der bis 1991 dauerregierendenden und seither daueropponierenden CDU gelingt, der SPD diesmal die Führungsrolle wieder abzujagen – nach 35 Jahren – ist offen. Nachdem der Machtwechsel in Stuttgart nicht geklappt hat, sind die Aussichten für die Nachbar-CDU auch gleich wieder schlechter. Das Schicksal der Parteifreunde in Mainz droht der stolzen Südwest-CDU nicht. Denn ohne sie kann in Stuttgart nicht regiert werden. Doch einen Abstieg zum Status eines dauerhaften Juniorpartner-Kandidaten zu verhindern – darum ging es an diesem Wahlabend auch. Und klar ist: So günstig wie die Gelegenheit zur Rückeroberung der Macht bei Winfried Kretschmanns Abschied aus der Politik für die CDU ist, wird sie so schnell nicht wieder werden.

CDU hat Boden gut gemacht

Immerhin hat die CDU seit Susanne Eisenmanns historischer Niederlage vor fünf Jahren wieder deutlich Boden gut gemacht. Auf dieser Grundlage sei Hagels Stellung an der Parteispitze gesichert, heißt es hinter den Kulissen schon vor dem Wahltag.

Bei der Pressekonferenz im Landtag ist der schon sicher geglaubte Wahlsieger Cem Özdemir vorsichtig. Noch wisse man nicht, wie es ausgehe. Hagel dagegen gratuliert den Grünen und Özdemir persönlich. Die CDU sei nicht stärkste Kraft. „Wir haben gewonnen, aber nicht alles“, sagt er. Offensiv spielt Hagel den Grünen den Ball zur Regierungsbildung zu. Die CDU werde auch nach der Wahl bei ihren Überzeugungen bleiben, sagt er. Kurz nach 22 Uhr erklärt dann Özdemir seinen Sieg und hält der CDU die Hand zur Koalition hin.

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