Landtagswahl Wahl im Kreis Ludwigsburg: Grüne gewinnen Wahl, die CDU die Mandate

Die CDU feiert den Sieg aller Direktmandate, die Grünen sehen sich derweil als Wahlsieger. Foto: privat

Während sich die Grünen auf den Wahlpartys in Ludwigsburg und Marbach über einen Ministerpräsidenten Cem Özdemir freuen, feiert die CDU den Sieg aller drei Direktmandate im Landkreis.

Die Wahlergebnisse der Wahlkreise Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Vaihingen sind widersprüchlich. Die CDU schnappt den Grünen in allen drei Wahlkreisen die Direktmandate weg, bei den Zweitstimmen sehen die Ergebnisse jedoch ganz anders aus. Ein Überblick über Stimmenverteilung, die Reaktionen der Kandidaten und einen emotionalen Angriff von Bietigheims CDU-Kandidat Tobias Vogt auf die Grünen.

 

Wahlkreis Ludwigsburg

Dass die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Ludwigsburg holt, ist wohl die größte Überraschung des Wahlabends im Kreis. Mit 32,8 Prozent liegt Lukas Tietze deutlich vor Silke Gericke, die nur auf 29,3 Prozent der Erststimmen kommt. Und das, nachdem die Grünen 2016 und 2021 mit teil deutlichem Vorsprung den Wahlkreis gewonnen hatten.

Der Sieger, Lukas Tietze, führt das auf einen „engagierten Wahlkampf“ zurück: „Ich war seit einem Jahr nominiert und war unfassbar viel im Wahlkreis unterwegs. Ich freue mich wirklich außerordentlich, dass die Wählerinnen und Wähler das über die Erststimme goutiert haben.“

Lukas Tietze gewinnt im Wahlkreis Ludwigsburg das Direktmandat – durchaus überraschend. Foto: Marcel Ditrich

Während Tietze den Wahlkreis für die CDU zurückgeholt hat, lag seine Partei bei einem Zweitstimmenergebnis von 27,7 Prozent weit hinter den Grünen zurück, die auf 33,9 Prozent kamen. Tietze führt das auf die Besonderheiten des neuen Wahlrechts zurück: „Wir haben einen klaren Zwei-Stimmen-Wahlkampf geführt. Auf allen meinen Plakaten stand: Am 8. März mit beiden Stimmen CDU. Aber die Menschen haben die Möglichkeit genutzt, zwischen Erst- und Zweitstimme zu splitten.“

Ob das wohl an der Unpopularität des Spitzenkandidaten Manuel Hagel lag? Tietze sieht das nicht so: „Ludwigsburg war für uns in den letzten zehn, 15 Jahren immer ein sehr schwieriger Wahlkreis. Uns war klar, dass es hier ein Kraftakt wird. Das neue Wahlrecht war für uns alle eine Unbekannte. In meinen Augen hat Manuel Hagel aber einen super Job gemacht.“

Silke Gericke hatte den Wahlkreis 2021 noch mit mehr als elf Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Obwohl sie sich dieses Mal mit Platz zwei zufriedengeben muss, wird sie den Wiedereinzug in den Landtag über die Landesliste schaffen. Sie richtet den Blick schon in die Zukunft, wo es angesichts der zukünftigen Mehrheitsverhältnisse zu einer Neuauflage der grün-schwarzen Koalition kommen dürfte: „Es wäre gut, wenn wir jetzt ein gutes Miteinander mit der CDU finden würden. In den letzten fünf Jahren lief es ja auch.“

Gericke dankte auf der Wahlparty in Ludwigsburg auch den SPD- und FDP-Mitgliedern, die ihre Stimme ihrer Partei gegeben haben. „Wir sollten demütig gegenüber den anderen Parteien sein, denn die haben ganz klar intern Entscheidungen getroffen, die sicher ihren Interessen widersprechen. Aber sie hatten auch ein starkes Verlangen nach einem bestimmten Ministerpräsidenten.“

Der AfD-Kandidat Christoforos Tsoulopoulos, der am Sonntagabend auf der großen Wahlparty in Stuttgart war, landete mit 16,4 Prozent der Erststimmen auf Rang drei. Genauso viele Prozentpunkte holte die AfD auch bei den Zweitstimmen. „Klar hätten wir etwas mehr haben können, aber ich bin sehr zufrieden“, sagt er. Für ihn persönlich könnte das beste AfD-Landesergebnis der Geschichte enorme Bedeutung haben: Tsoulopoulos wird als erster AfD-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Ludwigsburg in den Landtag einziehen.

Nathalie Ziwey ist dagegen die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden der SPD auf Landesebene deutlich anzuhören. „Wir hatten mit einem schlechten Ergebnis gerechnet – aber dass es so schlecht wird, hat niemand erwartet“, sagt sie. Für Ziwey lässt sich die Wahlniederlage nicht allein damit erklären, dass viele SPD-Wähler im Kopf-an-Kopf-Rennen ihre Stimme den Grünen geliehen hätten. Die Sozialdemokraten hätten vielmehr „strukturelle Probleme“. Auch die Parteispitze habe Fehler gemacht. So fehle es der SPD mancherorts an aktiven Mitgliedern im ländlichen Raum, außerdem seien viele Parteimitglieder bei wichtigen Entscheidungen nicht ausreichend eingebunden worden.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Ludwigsburg lag bei 70 Prozent. Das waren fast sechs Prozentpunkte mehr als noch 2021.

Wahlkreis Bietigheim-Bissingen

Eine „Achterbahnfahrt der Gefühle“ erlebte Tayfun Tok, der grüne Direktkandidat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Erst war da pure Freude, als seine Partei in der Ergebnisprognose von 18 Uhr auf dem ersten Platz lag. „Wir bleiben stärkste Kraft im Land, wir haben die Wahl gewonnen!“, rief Tok seinen Unterstützern bei der Wahlparty im Marbacher Café Provinz entgegen. „Es war ein grandioser Wahlkampf, ich bin so stolz auf euch alle!“

Die Erleichterung, die Aufholjagd tatsächlich geschafft zu haben, war dem Landtagsabgeordneten deutlich anzumerken. „Man hat irgendwann gemerkt, dass Manuel Hagel nicht zieht“, beschrieb Tok die letzten beiden Wochen des Wahlkampfs. „Die Leute wollten einfach Cem Özdemir als Ministerpräsidenten.“

Dennoch begann irgendwann doch noch das große Zittern. Nicht nur, dass der Abstand zwischen Grünen und CDU auf Landesebene immer kleiner wurde. Es zeichnete sich außerdem ab, dass Tok sein Direktmandat im Wahlkreis nicht würde verteidigen können. Am Ende lag er mit 27 Prozent („das ist total in Ordnung“) deutlich hinter seinem CDU-Kontrahenten Tobias Vogt, der den Wahlkreis mit 37,5 Prozent für sich entschied. Immerhin: Über die Landesliste zog Tok erneut in den Landtag ein.

Vogt und die CDU sicherten sich nicht nur das Direktmandat, mit knappem Vorsprung holten sie auch die meisten Zweitstimmen im Wahlkreis Bietigheim. „Ich bin unendlich dankbar für diesen Vertrauensvorschuss“, freute sich Vogt. „Es ist eine riesengroße Ehre und ein klarer Auftrag.“ Dass die CDU auf Landesebene zwar deutlich mehr Direktmandate holte, bei den Zweitstimmen aber letztlich doch hinter den Grünen liegt, erklärte Vogt mit Verweis auf die überraschend schwachen Ergebnisse von SPD und Linkspartei: „Die Grünen haben es geschafft, das linke Lager nahezu vollständig für die Zweitstimmen zu mobilisieren.“

Im zweiten Anlauf geschafft: Tobias Vogt holt das Direktmandat. Foto: privat

Am alten und wohl auch neuen Koalitionspartner seiner Partei ließ der CDU-Landesgeneralsekretär ansonsten aber kein gutes Haar und wurde am Sonntagabend emotional: Die Grünen hätten in den vergangenen Wochen eine „Schmutzkampagne“ gefahren und damit „den amerikanischen Wahlkampf nach Deutschland“ gebracht. „Die letzten beiden Wochen war das vergleichbar mit einer Trump-Kampagne“, so Vogt.

Es sei nicht mehr um Inhalte gegangen, sondern nur noch um persönliche Diffamierung. Vogt spricht von „Schmutz, Hetze und Hass von grünen Influencern und Mandatsträgern“. Gleichzeitig deutete er an, dass die anstehenden Koalitionsverhandlungen kein Selbstläufer werden dürften: „Das Vertrauensverhältnis zu den Grünen ist massiv belastet.“

Wahlkreis Vaihingen

Auch im Wahlkreis Vaihingen liegen Freund und Frust nah beieinander. CDU-Kandidat Konrad Epple zeigt sich am Wahlabend über das Ergebnis auf Landesebene enttäuscht. Er bedauert, dass am Ende wohl doch eher „die Performance“ gezogen habe. Das Wahlergebnis sei auch deswegen enttäuschend, weil man zu einer Wahl immer antrete, um möglichst als alleiniger Sieger hervorzugehen – ohne dass er damit das Wählervotum schmälern wolle.

Gleichzeitig hat Epple seine Wahlniederlage im Wahlkreis Vaihingen von 2021 wieder gut gemacht und mit 36,6 Prozent der Erststimmen den Wahlkreis deutlich für sich gewonnen. „Das Ergebnis macht mich glücklich“, sagt der Christdemokrat aus Ditzingen, der seit 2011 im Landtag Politik macht. Das Ergebnis sei eine Bestätigung der bisherigen Arbeit. „Der Bürger hat mir vertraut.“

Konrad Epple hat das Vertrauen vieler Wähler für sich gewonnen. Foto: Julian Meier

Grünen-Kandidatin Meike Günter erhält derweil 27,7 Prozent der Erststimmen und kann damit den Erfolg ihres Vorgängers Markus Rösler nicht wiederholen – der hatte 2021 noch 33 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Vaihingen geholt. In den Wahlergebnissen folgt Nikolaos Boutakoglou von der AfD auf Platz drei (16,8 Prozent) – er wird über die Landesliste in den Landtag einziehen. Torsten Liebig von der SPD bekam 7,4 Prozent der Erststimmen und landet auf Platz vier.

Bei den Zweitstimmen ist die CDU im Wahlkreis Vaihingen derweil weniger erfolgreich als bei den Erststimmen. Die Christdemokraten liegen mit 31,5 Prozent nur hauchdünn vor den Grünen mit 31,4 Prozent. Die SPD kommt auf 5,1 Prozent, die AfD liegt mit 16,6 Prozent etwas unter dem Landesergebnis und die FDP erreicht 5,4 Prozent – also etwas mehr als auf Landesebene. Die Wahlbeteiligung liebt bei 73,9 Prozent.

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