Landtagswahl Wahlkreis Böblingen Erst jubeln die Grünen, dann die CDU

Wahlabend im Bootshaus: Die Grünen jubeln über die erste TV-Prognose Foto: Stefanie Schlecht

Im Wahlkreis Böblingen freuen sich die Grünen über das Partei-Ergebnis, doch das Direktmandat holt Regina Dvořák-Vučetić für die CDU. Bitter ist der Abend für Florian Wahl (SPD).

Dass die Grünen nach einer Aufholjagd die CDU noch überholen würden, das hat selbst die Basis überrascht. „Wahnsinn!“ oder „Das darf doch nicht wahr sein!“, ist bei der Wahlparty des Grünen-Kreisverbands zu hören, als die erste Prognose über den Bildschirm flimmert.

 

Der Kreisvorsitzende Manuel Zimmerer sieht den Grund für den Erfolg beim Spitzenkandidaten Cem Özdemir. „Es ist zwar keine Personenwahl, aber seine Person hat doch viele Leute so überzeugt, dass sie heute ihr Kreuz bei den Grünen gemacht haben“, sagt Zimmerer im Böblinger Bootshaus.

Thekla Walker jubelt mit Cem Özdemir in Stuttgart, verliert aber das Direktmandat in Böblingen. Foto: Patrick Vexler

Thekla Walker, Umweltministerin und Grünen-Kandidatin im Wahlkreis Böblingen, zeigt sich glücklich über die Zahlen der ersten Hochrechnung: „Wenn man die Ausgangslage vor ein paar Monaten und dann die Aufholjagd sieht, die wir geschafft haben, kann man nur erfreut sein.“ Noch müsse man den Ausgang des Abends aber abwarten. Tatsächlich schrumpft der Vorsprung der Grünen noch gewaltig zusammen, zudem wird Walker ihr Direktmandat verlieren, aber dennoch erneut in den Landtag einziehen – Landeslistenplatz 1 macht es möglich.

Bei den Erststimmen CDU vorne

Anders entwickelt sich der Abend bei der CDU: In Böblingen hätte man bei der Wahlparty im Seegärtle nach der Einblendung der ersten Balken eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde die TV-Prognose um kurz nach 18 Uhr aufgenommen. Die Christdemokraten landeten dort knapp unter 30 Prozent, die Grünen knapp darüber.

CDU-Kandidatin Regina Dvořák-Vučetić nimmt die ersten Hochrechnungen gefasst auf. „Man hat ja schon gesehen, dass es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinausläuft, von daher war es erwartbar.“ Sie sei noch nicht „im Modus zu überlegen, woran was gelegen hat.“ Dvořák-Vučetić will zunächst die Auszählung im Wahlkreis abwarten. Die hebt tatsächlich die Stimmung im CDU-Lager nach und nach merklich.

Holt das Direktmandat für die CDU: Regina Dvořák-Vučetić Foto: Stefanie Schlecht

Es zeichnet sich früh ab, dass Regina Dvořák-Vučetić das Direktmandat im Böblinger Wahlkreis 5 gewinnt. Sie knöpft es damit Thekla Walker (Grüne) ab, die es seit 2016 innehatte und seit fünf Jahren außerdem das Umweltministerium führt. „Für uns ist es wirklich toll, dass wir das Direktmandat wiederbekommen haben. Dieser Zugewinn zeigt mir, dass die Leute bürgerliche Politik wollen“, sagt die CDU-Kandidatin.

Die folgende Grafik zeigt die Erststimmenanteile im Wahlkreis Böblingen – die Ergebnisse zum Wahlkreis 5 (Böblingen) finden Sie hier, die zu Wahlkreis 6 (Leonberg) hier:

Dvořák-Vučetić habe die Bürgerinnen und Bürger habe im Wahlkampf sehr aufgeschlossen erlebt: „Die Leute haben es geschätzt, dass ich präsent war, diese Rückmeldung habe ich bekommen.“ Ein Prinzip, dem sie in den kommenden fünf Jahren treu bleiben will. „Ich komme aus dem Wahlkreis und lebe hier. Es ist klar das Ziel meiner politischen Arbeit: Die Dinge, die den Menschen hier wichtig sind, in Stuttgart zu vertreten – insbesondere in wirtschaftlichen Belangen.“

Einen anderen Aspekt des Wahlabends bringt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Böblinger Gemeinderat, Thorsten Breitfeld, noch ins Spiel: Er findet bedauerlich, wie schlecht FDP und SPD abgeschnitten haben: „Das sind Parteien der demokratischen Mitte, extrem bitter.“

Katastrophenstimmung bei der SPD

Entsprechend mies ist die Stimmung bei der SPD: „Das ist ein absolutes Katastrophen-Ergebnis“, sagt der Landtagsabgeordnete Florian Wahl. Es habe sich in den vergangenen Wochen zwar abgezeichnet, dass die SPD ordentlich Stimmen an die Grünen und die CDU verliert – aber dass es so deutlich wird, das habe jetzt doch schockiert. „Wir sind zwischen zwei Polen vollkommen zerrieben worden.“

Konsterniert: Florian Wahl (SPD) Foto: Stefanie Schlecht

Da kann auch nicht helfen, dass der Böblinger mit über 13 Prozent ein ordentliches Erststimmenergebnis einfährt, im Landtag wird die SPD sehr wenige Sitze bekommen. „Wenn die Zahlen so stehen bleiben, ist es rechnerisch unmöglich, dass ich meinen Platz im Landtag behalte.“

„Das Ergebnis ist happig“, sagt auch der Böblinger SPD-Kreisvorsitzende Samet Mutlu im AWO-Haus, wo sich die Böblinger Genossen treffen, „das ist eine große Enttäuschung.“ Am frühen Abend will er aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. „Da kann noch einiges passieren“, glaubt er, wird aber enttäuscht werden.

AfD-Kandidatin im Landtag?

Am frühen Abend sehen Hochrechnungen die AfD bei rund 18 Prozent und etwa 30 Sitzen im Landtag. Die Böblinger AfD-Kandidatin Christine Schäfer steht auf Landeslistenplatz 25 und wäre damit drin. „Das freut mich sehr“, sagt sie am Wahlabend. Dabei sei sie mit dem Gesamtergebnis der Partei nicht ganz zufrieden, auch wenn die AfD ihr Ergebnis nahezu verdoppeln konnte. „Da habe ich mir etwas mehr erwartet.“

Gleichzeitig schießt Christine Schäfer gegen die Wahlgewinner. „Das Ergebnis der Grünen ist fatal“, sagt sie, „da kann ich nur den Kopf schütteln, Baden-Württemberg ist verloren“, sagt die Rechtspopulistin.

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