Landwirtschaft auf den Fildern Alle Jahre wieder Ärger über dreckige Wege

Immer wieder gibt es Klagen wegen Dreck auf Feldwegen – auch aus Gründen der Sicherheit. Foto: Archiv/Norbert J. Leven
Immer wieder gibt es Klagen wegen Dreck auf Feldwegen – auch aus Gründen der Sicherheit. Foto: Archiv/Norbert J. Leven

Radfahrer und Spaziergänger kritisieren in Stuttgart-Plieningen regelmäßig Hinterlassenschaften der Feldarbeit der Bauern. In Filderstadt seien Feldwege sauberer. Doch stimmt das wirklich? Und wer ist hüben und drüben für die Reinigung zuständig?

Plieningen/Filderstadt - Feldwege und Regen vertragen sich nicht besonders gut. Die Kombination macht es Landwirten schwer, nach getaner Arbeit den Weg sauber zu bekommen. Für Radfahrer und Fußgänger ist es dann fast unmöglich, den Weg sauber oder gar gefahrlos zu passieren. „Mein Mann ist letztens fast vom Fahrrad gefallen“, erzählt Evelyn Sindermann. Bei den Feldern im Gebiet Schießhausäcker in Stuttgart-Plieningen sei es besonders schlimm. „Sobald es ein bisschen regnet, verschwinden die Wege unter einer Schlammdecke“, sagt die Plieningerin.

Für die Reinigung der Feldwege sind in Plieningen die Landwirte verantwortlich. „Man guckt schon, dass es sauber ist, aber ab einem gewissen Punkt geht es halt nicht mehr“, sagt Michael Gehrung, Obmann der Landwirte. Das habe zwei Gründe. Zum einen sei der Dreck so hartnäckig, dass spezielle Reinigungsmaschinen nötig wären, um ihn zu entfernen. „Wenn es Schnee wäre, könnten wir ihn einfach wegschieben“, sagt Gehrung. Der andere Punkt sei, dass die Landwirte bei Sonderkulturen mehrmals am Tag und bei jedem Wetter aufs Feld fahren müssten. „Da kann man nicht jedes einzelne Mal hinterher sauber machen“, sagt Gehrung, „wir arbeiten ja hier“.

Könnte die Abfallwirtschaft Stuttgart helfen?

Das Thema der verdreckten Feldwege komme zum Ende jedes Jahres auf, meint die Plieninger Bezirksvorsteherin Andrea Lindel. Deshalb habe die Bezirksverwaltung überlegt, ob man die städtische Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) mit einbeziehen könnte, damit sie die Wege reinigen lässt. „Die können das aber nicht zusätzlich leisten“, sagt Andrea Lindel. Eine andere Überlegung sei, ein Reinigungsgerät von der nahe gelegenen Stuttgart-21-Baustelle zu leihen. Diese Idee sei bisher aber nicht weiter verfolgt worden. „Eigentlich ist es egal, wie viel geputzt wird: Wenn die Landwirte drei Minuten später durchfahren, ist es wieder dreckig“, sagt Lindel.

Michael Gehrung betont, dass die Feldwege in erster Linie Wirtschaftswege seien. „Sie sind nur zweitrangig für die Bevölkerung da“, sagt er, „spazieren gehen kann man auch da, wo kein Acker ist“. Der Plieninger Obmann der Landwirte verweist darauf, dass vielen Menschen regionale Produkte wichtig seien und man dafür auch ab und an dreckige Feldwege in Kauf nehmen müsse.

Evelyn Sindermann sieht das anders und hofft, dass sich ein anderer Ausweg findet. „In dem Projekt 70599_Lebenswert arbeiten wir an einer gemeinsamen Lösung“, sagt sie, „dafür setzen wir uns auch mit Bernhausen zusammen“. In Filderstadt sei die Situation wesentlich besser, weil dort die Stadt zusätzlich einen Reinigungsdienst losschicke.

Wie ist die Lage in Filderstadt?

Norbert Branz, Leiter des Tiefbauamts in Filderstadt, kann bestätigen, dass eine Fachfirma sich regelmäßig um die Reinigung der Feldwege kümmere. Sauber sei es deshalb aber nicht. „Es ist ein sehr feinkörniger Lösslehm, der beim Saubermachen verteilt wird, und das hinterlässt einen dünnen Schmierfilm auf den Wegen, der letztlich gefährlicher ist als Dreckbollen“, sagt er. Bei trockenem Wetter gebe es kein Problem. Wenn es im Herbst und Winter öfter nass sei, aber schon. „Wir haben eine sehr intensive Gemüsebewirtschaftung, und da müssen die Landwirte bis spät in den Winter rein mehrmals täglich aufs Feld fahren“, erklärt Branz.

Zusätzlich zur externen Reinigungsfirma sind die Bauern auch in Filderstadt angehalten, nach ihrem Tagwerk die Feldwege zu putzen. Zudem gibt es im Frühjahr und Herbst jeweils eine Grundreinigung, erklärt Branz. Dennoch besteht das gleiche Problem wie in Plieningen. „Radfahrer denken oft, sie hätten ein Anrecht auf einen komplett sauberen Feldweg“, sagt Branz, „aber sie müssen auch selbst vorsichtig sein, damit nichts passiert“. Die Stadt unterscheide strikt zwischen Feld- und Radwegen. „Ausgewiesene Radwege sind etwas anderes“, sagt Branz, „die reinigen wir regelmäßig und können sie dadurch wirklich sauber halten“.




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