Man muss nicht lange suchen, um zu sehen, was der Regen der vergangenen Wochen entlang der Äcker auf den Fildern angerichtet hat. Schotterwege gleichen tiefen Furchen, die kleinen Steinchen, die von den Wassermassen weggespült wurden, haben Wiesen platt gedrückt, auch nach trockenen Tagen sind noch Pfützen zu sehen.
Doch nicht nur optisch haben die starken Niederschläge Schäden angerichtet. „Dieses Jahr ist gezeichnet durch viel Nässe und durch stark schwankende Temperaturen, das heißt, es ist ein Jahr für Ungräser und Pilze“, sagt Christian Göppinger vom Landwirtschaftsamt Nürtingen während einer Fahrt über die Felder. Und ergänzt: „Bei den Kartoffelngibt es derzeit ganz katastrophale Krautfäule durch Nässe.“ Normalerweise müssten sie einmal dagegen behandelt werden, jetzt sei das quasi ständig nötig. „Das führt langfristig auch zu Resistenzproblemen.“
Pilz- und Schädlingsbefall nahezu überall
Und wie steht es um Weizen, Mais, Kraut und Raps? Nicht so schlimm wie um die Kartoffeln, feuchtigkeitsbedingter Pilz- und Schädlingsbefall gibt es aber auch hier. Laut Göppinger ist es im Kreis in den letzten Jahren typisch gewesen, dass Weizenim März großflächig von einem Pilz namens Septoria befallen wurde. Weil es dann über mehrere Wochen trocken war, sei der Pilz in dieser „soliden Hochphase“ ausgetrocknet. In diesem Jahr bestünden von März bis heute perfekte Bedingungen für Pilze. Das kann zu Ernteverlusten führen.
Nach starkem Regen waren viele Maisfelder auf den Fildern über mehrere Tage komplett überflutet. „Das kann der Mais in der Regel für zwei Tage ab, wenn es länger geht, wird es problematisch“, sagt der Pflanzenschützer. Der Wurzelraum werde dann nicht mehr ausreichend belüftet, und wegen schlechter Nährstoffverfügbarkeit im Boden hätten einige Pflanzen auch lila Spitzen.
Pilzgifte führen zu Brechreiz
Bei Weizen und Mais sei auch der Pilz namens Fusarium ein großes Problem. Beim Mais setze er sich auf die Pflanze und infiziere diese bei Regen und passenden Temperaturen. „Das Problem bei Fusarien ist nicht, dass der Pilz die Pflanze stark schädigt, sondern vielmehr, dass er Pilzgifte bildet, also Mykotoxine, was dann beim Konsumenten zu Brechreiz führen kann. Dementsprechend gibt es da strikte Vorgaben zu Grenzwerten“, erläutert Göppinger.
Verwelktes und verkümmertes Spitzkraut sei ebenfalls eine Folge des vielen Regens und der hohen Bodenfeuchte. Sieht das Kohlgemüse so aus, ist es in der Regel von einem Schleimpilz befallen, der zu der sogenannten Kohlhernie führt. Problematisch ist, dass keine direkten Maßnahmen ergriffen werden können. Vorbeugend kann der pH-Wert des Bodens reguliert und versucht werden, stauenden Nässe zu verhindern. Der Rapsist laut Göppinger dagegen verhältnismäßig gut durchgekommen. Schädlinge wie Stängelrüssler seien wegen des wechselhaften Wetters kein Problem gewesen, Hagel und partielle Kälteperioden hätten den Feldern deutlich stärker zugesetzt.
Was die weggespülten Wege angeht, haben die Landwirte eine konkrete Bitte an die Stadt: Wenn die Gräben gut gepflegt würden, könnten sie genug Wasser aufnehmen.