Landwirtschaft im Kreis Böblingen Lokale Bauern ernten weniger Getreide als im Vorjahr

Notfalls drischt Alexander Lutz sein Getreidefeld in Weil im Schönbuch auch bei Nacht – Hauptsache, es ist trocken. Foto: /Jochen Lebsanft

Das Getreide ist eingeholt. Wie ist die Ernte im Kreis Böblingen nach dem regenreichen Jahr ausgefallen? Zwei Bauern bewerten die Bilanz – recht unterschiedlich.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Gelb leuchten die Stoppelfelder – sofern sie nicht bereits untergepflügt wurden. Wer zum Ende der Sommerferien an Feldern entlangspaziert, der sieht: Die Bauern haben ihre Getreideernte eingebracht. Bundesweit fällt die Bilanz mau aus. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht in seinem jüngst veröffentlichten Erntebericht von einem Ertragsrückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Mit 39,1 Millionen Tonnen werde die schlechteste Getreideernte seit 2018 eingefahren, vermeldet der Deutsche Raiffeisenverband (DRV).

 

Bunt sind zwar noch nicht die Wälder, dafür gelb die Stoppelfelder. Foto: Pressefoto Eibner/Lisa Edel

Wie ist die Erntebilanz örtlicher Landwirte im Kreis Böblingen in diesem Jahr, das von viel Niederschlag geprägt war? „Der Ertrag beim Winterweizen war unterdurchschnittlich, von Feld zu Feld ist die Ernte aber sehr unterschiedlich ausgefallen“, sagt der Jettinger Bauer Daniel Dengler, der dem lokalen Bauernverband stellvertretend vorsitzt. Das liege zum einen daran, dass die Böden unterschiedlich beschaffen sind.

Jene Böden, die in Trockenphasen ein Segen sind, weil sie den Niederschlag lange anreichern, hätten dieses Jahr unter Staunässe gelitten. „Dort haben sich Pfützen im Acker gebildet, die Pflanzen sind regelrecht abgesoffen und hatten massive Probleme, weiterzuwachsen“, sagt Dengler. Felder mit flachgründigen, steinreichen Böden, denen in regenarmen Jahren das Wasser ausgehe, seien hingegen heuer gut dagestanden. Dort seien die Getreidepflanzen besser mit dem hohen Niederschlag zurechtgekommen.

Der Weizen konnte viel zu spät erst gesät werden

Ein weiterer Grund für den unterdurchschnittlichen Getreideertrag liegt weiter zurück: Bereits die Aussaat im vergangenen Herbst sei schwierig gewesen, sagt der Jettinger Bauer. „Wir konnten den Weizen erst im Dezember säen, dabei wäre Mitte Oktober optimal“, sagt Dengler. Aber da seien die Felder noch von den Zuckerrüben belegt gewesen, deren Ernte wegen des vielen Regens immer wieder pausieren musste. „Und dann war es zu feucht für die Aussaat. Die Maschinen brauchen trockene Böden, sonst sind die Äcker nicht befahrbar.“ Kurzum: „Mit der Spätsaat hatten wir von vornherein schlechtere Ertragsbedingungen“, sagt Dengler, der in Kooperation mit zwei kleineren Betrieben rund 200 Hektar Ackerland bewirtschaftet.

Landwirt Daniel Dengler Foto: privat/KFS

Also sind nicht nur heiße, trockene Jahre für die Landwirte problematisch, sondern besonders regenreiche ebenfalls. „Beides ist nicht gut“, sagt Dengler. Entscheidend sei ein guter Wechsel von Sonne und Regen. Die in Statistiken erfasste Monatsniederschlagsmenge sage wenig aus, denn ein Starkregen mit darauffolgender anhaltender Trockenheit sei ebenfalls schwierig. „Regelmäßiger Regen ist wichtig“, betont der Bauer. Feuchte Jahre brächten mit sich, dass die Pflanzen keine tiefen Wurzeln ausbilden und sie dadurch schlecht durch trockene Phasen kämen. Auch das Problem von Pilzkrankheiten sei bei lang anhaltender Feuchtigkeit besonders hoch, weil sie sowohl den Ertrag als auch die Qualität des Getreides minderten.

Bis zu 15 Prozent weniger Weizenertrag als im Vorjahr

Unterm Strich schätzt Dengler, dass sein Betrieb zwischen 5 und 15 Prozent weniger Getreideertrag eingefahren hat als im Vorjahr, „je nach Standort und Aussaatzeitpunkt“. Der Raps sei mit leichten Einbußen relativ gut geerntet worden, da aber in seinem Betrieb und auch bei vielen Kollegen der Weizen die Hauptkultur sei, verbessere das die Bilanz nur unerheblich. Nun bleibe abzuwarten, welchen Preis das Getreide erziele.

Im Moment bekämen die Bauern für eine Dezitonne, das sind 100 Kilogramm, knapp über 20 Euro. „Vor ein paar Jahren wäre das noch ein guter Preis gewesen“, sagt Dengler. Mit Blick auf die stark gestiegenen Kosten ist das nun aber nicht mehr der Fall. Er hoffe, dass sich das Preisniveau EU-weit nach oben entwickelt. Immerhin, sagt der Jettinger Landwirt, seien die Bauern im näheren Umland von Unwettern und Hagelschäden verschont geblieben. „Im Vergleich zu anderen Gegenden hatten wir Glück.“

Sein Kollege Alexander Lutz, der seinen Hof in Weil im Schönbuch im Nebenerwerb betreibt, zieht eine positivere Bilanz seiner Ernte. „Ich bin zufrieden“, sagt der 32-Jährige. Zwar hatte auch er mit Feuchtigkeit und Pilzbefall zu kämpfen. Es habe sich aber bezahlt gemacht, dass er seine Pflanzen nicht überdünge, sagt Lutz. Dadurch seien sie widerstandsfähiger und hätten die schwierigen Bedingungen besser ausgehalten. Außerdem seien sie bei heftigen Regenfällen aufrecht stehengeblieben, während stark gedüngtes Getreide mit übervollen, schweren Ähren eher umgefallen und dann verstärkt von Pilzen befallen worden sei.

Positive Einstellung

Unterm Strich verzeichnet auch Lutz 15 Prozent Ertragseinbußen bei Weizen und Gerste. Dass er trotzdem zufrieden ist, liegt an seiner positiven Einstellung. „Man kann am Wetter nichts machen“, sagt er. Und: „Es könnte immer schlimmer kommen.“ Statt über die maue Gersten- und Weizenernte zu klagen, blickt Lutz lieber auf das, was gut dasteht, nämlich den Mais, der hoch gewachsen ist, oder den Raps, dessen Ernte überdurchschnittlich gut ausgefallen ist. „Er mag das feuchte Wetter“, sagt Lutz. Er sei sich mit Kollegen im Gäu einig: „So eine Rapsernte wie dieses Jahr hatten wir noch nie.“

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