Landwirtschaft im Kreis Ludwigsburg Die Nitratbelastung sinkt nur sehr langsam

Von Frank Ruppert 

Das Grundwasser im Kreis Ludwigsburg gehört zu den höchstbelasteten der Region. Wer ist schuld daran? Der Zweckverband Landeswasserversorgung fordert strengere Kontrollen der Landwirte. Die Bauern wünschen sich mehr Geduld.

Bis zu  85 Prozent der Nitratbelastung stammen aus der Landwirtschaft Foto: dpa
Bis zu 85 Prozent der Nitratbelastung stammen aus der Landwirtschaft Foto: dpa

Ludwigsburg - Nitrat treibt derzeit die Landwirte um. Weil die Belastung im Grundwasser in Deutschland zu hoch ist, hat die EU Strafzahlungen angedroht. Wie sieht die Situation im Landkreis Ludwigsburg aus?

Nach Angaben des Landratsamts, das sich auf die Grundwasser-Datenbank der Wasserversorger beruft, liegt der Jahresmittelwert 2018 für den Kreis bei 30,1 Milligramm Nitrat pro Liter. Im Jahr 2017 lag der Wert mit 30,4 Milligramm noch etwas höher. Damit nimmt der Landkreis im Zuständigkeitsgebiet des Regierungspräsidiums Stuttgart den dritten Platz nach Heilbronn Stadt (40,3 Milligramm) und dem Main-Tauber-Kreis (30,2) ein.

„Die Nitratbelastung im Landkreis Ludwigsburg ist viel zu hoch“, sagt Bernd Röhrle, der Pressesprecher vom Zweckverband Landeswasserversorgung. Der Verband beliefert rund 250 Städte und Gemeinden – darunter Ludwigsburg und Stuttgart – mit etwa 90 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr. Zwar schöpfe der Verband kein Wasser im Kreis, aber er beliefere in der Region Städte. Zudem sei die Beimischung von Wasser, etwa aus dem Bodensee, ein Mittel, um die Nitratbelastung zu senken.

Die Landwirtschaft ist der Hauptverantwortliche

Erst ab einem Wert von 37,5 Milligramm pro Liter gilt ein Gebiet als stark belastet. Das war im Landkreis zuletzt 2001 der Fall. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter „Der Warnwert heißt aber schon, dass wir im roten Bereich sind“, meint Röhrle. Eigentlich sollten die Böden auf die von Natur aus gegebenen Werte von 10 bis 15 Milligramm zurückgeführt werden, findet er.

Für Röhrle sind die Ursachen klar. Man habe etwa auf der Schwäbischen Alb festgestellt, dass 85 Prozent der Nitratbelastung aus der Landwirtschaft, zehn Prozent vom Verkehr und fünf Prozent von defekten Abflussleitungen stamme. Diese Werte seien grob auch für andere Regionen anwendbar. Im Kreis Ludwigsburg gebe es viel intensiv genutzte Nutzfläche mit Pflanzen, die viel Düngung bräuchten. Dazu gebe es weniger Wald als anderswo. Der Forst könne den Stickstoff, der zur Nitratbelastung führt, binden. Röhrle spricht sich für genauere Kontrollen der Landwirte und ihrer Düngung aus. Außerdem plädiert er für mehr Biolandwirte, weil die weniger düngten.

Tierhaltung spielt in der Region nur eine kleine Rolle

Für den Chef des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Eberhard Zucker, macht man sich die Sache zu leicht, wenn wieder nur auf die Bauern gezeigt wird: „Wir tun schon viel, aber die Düngemittelverordnung ist erst zwei Jahre alt“. Es brauche viele Jahre bis man die Belastung verringert habe. Die Bauern hätten durch die verschärften Anforderungen schon mehr Papierkram zu erledigen und würden auch überprüft. Außerdem spiele die oft gescholtene Tierhaltung in der Region nur eine kleine Rolle.

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Früher sei auch deshalb zu viel gedüngt worden, weil man eben nicht die Messtechnik für den Acker wie heute zur Verfügung gehabt habe. „Die meisten Bauern achten schon sehr genau darauf, nur so viel zu düngen wie die Pflanzen auch verwerten können“, sagt Zucker. Man könne aber das Wetter nicht beeinflussen. Das spiele nämlich auch eine wichtige Rolle bei der Pflanzenentwicklung und ihrer Aufnahmefähigkeit.

Welche Rolle haben undichte Abwasserleitungen?

Der Bauernchef fordert mehr Geduld, auch von der EU. Zudem solle man den Blick weiten. Aus seiner Sicht spielten undichte Abwasserleitungen eine größere Rolle bei der Grundwasserverunreinigung als vielfach angenommen. Ganz ohne Düngen gehe es im Übrigen nicht, weil die Landwirte nur so Produkte in hoher Qualität abliefern könnten.