Landwirtschaft In der Tierhaltung fällt der Südwesten ab

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In der Landwirtschaft öffnet sich eine Nord-Süd-Schere: In Norddeutschland wachsen Agrarfabriken mit Großställen, im Südwesten aber haben es die Weideviehhalter im Schwarzwald oder im Allgäu schwer.

Weideviehhaltung im Schwarzwald Foto: dpa
Weideviehhaltung im Schwarzwald Foto: dpa

Stuttgart - Die Bauern verdienen wieder mehr Geld mit der Tierhaltung und weniger mit dem Ackerbau. Das sagen jüngste Bilanzen des Bauernverbandes. Aber deutschlandweit betrachtet fällt der Südwesten wegen seiner kleinteiligen Agrarstruktur zurück. Die Analyse von landwirtschaftlichen Betriebsergebnissen ergibt, dass sie bei den rund 40 000 Landwirten in Baden-Württemberg – je zur Hälfte sind sie im Haupt- oder Nebenerwerb tätig – um zwölf Prozent unter dem deutschlandweiten Durchschnitt liegen. Im Agrarbereich besteht eine Nord-Süd-Schere. Fleischproduktion
Obwohl die Deutschen nicht mehr Fleisch essen, sondern etwas weniger, hat die Schlachtmenge in Deutschland binnen zehn Jahren um 20 Prozent zugenommen auf fast neun Millionen Tonnen im Jahr, davon entfällt gut die Hälfte auf Schweinefleisch (5,5 Millionen Tonnen). Dies zeigt eine Analyse des Thünen-Instituts, der Bundesforschungsanstalt für die Landwirtschaft. Rasant gestiegen ist die Produktion von Geflügel (1,6 Millionen), die Rindfleischproduktion ist leicht gesunken (1,15 Millionen). Massiv angewachsen um 65 Prozentpunkte auf 1,8 Millionen Tonnen sind die Exporte von Fleisch ins Ausland. Ziegen- und Schaffleisch spielen eine untergeordnete Rolle.

Tierbestände
Rund 190 Millionen Nutztiere gibt es in deutschen Ställen, allen voran Geflügel (149 Millionen Stück), gefolgt von Schweinen (21 Millionen), Rindern und Milchkühen (12,5 Millionen) sowie Schafen (1,5 Millionen). Die dichtesten Viehbestände sind in Nordwestdeutschland. In Baden-Württemberg fällt nur der Landkreis Ravensburg wegen seiner hohen Viehdichte auf. Die Produktion von Schweinen sei in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren um jährlich bis zu sieben Prozent zurückgegangen, heißt es beim Landesbauernverband (LBBV) in Stuttgart, auch viele Milchviehhalter hätten aufgehört. „Der Struktur wandel war in Baden-Württemberg stärker als in Norddeutschland“, sagt Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des LBBV. Mit den höheren Standards in der Stallhaltung hätten kleine Betriebe nicht mithalten können. Im Südwesten gibt es „nur“ noch 1,8 Millionen Schweine, eine Million Rinder und fünf Millionen Hühner oder Puten. Die Zahl der Schweine und Rinder ist in den letzten sechs Jahren zurückgegangen, um 14 beziehungsweise drei Prozent, die des Geflügels leicht angestiegen.

Viehzüchter
Die Bauern, die Nutztiere halten, werden in Baden-Württemberg weniger. Bei der Rinderhaltung ist ihre Zahl seit 2001 um fast die Hälfte gesunken, in der Schweinehaltung gar um 87 Prozentpunkte. Gehe der Trend in vollem Tempo so weiter, sagt Wenk, „dann sind wir bald bei null“. Noch gibt es 16 800 Rinderhalter sowie 2400 Schweinezüchter im Land. Im Schwarzwald und im Allgäu ist die Weideviehhaltung auf dem Rückzug, da sie sich kaum noch lohnt, geben Hoferben den Betrieb häufig auf.

Massentierhaltung
Bei den Betriebsstrukturen geht die Richtung zur Expansion. Die Ställe werden größer und damit ökonomischer. Dass das Wort Massentierhaltung einen negativen Klang hat, wollen die Bauernfunktionäre nicht hinnehmen: Neue Anlagen seien lichtdurchflutete Laufställe und könnten für das Tierwohl besser sein als andere – jedenfalls besser als die Haltung eines Schweins „im Koben“, wie sie es früher gab. Gut drei Viertel aller Schweine (76 Prozent) werden in Deutschland in Betrieben gehalten, die mehr als 1000 Schweine besitzen – Schwerpunkte sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die meisten Rinder werden bundesweit in Betrieben gehalten, die zwischen 200 und 500 Stück Vieh besitzen. Der Trend zur Größe gilt auch beim Geflügel: 79 Prozent aller Masthühner werden in Beständen mit mehr als 50 000 Tieren gehalten.

Ackerbau
Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg gilt als kleinteilig, im Durchschnitt bewirtschaftet ein Betrieb eine Fläche von knapp 35 Hektar. Das liegt weiter unterm Bundesdurchschnitt von 60 Hektar. Rein rechnerisch geben fast täglich zwei Bauern im Land den Betrieb auf. Die größeren Betriebe bleiben, sie pachten Flächen hinzu und wachsen. Aber immer noch bewirtschaftet mehr als die Hälfte aller Landwirte im Südwesten nur 20 Hektar oder weniger. Anders als die Tierhalter mit steigenden Gewinnmargen haben die Ackerbauern 2017 ein um 8,7 Prozent niedrigeres Betriebsergebnis verkraften müssen. Der Ökolandbau wächst, rund 3500 Bauern haben auf Bio umgestellt, sie bewirtschaften neun Prozent der Agrarfläche des Landes. Die Obstbauern – eine wichtige Gruppe im Land – erzielten dieses Jahr ein hervorragendes Plus im Betriebsergebnis, auch bei den Weinbauern sah es besser aus als im Vorjahr. Laut Agrarministerium in Stuttgart stammen 40 Prozent des Produktionswertes der hiesigen Landwirtschaft aus tierischer Erzeugung (bundesweit 48), der Wert des Obst- und Weinbaus sowie der von Sonderkulturen falle im Bundesvergleich aber überdurchschnittlich hoch aus.