Landwirtschaft in Leonberg Von trockenen Ackerfurchen und großen Sorgenfalten

Auf Felder-Rundfahrt: Der Mais ist der große Verlierer dieses Jahr. Foto: Jürgen Bach

Bei der traditionellen Felder-Rundfahrt der Leonberger Landwirte geht es um Probleme mit der Politik und uneinsichtigen Zeitgenossen.

Beeinträchtigungen für ihren Berufsstand erahnen die Leonberger Landwirte durch den geplanten Biotopverbund des Landes. Das kam vehement zur Aussprache bei der Felder-Rundfahrt der Ortsbauernschaft, an der neben der Rathausspitze auch Gemeinderäte, Fachleute und Interessierte teilnahmen.

 

Das Land plant bis 2030 mindestens 15 Prozent Offenland der Landesfläche als Biotopverbundfläche zu entwickeln. Dadurch soll ein natürliches Netzwerk entstehen, das Lebensräume von Tieren und Pflanzen miteinander verbindet, sodass diese wandern und sich genetisch austauschen können.

Für die Umsetzung erstellen die Gemeinden Biotopverbundpläne, in Leonberg macht das ein Fachbüro. Da Fördergelder beantragt wurden, muss die Gesamtplanung bis Jahresende stehen. Doch vieles ist ungeklärt. Für Gero Wanner, den Leonberger Ortsobmann, wäre es wichtig, Klarheit zu schaffen. Aber für die Landwirte, deren Zeit knapp bemessen ist, ist 2023 ohnehin ein anstrengendes, zeitraubendes Jahr. Dazu Jürgen Weimer, der Sprecher der Eltinger Landwirte: „Wir haben Angst, dass wir über die Hintertür neue Beeinträchtigungen bekommen.“

Yvonne Bäuerle, die Leiterin des Landwirtschaftsamtes beim Landkreis Böblingen, stufte vieles bei dem Biotopverbund als Wunschdenken der Landesregierung ein. Und auch der Leonberger Oberbürgermeister Georg Martin Cohn (SPD) kritisierte, dass der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) die Energiewende des Landes zu Lasten der Landwirte mit Fotovoltaik auf Agrarflächen und des Forstes mit Windrädern durchsetzen wolle. Mehr Klarheit gibt es bald: „In zwei Wochen wird der Fachplaner einen Entwurf vorlegen, der allen Betroffenen zugeschickt wird, denn nur wenn alle mit im Boot sind, kann das gelingen, ohne dass die Landwirte belastet werden“, sagt Michael Kübler vom Stadtplanungsamt.

Vermutlich kein gutes Kartoffeljahr

Auch um die Kulturpflanzen ging es bei der Felderrundfahrt. „Die Maisflächen sind in diesem Jahr die großen Verlierer, während das Wintergetreide besser dasteht als erwartet “, sagt der Gebersheimer Landwirt Hans-Georg Schwarz – er ist mit Gero Wanner, Jürgen Weimer sowie Martin Gommel aus Warmbronn und Martin Renschler aus Höfingen einer der Organisatoren der jährlichen Felder-Rundfahrten. Das wird besonders deutlich in einem Maisfeld, in dem der Wachstumsunterschied der Pflanzen frappierend ist. In einem Bereich sind sie mickrig, in einem andere stehen sie gut da. „Da zeigt sich, was zusätzliche 20 Zentimeter guter Boden ausmachen“, erläutert Schwarz. „Guter Boden und ein fachmännisches Pflanzenmanagement sind der Schlüssel“, sagt Simon Metz, Fachberater beim Landwirtschaftsamt. Der Regen im Mai habe gefehlt. Das Gute an der Trockenheit sei, dass sie den Krankheitsdruck durch das feuchte Frühjahr gestoppt hat. Dass es vermutlich kein gutes Kartoffeljahr wird, meint Jörg Langer. „Wir müssen selbst Frühkartoffeln aus der Heilbronner Gegend einkaufen, wo sie bewässert werden, um unsere Kundschaft zu bedienen.“ Die eigenen seien zu klein.

Starke Preisschwankungen

Und die Preise? „Es gibt und gab wahnsinnige Schwankungen beim Preis, so wurde vor einem Jahr für die Tonne Weizen 320 Euro gezahlt“, schildert Frank Kogel, Betriebsleiter der BayWa-Filiale in Heimerdingen, die die Ernte der Landwirte in der Region vermarktet. Jetzt kostet das Brotgetreide 207 Euro die Tonne. „Eine Prognose ist kaum abzugeben, doch wenn Putin am 17. Juli bei dem Getreideexport-Abkommen nachgibt, wird es wohl keine Preissteigerungen geben“, wagt Kogel eine Voraussage.

Nicht zurückgeschnittene Hecken, die großen landwirtschaftlichen Maschinen die Durchfahrt erschweren, und unübersichtlichen Einfahrten von Feldwegen in die Radwege nahm die Verwaltung als Hausaufgaben mit. Auch der mangelnde Respekt zahlreicher Personen, die einfach vom Weg in die Felder gehen und alles niedertrampeln, wurde kritisiert.

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