Der erstmalige Einzug der Linken in den Landtag von Baden-Württemberg schien lange sicher. Doch dann gab es bei der großen Wahlparty im LKA Longhorn lange Gesichter.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Es ist nur wenige Sekunden nach 18 Uhr, als im Stuttgarter Club LKA Longhorn Jubel ausbricht. Die Linke feiert hier mit mehreren Hundert Gästen ihre Wahlparty in ziemlich lässigem Umfeld – und was da vom Bildschirm flimmert, löst große Freude aus. Die FDP liegt nach der ersten Prognose bei 4,5 Prozent. Wenige Augenblicke später allerdings verfliegt die Euphorie schlagartig. Auch die Linke landet bei 4,5 Prozent. Der Einzug in den Landtag wäre zu diesem Zeitpunkt verpasst.

 

Der Bundesvorsitzende der Partei, Jan van Aken, fasst sich schnell wieder. Er geht auf die Bühne und zeigt eine Mischung aus Trotz und Hoffnung. CDU-Kandidat Manuel Hagel sei „so eine Pfeife, dass viele Menschen diesen Mann an der Spitze verhindern wollten“. Das habe den Grünen Stimmen gebracht, die der Linken nun fehlten. Gleichwohl freut sich van Aken: „Das, was wir hier aufgebaut haben, kann uns niemand mehr nehmen.“ Und überhaupt: „Abgerechnet wird zum Schluss. Erst um Mitternacht wissen wir mehr.“

Der Bundesvoristzende Jan van Aken muss in Stuttgart viele Fragen beantworten. Foto: Jürgen Bock

Dieser Hoffnungsschimmer scheint bei vielen durch. „Dieses Mal muss es einfach klappen. Wir haben so hart dafür gearbeitet“, sagt ein Wahlkämpfer unter den Besuchern. Man habe in den vergangenen Monaten landesweit an 130 000 Türen geklingelt und 500 neue Mitglieder gewonnen.

Zwischen Rap, Rockmusik und Kennenlern-Ecke für alle, die alleine gekommen sind, macht sich in Stuttgart-Wangen trotzdem große Enttäuschung breit. Nichts hatte in den vergangenen Monaten auf ein Verpassen der Fünf-Prozent-Hürde hingedeutet. Nach landesweit 6,8 Prozent bei der vergangenen Bundestagswahl schien der Weg bereitet. „Wir lagen lange stabil bei sieben Prozent, dann kam die enge Hagel-Özdemir-Geschichte. Da war uns klar, dass es noch knapp werden könnte“, sagt die Stuttgarter Kandidatin Mersedeh Ghazaei, eine der drei Spitzenkandidatinnen im Land. Positiv sei, dass man „linke Politik sichtbar gemacht“ habe. Man müsse noch das endgültige Ergebnis abwarten, aber „unsere Partei kennt diese Achterbahnfahrten bereits“.

Für die Landeshauptstadt bedeutet der Nicht-Einzug der Linken weniger Abgeordnete aus Stuttgart im Landtag. Denn neben Mersedeh Ghazaei auf Listenplatz drei und im Wahlkreis Stuttgart I angetreten wäre im Falle des Knackens der Fünf-Prozent-Marke auch Utz Mörbe für den Wahlkreis Stuttgart III im Landtag gewesen. Bei einem sehr guten Ergebnis hätte es sogar noch für Faisal Osman im Wahlkreis Stuttgart II reichen können. Ihnen allen dürfte das Landesergebnis nun einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.

Gefeiert wird im LKA Longhorn dennoch, wenngleich auch deutlich verhaltener als ursprünglich erhofft. Man ist sich einig: Man habe einen „tollen, intensiven Wahlkampf gemacht“, heißt es immer wieder. Und später am Abend, als sich der erste Schock ein wenig gesetzt hat, wird lauthals die „Internationale“ angestimmt. Die Kandidatinnen und Kandidaten kommen noch mal auf die Bühne und werden gefeiert – auch wenn es wohl nicht gereicht hat.