Lange Nacht des Impfens in Leonberg Vor allem Ältere kommen
Die Leonberger h&h Apotheke am Marktplatz beteiligt sich an der bundesweiten Impfaktion gegen Corona und Grippe.
Die Leonberger h&h Apotheke am Marktplatz beteiligt sich an der bundesweiten Impfaktion gegen Corona und Grippe.
Sie wollen keineswegs in Konkurrenz zu Arztpraxen treten, sondern diese lediglich entlasten und das Impfangebot erweitern, sagt Miriam Sachs, Inhaberin der Leonberger h&h Apotheke. Und so läuft derzeit die bundesweite Aktion „Lange Nacht des Impfens“, bei der auch Apotheken im Kreis Böblingen auf die Bedeutung dieser Vorsorgemaßnahme gegen Corona und Grippe hinweisen wollen.
Nicht nur an der jüngsten Aktion Ende der vergangenen Woche hat die h&h Apotheke am Marktplatz teilgenommen. „Wir bieten regelmäßige Impftermine am Mittwochmorgen sowie am Freitagnachmittag an“, sagt Sachs. Termine werden online vergeben. Am Freitag hätten insgesamt 50 Personen das Angebot angenommen, 45 Prozent bekamen eine Corona-Impfung, 55 Prozent eine Spritze gegen Grippe. „In diesem Monat kamen bereits 200 unserer Kunden“, sagt die Apothekerin.
Sie betont, dass die aktuelle Aktion nicht für die breite Bevölkerungsmasse ausgelegt ist, sondern die individuelle Entscheidung eines jeden sei. Gedacht sei sie als eine Empfehlung für bestimmte Risikogruppen. Also für Menschen, die bereits eine Vorerkrankung haben oder das 60. Lebensjahr erreicht haben. „50 Prozent der Kunden, die am Freitag zu uns kamen, sind bereits über 80“, so Sachs, die nach Bedarf auch ein Aufklärungsgespräch führt.
Jüngere Personen, die derzeit eine Impfung wünschten, fielen meistens in den Kreis derer, die viel mit Menschen – unter anderem in Pflegeberufen – zu tun hätten und sich mit einem Schutz sicherer fühlten. „Wir machen aber keine Werbung fürs Impfen, sondern legen lediglich einen DIN A4 Zettel in unserer Apotheke aus, um darauf hinzuweisen, dass wir es anbieten“, betont Miriam Sachs, die zuletzt beobachtet hat, dass viele gar keinen Hausarzt hätten oder froh seien, für eine Impfung nicht in ein Wartezimmer beim Arzt sitzen zu müssen.
Seit dem Jahr 2022 dürfen in Deutschland auch geschulte und qualifizierte Apotheker und Apothekerinnen Impfungen gegen Corona oder Grippe verabreichen. „In vielen Ländern Europas ist das schon gang und gäbe“, sagt Miriam Sachs. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten allerdings nicht die personelle oder räumliche Kapazität für diese Extraleistung. „Und in unserem Land ist es noch nicht so etabliert.“
Nach wie vor auf instabilen Beinen stehe die Beschaffung von Medikamenten. Die Lieferengpässe seien nicht mehr ganz so dramatisch wie vor etwa zwei Jahren, als beispielsweise Fiebersäfte für Kinder kaum mehr auf dem Markt zu bekommen waren. „Die Lieferengpässe können nach wie vor alle Medikamente betreffen, denn wir wissen nicht, ob sie im Falle einer Häufung von Erkrankungen ausreichen“, sagt die Leonberger Apothekerin.
Miriam Sachs verweist darauf, dass Medikamente vorwiegend in Ländern wie China oder Indien produziert würden. „Corona hat das Problem sichtbar gemacht, mit Sparmaßnahmen hat man die Infrastruktur in Europa zerstört, hier werden aus Kostengründen kaum mehr Arzneimittel produziert. Das ist eine Abhängigkeit in einem Bereich, der schwierig ist, weil das letztendlich auch politische Zusammenhänge sind.“