Langersehntes Bauprojekt in Ditzingen Spatenstich für Heimerdinger Umfahrung

Hans-Peter Stamp (rechts) von der Bürgerinitiativeüberreichte dem Oberbürgermeister Michael Makurath ein T-Shirt der Gruppierung mit dem Aufdruck „Südumfahrung Heimerdingen jetzt“. Foto: Simon Granville

Jahrzehntelang ist die Entlastungsstraße für den Ditzinger Teilort geplant worden. Mit dem Spatenstich für den Kreisverkehr wurde am Mittwoch der erste Bauabschnitt begonnen. Die Freude darüber ist groß, doch manch’ einer zweifelt noch an der Umsetzung.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Ein wenig ungläubig ist der ein oder andere selbst am Tag des Spatenstichs am Mittwoch noch gewesen: Wird sie tatsächlich gebaut, die ersehnte Entlastungsstraße für die rund 3600 Heimerdinger? Jahrzehnte lang haben die Bürger auf diese Straße gewartet, haben für sie demonstriert im Gemeinderat und auf der Straße, haben Transparente im Ort entlang der Straßen aufgehängt, augenfällig an Gartenzäune und Hausfassaden. Genugtuung, Zufriedenheit und Freude spricht aus den Worten derer, die zur Baustelle gekommen sind. Bürger, Vertreter der Bürgerinitiative, amtierende Ortschafts- und Stadträte, aber auch ehemalige Stadt- und Ortschaftsräte und auch Verwaltungsmitarbeiter.

 

Jahrelanger Protest prägte das Ortsbild. Foto: Simon Granville

„Mit dem Spatenstich beginnt nach langen Jahren der Vorbereitung endlich das Großprojekt Ortsumfahrung Heimerdingen“, sagte Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos). Die neue Straße entlaste die Heimerdinger vom Durchgangsverkehr und schaffe die Basis für eine Innenentwicklung und einen „lebenswerten Ortskern unseres Stadtteils Heimerdingen“.

Heimerdingen, das ehemalige Bauerndorf, ist die Ausweichstrecke, wenn sich am Leonberger Dreieck die Autos stauen. Aus dem Kreis Ludwigsburg, Anschlussstelle Stuttgart-Feuerbach, führt der Weg über Ditzingen, an Hirschlanden vorbei nach Heimerdingen, durch den Ort durch, weiter zu Porsche nach Weissach im Kreis Böblingen oder in östliche Richtung, durch Hemmingen, etwa zu Bosch nach Schwieberdingen.

Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) hat die Anfänge der Planung als Heimerdinger Ortschaftsrat begleitet. Am Mittwoch verleiht er am Rande der Veranstaltung vor allem seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Autofahrer nach dem Bau der Umfahrung die Gemeinde Hemmingen auf dem Netz bestehender Entlastungsstraßen – etwa Münchingen und dann Heimerdingen – passieren werden. Hemmingen ist ebenso geplagt vom Durchgangsverkehr, sechs übergeordnete Straßen queren den Ort.

Wenn sich am Leonberger Dreieck der Verkehr staut, fahren viele über Heimerdingen – das soll sich ändern. Foto: Stadt Ditzingen/Lange

Die 2,45 Kilometer lange Trasse der Ortsumfahrung verläuft südlich der Gemeinde Heimerdingen. Sie beginnt im Westen an der Landesstraße 1177, der Weissacher Straße, schneidet die Trasse der Strohgäubahn und unterquert die Bahntrasse mittels eines Brückenbauwerkes. Anschließend unterquert sie die Wirtschaftswegebrücke des in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptwirtschaftsweges. Die Ortsumgehung endet in der bestehenden Landesstraße, der Feuerbacher Straße, im Osten von Heimerdingen. Der Verkehr soll dadurch von heute 15 000 Fahrzeuge täglich auf rund 7500 halbiert werden.

Das Land Baden-Württemberg trägt für den Neubau der Ortsumgehung – einschließlich des Kreisverkehrs als Anschluss an die spätere Ortsumgehung - die Baukosten von rund 16 Millionen Euro. Die Stadt beteiligt sich daran mit rund vier Millionen. Der Kreisverkehr ist der erste Bauabschnitt.

Mit dem Bau der eigentlichen Ortsumgehung soll laut dem Regierungspräsidium Stuttgart voraussichtlich im Frühjahr 2026 begonnen werden, sobald die Auflagen aus den Untersuchungen – etwa in Bezug auf Mauer- und Zauneidechsen – erfüllt seien und Abstimmungen hinsichtlich der Eisenbahnbrücke abgeschlossen seien. Regierungspräsidentin Susanne Bay (Grüne) dankte am Mittwoch besonders der Stadt Ditzingen für ihren Beitrag bei der Schaffung der Voraussetzungen für das Projekt, das Wälder und Landschaftsschutzgebiete tangiert: „Dass es jetzt losgeht, wäre nicht möglich ohne die bisherige und langjährige gute Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Stadt Ditzingen. Diese hat bei dieser Maßnahme nicht nur Planungsaufgaben vom Land übernommen, sondern auch in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen.“

Spatenstich für die Umfahrung. /Simon Granville

Darauf hatte auch Oberbürgermeister Michael Makurath verwiesen. „Seit 25 Jahren bin ich im Amt, seit 25 Jahren begleitet mich die Planung .“ Die lange Dauer habe auch die Ortschafts- und Gemeinderäte gefordert. „Demokratie ist anstrengend. Demokratie kostet Zeit. Aber sie bringt auch Ergebnisse.“

Diskussion im Gemeinderat

Die Eigenbeteiligung war im Gemeinderat durchaus heiß diskutiert worden. Sollte sich die Kommune finanziell einbringen bei einer Landesstraße, einem Bauprojekt also, das eigentlich in der Verantwortung des Landes steht? Letztlich stimmte der Gemeinderat zu, wohl wissend, dass nur so die Chancen für einen Bau in absehbarer Zukunft fortbestehen würden. Oberbürgermeister Michael Makurath hatte in der Diskussion darauf verwiesen, dass die Heimerdinger Umfahrung mit etlichen Straßenbauprojekten im Land konkurriere.

Abstriche machten die Ditzinger auch bei der Trassenplanung: Sie verzichteten auf das letzte Teilstück im Osten. Vorerst.

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