Langes Warten auf Radroute in Ludwigsburg Radwegebau gleicht einem Hindernislauf

Radwegebau:  Die Neckarweihinger müssen noch eine Weile mit dem Nadelöhr an der Neckarbrücke leben. Foto: factum/Granville
Radwegebau: Die Neckarweihinger müssen noch eine Weile mit dem Nadelöhr an der Neckarbrücke leben. Foto: factum/Granville

Erst haben die Radweggegner gebremst, dann hat schlechtes Timing die Realisierung verzögert: Bis zum Jahresende soll der Radweg entlang der Marbacher Straße in Ludwigsburg fertig sein. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung werden dann fünf Jahre vergangen sein.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Ludwigsburg - Die Verwaltung träumt seit Jahren davon, dass Ludwigsburg eine Fahrradstadt wird. Doch die dafür nötigen Projekte kommen nicht voran. Über einen Radweg in der Marbacher Straße etwa wird seit fünf Jahren diskutiert, die Fertigstellung wurde immer wieder verschoben. Inzwischen hat das Thema zusätzliche Brisanz bekommen, denn es drohen Fahrverbote wegen anhaltend hoher Konzentrationen von Luftschadstoffen. An diesem Freitag will der Oberbürgermeister in einer Bürgerveranstaltung (um 17 Uhr im Forum) eine Liste mit Sofortmaßnahmen gegen die schlechte Luft vorstellen – eine davon lautet: Radwege bauen!

Angst vor dem Dauerstau

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses haben Stadträte ihrem Unmut Luft gemacht: Wegen der langen Staus, die das Bauprojekt in der Marbacher Straße – samt der zur gleichen Zeit vom Land angeordneten Sanierung der Neckarweihinger Brücke – verursacht hat. Die einen (CDU und Freie Wähler) fühlen sich durch die Staus in ihrer Auffassung bestätigt, dass ein Radweg überhaupt nicht gebaut werden dürfte, weil zu wenig Platz dafür ist.

Die anderen (vor allem die Sozialdemokraten) ärgern sich dagegen darüber, dass die seit dem Sommer 2017 andauernden Arbeiten sehr unglücklich getaktet und deshalb nötige Umleitungen und zeitweise Sperren schlecht kommuniziert worden sind. Man hätte den Umbau kaum chaotischer gestalten können, meint die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins. Im Übrigen sei der Zeitplan wohl komplett über den Haufen geworfen worden. Eigentlich sollte der inzwischen zumindest als deutliche Markierung auf der Fahrbahn existierende Radweg bereits im Mai dieses Jahres freigegeben werden.

Im Ausschuss brachte der Baubürgermeister Michael Ilk das Jahresende als Datum für eine Eröffnung ins Gespräch. Mittlerweile seien die letzten Leitungsarbeiten der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) abgeschlossen. „Es hat Verzögerungen gegeben, weil noch zusätzliche Maßnahmen der Stadtwerke hinzugekommen sind“, sagt der Projektleiter Oskar Frühwirth vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen. Nun sei auch die sogenannte Busschleuse auf Neckarweihinger Seite – eine Fahrspur, die es gestattet, dass der Linienbus nicht vor eine Ampel anhalten muss, sondern direkt auf die Brücke fahren kann – fertiggestellt. „Wir haben zum Teil Sonderschichten gefahren, damit das möglichst rasch ging“, sagt Frühwirth. Die Autofahrer konnte das nicht befrieden, denn wegen des Umbaus war die Straße drei Wochen lang gesperrt.

Vermeintlich problemlose Strecke

Bis Ende Dezember sollten auch die letzten Detailarbeiten abgeschlossen und die Verbindung von der Brücke zum Radweg hergestellt sein. Das heißt aber auch: Der Engpass auf der Brücke und die Zufahrtssperre von der Ufer- zur Marbacher Straße werden auch in der verkehrsreichen Vorweihnachtszeit bestehen bleiben.

Die Stadträte von CDU und Freien Wählern haben versucht, den Radweg Marbacher Straße zu verhindern, und deshalb einen bereits bestehenden Baubeschluss kippen wollen – was ebenfalls zu Verzögerungen geführt hat. Sie sind davon überzeugt, dass die Verengung der Fahrbahn – abschnittweise werden zwei Fahrspuren auf eine reduziert, um Platz für die Radelspur zu schaffen – den Stau zum Dauerzustand macht. Auch die Linienbusse kämen nicht mehr schnell genug voran.

Als die Verwaltung 2013 ein Radroutenkonzept vorstellte, mit dessen Hilfe das Radeln in Ludwigsburg ein Vergnügen werden soll, war von vier Hauptlinien die Rede. Eine davon die Marbacher Straße. Sie galt als die Strecke, die am schnellsten und am einfachsten umzusetzen sei. Bis zur Fahrradstadt Ludwigsburg ist es noch weit.




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