Larry King ist tot Die Kunst der dummen Frage

Larry King (1933-2021) Foto: AP/ROSE M. PROUSER
Larry King (1933-2021) Foto: AP/ROSE M. PROUSER

Abschied von einer Fernsehlegende: Der legendäre US-Talkmaster ist im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Los Angeles - Der US-Journalist Larry King ist am Samstag im Alter von 87 Jahren in Los Angeles an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. Er war eine Institution: 25 Jahre lang lief fast täglich im Abendprogramm des Nachrichtenkanals CNN Larry Kings Talkshow – und hierher kamen praktisch alle, die King zum Interview einlud: Stars, Präsidenten, Wirtschaftsbosse. In ihren Nachrufen äußern sich darum Journalisten und Talkmaster aus aller Welt gerade praktisch unisono, Larry King sei stets ihr großes Vorbild gewesen.

Das ist wie so Vieles im Fernsehgeschäft leider nur die Vorderseite der Wahrheit. Zeit seines Lebens war Larry King nämlich alles andere als allseits anerkannt und Zentrum der Gesellschaft: Das Kind osteuropäischer Juden wuchs in einfachsten Verhältnissen auf, schaffte die Highschool nur mit Not, hat es nie zum Studium gebracht. Als größte Begabung schätzte er selbst dieses ein: „Ich rede gern.“ Vom Hausmeister eines kleinen Radiosenders in Miami Beach schaffte er es auf den DJ-Posten – und sein Chef empfahl ihm, sich künftig statt Lawrence Zeiger – das klinge zu „ethnisch“ – lieber Larry King zu nennen.

Ein Meister der knappen, kurzen Fragen

Im Grunde waren auch seine täglichen CNN-Talks Hörfunksendungen – und die Kollegen verspotteten ihn für den Stil, den er darin pflegte: Er, der selbst alles andere als dumm war, stellte sich dumm. Seine Fragen sollten stets knapp und kurz sein. Er wollte das von seinen Gästen wissen, von dem er glaubte, dass dies auch jeder auf der Straße wissen wollte. Und deswegen war seine erste Frage an den Football-Spieler O. J. Simpson, der 1995 in einem spektakulären Mordprozess von den Geschworenen zunächst für unschuldig erklärt worden war und am nächsten Tag bei King im Studio saß: „Wie geht’s?“

Ein TV-Millionenpublikum wusste diese Art treu zu würdigen. Den meisten Kollegen war King dagegen zunächst zu unkritisch, später zu wenig krawallig. Wenn man sich nun allerdings anschaut, welche nervtötenden Theaterstücke fast jeden Abend in unseren Talkshows gespielt werden, kann man nur sagen: Traurig, die Nachricht von Kings Tod. Und schade um seine Philosophie des TV-Gesprächs.




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