Nicht wenige dürften am Montagabend an den Film „Independence Day“ gedacht haben. Außerirdische, nicht eben mit friedlichen Absichten, schießen mit grünen Lasern um sich, es kracht und blitzt an allen Enden. Im Blockbuster von Regisseur Roland Emmerich – übrigens gebürtiger Stuttgarter – sorgen die Aliens weltweit für Elend und Zerstörung. So weit kam es nun allerdings glücklicherweise nicht.
Der Laserstrahl ist das Signal zum großen Jubiläum
Denn der Laserstrahl, der trotz eher mäßigen Wetters kilometerhoch in den Himmel leuchtete, sollte vielmehr ein Signal zum Feiern sein. Abgeschossen wurde er vom Areal der Firma Trumpf, die derzeit groß angelegt ihren 100. Geburtstag begeht. Und wurde zum Beispiel das Mitarbeiterfest, bei dem Anfang Juli die Fantastischen Vier auftraten, noch hinter verschlossenen Türen gefeiert, ist der Laser jetzt das offizielle Zeichen für das große Jubiläum.
Als „längste Geburtstagskerze der Welt“ bezeichnet das Unternehmen die Installation. Sie soll ab diesen Mittwoch bis Sonntag, 6. August (dem eigentlichen Gründungsjubiläum), jeweils von Sonnenuntergang bis kurz nach Mitternacht brennen – knallgrün und bis zu zehn Kilometer hoch. Bei gutem Wetter ist der Laserstrahl in einer Umgebung von rund 80 Kilometern zu sehen, also auch in Stuttgart und im Umland.
„Zahlreiche“ Anrufe: Laser ist kein Fall für die Polizei
Das hat auch die Polizei in der Nacht von Montag auf Dienstag bemerkt. Es seien Berichte über Himmelssichtungen eingegangen, kommentiert Pressesprecherin Yvonne Schächtele die Nachfrage unserer Zeitung. „Zahlreiche“, lautet ihre Angabe. Da die Aktion jedoch ordnungsgemäß angemeldet gewesen sei, „handelt es sich nicht um ein polizeiliches Ereignis, das wir weiterverfolgen“, so Schächtele.
Doch was ist es denn genau, dass da in den Nachthimmel aufschießt? Es handelt sich dabei laut Trumpf um einen der stärksten Showlaser der Welt. „Dieser Laser ist nach unseren Recherchen die stärkste Anlage, die jemals einen Strahl für eine Lasershow erzeugt hat“, sagt Sebastian Pricking aus der Laserentwicklung des Ditzinger Unternehmens. Gemeinsam mit der Osnabrücker Firma Lightline haben Trumpf-Ingenieure einen industriellen Hochleistungslaser zum Veranstaltungslaser umgebaut.
Trumpf arbeitet mit einer renommierten Firma
Die Firma Lightline ist in ihrem Metier einer der Big Player. Shows in Mekka, in Disney World oder im Hongkonger Hafen gehen auf das Konto der Niedersachsen – und jetzt eben der Geburtstag in Ditzingen. Zwar ist Trumpf mit seinen 16 500 Mitarbeitenden weltweit ebenfalls auf Lasertechnik spezialisiert. Nur geht es dabei ausschließlich um Präzision in Sachen Industrie, nicht um den groß angelegten Wow-Effekt.
Ziemlich stolz auf die Technik der „Geburtstagskerze“ ist man aber schon. „Dieser Laser ist besonders energieeffizient“, betont Sebastian Pricking. Ihn eine Stunde zu betreiben, verbrauche etwa so viel Energie, wie mit einem durchschnittlichen Elektroauto von Stuttgart nach Karlsruhe zu fahren. Die Basis für die Anlage mit ihren drei Kilowatt Leistung komme etwa beim Schweißen von Kupfer für Batterien in der E-Mobilität zum Einsatz. Am Umbau für die Show waren rund 35 Laserexperten, Konstrukteure, Sicherheitsspezialisten und andere Fachleute beteiligt.
Und natürlich ist ein Laser dieser Kraft auch für den Luftverkehr eine Herausforderung. Den Luftraum überwacht Lightline selbst mit einem Radarsystem. Außerdem ist die komplette Aktion mit der Flugsicherung abgesprochen. „Wir arbeiten mit Netz und doppeltem Boden“, versichert Trumpf-Pressesprecher Manuel Thomä. Es gebe verschiedene Alarmstufen, anhand derer man entscheiden könne, wann und ob der Laser abgeschaltet werden müsse. Das Wetter indes spiele ebenfalls eine Rolle. „Bei Regen oder starkem Wind wird er nicht eingeschaltet.“
Dass der Laser grün ist, hat einen bestimmten Grund
Bleibt noch eine Frage zu klären: warum Grün, wenn die Farbe im Trumpf-Logo doch eigentlich Blau ist? Dazu erklärt das Unternehmen: „Trumpf ist Vorreiter bei Grünlichtlasern.“ Und in der Industrie gebe es aktuell keinen stärkeren mit sichtbarem grünen Licht. Der stärkste Laser für den Einsatz in der Industrie hat eine Leistung von 24 Kilowatt. Für die Bundesanstalt für Materialforschung hat Trumpf sogar einen 60 Kilowatt starken Laborlaser gebaut. Sie sind aber beide nicht grün.