Lasertechnik aus Denkendorf Mit filigranen Schnitten zum Erfolg
Vor knapp 150 Jahren begann die Firma Stiefelmayer mit der Herstellung von Messwerkzeugen. Heute stellt sie Lasermaschinen her, die auf der ganzen Welt im Einsatz sind.
Vor knapp 150 Jahren begann die Firma Stiefelmayer mit der Herstellung von Messwerkzeugen. Heute stellt sie Lasermaschinen her, die auf der ganzen Welt im Einsatz sind.
Denkendorf - Seit fast 150 Jahren hat sich das Familienunternehmen C. Stiefelmayer der Präzision verschrieben. Mit der Lasertechnik, die vor allem bei der Herstellung von Elektromotoren zum Einsatz kommt, hat die Denkendorfer Firma eine Nische gefunden, in der sie international führend ist. Nur ein weiteres Unternehmen in Deutschland produziert solche Lasermaschinen. Weltweit gebe es keinen Hersteller, dessen Maschinen schneller und genauer schneiden, sagt Dieter Bulling, Geschäftsführer der Stiefelmayer-Lasertechnik. Diese sei der am schnellsten wachsende Bereich im Unternehmen. Unter dem Dach der C. Stiefelmayer-Holding finden sich neben der Lasertechnik die Spanntechnik und die Messtechnik. Mit letzterem Bereich habe alles begonnen, erzählt Manuela Klingler-Kohler, die Geschäftsführerin der Stiefelmayer-Holding.
1874 gründete ihr Ururgroßvater Carl Stiefelmayer in der Esslinger Pliensauvorstadt ein Unternehmen, das Messwerkzeuge aus Stahl herstellte. Die seien vor allem in der Maschinenfabrik Esslingen für die Herstellung von Lokomotiven gefragt gewesen, weil sie wesentlich präziser maßen als die herkömmlichen Messwerkzeuge aus Holz. „Die Schieblehre von Stiefelmayer gehörte jahrzehntelang zur Standardausstattung jedes Werkzeugmachers“, sagt Klingler-Kohler. In den 1970er-Jahren forderte die Globalisierung ihren Tribut, als preiswertere japanische Messzeuge auf den Markt kamen. Stiefelmayer entwickelte daraufhin eine 3-D-Messmaschine, die laut Klingler-Kohler lange Zeit das Hauptprodukt war. In den 1990er-Jahren wurde dann jedoch ein großer Teil der Messtechnik an die Firma Zeissverkauft und das Unternehmen neu ausgerichtet. „Doch die Präzision verbindet unsere Firma bis heute“, betont Klingler-Kohler.
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Auf der Suche nach einer Möglichkeit, Metallteile auf eine Weise zu härten, dass sie sich möglichst wenig verzogen, stieß man auf die Lasertechnik. Zunächst habe man sie für den eigenen Bedarf eingesetzt, doch rasch weitete sich der Laserbereich aus. Mit dem Laserstrahl, der für das menschliche Auge unsichtbar ist, werden feinste Strukturen aus hauchdünnen Blechen geschnitten. Für die filigranen Bauteile sei das wichtigste Werkzeug die Lupe, „denn vor allem bei dünnen Blechen ist die Präzision enorm wichtig“, erklärt Geschäftsführer Bulling. Man könne auf zwei Hundertstel Millimeter genau arbeiten. Die verwendeten Bleche seien oft gerade einmal so dick wie ein Blatt Papier. Diese Präzision sei der große Vorteil des Laserschneidens gegenüber herkömmlichen Methoden wie das Stanzen. Auch Härten und Schweißen von Metallen gehe mit Lasermaschinen wesentlich genauer als mit herkömmlicher Technik. Sie gehören ebenfalls zum Portfolio der Firma.
Zum Einsatz kommt die Lasertechnik vor allem bei der Herstellung von Teilen für Elektromotoren. Die seien inzwischen in praktisch jedem Elektrogerät vorhanden – ob in der Küchenmaschine oder im Windrad, erklärt Klingler-Kohler. Für sie werden dünne Blechscheiben mit komplizierten Strukturen benötigt, die manchmal an Mandalas erinnern. Im Elektromaschinenbau und dort vor allem in der Elektromobilität sieht Stiefelmayer seine Zukunft. „Heute gibt es für fast jeden Anwendungsbereich einen speziellen Motor“, erklärt Bulling. Damit steige auch der Bedarf an Sonderformen, wie sie die Stiefelmayer-Maschinen fertigen. Aber auch Generatoren oder chirurgische Knochensägen werden mit dem Laser geschnitten.
Die Lasertechnik lohnt sich laut Klingler-Kohler vor allem dann, wenn kleinere Stückzahlen benötigt werden. Das sei etwa im Entwicklungsbereich der Fall, wo Teile immer wieder verändert werden müssten. Auch Sonderformen schneidet der Laser in rasanter Geschwindigkeit. Etwa zehn Lasermaschinen werden in Denkendorf pro Jahr gebaut. Viele Teile sind aus Carbon gefertigt und damit leicht. Dadurch kann die Maschine schneller arbeiten und verbraucht deutlich weniger Energie. Den Umweltaspekt habe man stets im Blick, versichert die Geschäftsführerin.
Neben der Produktion von Maschinen erledigt das Unternehmen aber auch Auftragsarbeiten wie Prototypen oder Kleinserien. „Wir setzen unsere Maschinen so ein wie unsere Kunden auch“, erklärt Bulling. Aus dieser Lohnfertigung gewinne man wichtige Erkenntnisse für die eigene Technik und könne sie so optimieren und wartungsfreundlich machen, sagt Klingler-Kohler.
Die Laserschneider werden in die ganze Welt exportiert. Betreut werden sie häufig per Fernwartung von Denkendorf aus. Auch Schulungen würden oft „remote“ durchgeführt. „Vor Kurzem haben wir wegen Corona notgedrungen sogar eine Maschine auf diese Weise installiert“, berichtet Klingler-Kohler.
Was ist das Erfolgsrezept von Stiefelmayer? „Wichtig ist die Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen“, meint Klingler-Kohler. Außerdem sei man ganz bewusst ein Familienunternehmen geblieben. Schnelle Expansion hat die Geschäftsführerin nicht auf der Agenda. „Wir wollen aus eigener Kraft wachsen und solide bleiben. Durch unsere Größe haben wir kurze Entscheidungswege, das ist ein großer Vorteil.“
Weitere Fakten zum Unternehmen
Arbeitgeber
Die Firma C. Stiefelmayer GmbH und Co. KG beschäftigt derzeit in allen drei Tochterunternehmen rund 100 Mitarbeitende. In der Lasertechnik sind 25 Ingenieure und Industriemechaniker tätig.
Schwerpunkte
Die Holding versteht sich vor allem als gemeinsame Dienstleistungsplattform. Hier sind unter anderem Buchhaltung, IT und Logistik gebündelt. Die drei Tochterunternehmen Lasertechnik, Spanntechnik und Messtechnik sind seit dem Jahr 2006 organisatorisch komplett eigenständig. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent in fünfter Generation in Familienbesitz. 1993 erfolgte der Umzug nach Denkendorf. Weitere Informationen zur Firma findet man auf der Homepage des Unternehmens unter www.stiefelmayer-messtechnik-lasertechnik-spanntechnik.de.