Lasertechnik aus Ditzingen Kampf dem Ramsch: Wie Trumpf Europas Maschinenbau sicher machen will

Die Lasermaschine von Trumpf kann beim Blechschneiden nur heiß laufen, wenn alle Sicherheitsvorgaben erfüllt sind. Foto: Trumpf

Trumpf hat die großen europäischen Maschinenbauer vereint, um gegen Gefahren vorzugehen, die eine ungeprüfte Billigwaren-Einfuhr mit sich bringt .

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Stephan Mayer wählt ein sehr eindrückliches Bild, mit was für einem Geschäftsgebaren der Konkurrenz sein Unternehmen immer häufiger konfrontiert wird. Genauer gesagt sind es zwei Bilder, mit denen der bei Trumpf für den Werkzeugmaschinenbereich zuständige Vorstand das Problem verdeutlichen will. Auf einem seiner Ausdrucke ist das Buchstaben-Signet C E zu sehen, verbunden mit dem unauffälligen Hinweis „Conformité Européenne“. Diese Markierung zeichnet ein geprüftes Produkt aus, dass die europäischen Maschinenrichtlinien erfüllt. Das Zertifikat gibt dem Kunden beim Kauf eine Sicherheit, die sich allerdings immer öfter als trügerisch erweist. Das zeigt sich angesichts der zweiten CE-Abbildung, die den Anlass für die Pressekonferenz beim auf Lasermaschinen spezialisierten Ditzinger Familienunternehmens darstellt: In diesem Fall stehen die Buchstaben nämlich für „China Export“, was im Kleingedruckten bewusst versteckt wird.

 

Das Schnäppchen kann am Ende sehr teuer werden

So sieht die fragwürdige Methode also aus, eine nicht vorhandene Qualität vorzutäuschen. Es ist eine chinesische Falle, die gezielt für unter immer größeren Kostendruck stehende Firmen ausgelegt ist. Der Käufer sieht sich auf der sicheren Seite, die ihm zu einem Preis versprochen wird, der beim Premiumanbieter Trumpf gerade einmal die Materialkosten seiner Präzisions-Laseranlagen decken, in der Blech geschnitten wird.

Trumpf-Vorstandmitglied Stephan Mayer zeigt, wie das europäische Sicherheits-Zertifikat (links) für ein Täuschungsmanöver genutzt wird. Foto: Peter Stolterfoht

Ein Schnäppchen kann aber schnell sehr teuer werden , was mit den Gefahren für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu tun hat, die die Maschine bedienen. Laserstrahlen können zu verheerenden Verletzungen führen, zu der die Erblindung gehört. Außerdem kann das Einatmen der beim Schneiden entstehenden Staubpartikel die Lunge massiv schädigen. Die darauf abgestimmten Sicherheitsvorkehrungen sind etwa Filter, die Notaussysteme für die Stromzufuhr, der Achsenstopp der Maschine und das Abschalten des Lasers. Dazu kommen verriegelte Türen sowie eine Lichtschranke, die den Arbeitsbereich der steuernden Person von der Gefahrenzone trennt.

An der Sicherheit wird häufig gespart

Diese Maßnahmen haben Ihren Preis. „Bis zu 30 Prozent der Kosten lassen sich bei der Sicherheit einsparen“, sagt Stephan Mayer und erklärt, dass sich das Sicherheitssystem auch per Software steuern lässt, das vor allem Billiganbieter aus China häufig verwenden. Ein nicht völlig auszuschließender Systemabsturz oder ein Hackerangriff könnten dann dramatische Folgen haben.

Mit der steigenden Zahl an nicht konformen Maschinen auf dem europäischen Markt erhöht sich auch das Sicherheitsrisiko, das für die Anwender auch tödliche Folgen haben kann, erläutert Mayer. „Darüber hinaus bedrohen unsichere Maschinen aus dem nichteuropäischen Raum im Schadensfall die Existenz der Firmen. Denn die haften im Zweifel“, so Mayer. Während der chinesische Hersteller, der Zwischenhändler oder ein als Anbieter agierendes Internetportal oft ungeschoren davonkommen, weil diese juristisch von Europa aus nur schwer greifbar sind.

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Neben dem Sicherheitsaspekt spielt bei Trumpf auch Eigeninteresse eine Rolle. Schließlich erkennt der von Nicola Leibinger-Kammüller geleitete Konzern mit rund 18 000 Mitarbeitern in den ignorierten europäischen Sicherheitsvorgaben einen weiteren Wettbewerbsnachteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz, die vom Staat subventioniert wird und von einem um ein Vielfaches billigeren Industriestrom profitiert.

Weil man bei Trumpf die Meinung vertritt, dass Strafzölle gegenüber China der deutschen Wirtschaft mehr schaden als helfen würden, scheidet dieses Gegenmittel für das Unternehmen aus. Deshalb soll ein entschlossener Kampf dem Ramsch dem deutschen Maschinenbau helfen.

Mittlerweile hat sich Trumpf zum Vorreiter in einer Sache gemacht, hinter dem sich die größten europäischen Maschinenbauer versammeln. Gefordert wird in einer Petition, das Personal in Kontrollbehörden zu schulen, um etwa auf Messen unsichere Maschinen zu identifizieren. Außerdem soll der Staat Rahmenbedingungen schaffen, um zivilrechtliche Verfahren gegen nicht konforme Anbieter führen zu können.

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