Lasst uns über ... Brüste reden „Brüste machen irgendwann eh, was sie wollen“

Von Jutta-Böhmler-Hahn (aufgezeichnet von

Warum man Hängebrüste nicht mit Cremes oder Training verhindern kann, warum die Brust sich regelmäßig verändert und was man gegen empfindliche Brustwarzen tun kann, erklärt die Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

Die weibliche Brust ist ein Phänomen und hat ziemlich viel zu bieten. Foto: Adobe Stock/elenarostunova
Die weibliche Brust ist ein Phänomen und hat ziemlich viel zu bieten. Foto: Adobe Stock/elenarostunova

Stuttgart - Meine Mutter hat zu mir als junges Mädchen, als ich meinen ersten Freund hatte, gesagt: „An den Brustwarzen erkennt man, ob eine Frau schon Verkehr hatte.“ Und ich – naiv wie man eben ist – habe ihr das natürlich geglaubt. Aber um das klar zu stellen: Das ist selbstverständlich Quatsch! So rankt sich um die weibliche Brust eben die ein oder andere Legende.

Es gibt Frauen, die glauben, dass sich das Tragen eines BHs negativ auf die Standfestigkeit ihrer Brüste auswirkt. Eine weibliche Brust an sich hat aber keinen Muskel, der liegt dahinter. Sie besteht aus Binde- und Drüsengewebe und viel Fett. Da kann also durch das Nicht-Tragen nichts trainiert werden. Egal, ob mit Bügel oder ohne, transparent oder mit Push-up-Effekt: Tragt BHs so, wie es euch gefällt, die Brüste machen irgendwann eh, was sie wollen. Und wenn Ihnen eine Brust unterkommt, die fast unter dem Kinn sitzt, dann wurde sowieso nachgeholfen – und davon halte ich gar nichts.

Salbeitinktur hilft bei schmerzenden Brustwarzen

Wie bei Schamlippen, Nasen oder Ohren, gibt es auch bei Brüsten kein „normal“. Wie soll denn eine schöne Brust aussehen, wo es doch so viele verschiedene gibt? Ob helle Brustwarzen oder dunkle, ob einen großen Vorhof oder einen kleinen, ob große Brüste oder kleine: Wir Frauen sollten uns so akzeptieren, wie wir sind.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Zwar sind Brüste in den seltensten Fällen komplett identisch groß, aber es gibt Frauen, die extrem unterschiedlich große Brüste haben. Das nennt man dann Amazonen-Brust. Die Kriegerinnen sollen sich der Sage nach eine Brust amputiert haben, um besser mit Pfeil und Bogen kämpfen zu können – daher der Name. Da Frauen heutzutage meist sehr unter solchen Amazonas-Brüsten leiden, kann hier ein Eingriff Abhilfe schaffen. Auch bei tubulären Hängebrüsten kann eine Operation das seelische Leiden lindern.

Ganz normal ist es allerdings, dass sich die Brust zyklisch verändert. Manche Frauen nehmen rund um die Periode gut ein Kilo zu, da verändert sich auch die Brust, der BH passt nicht mehr oder die Brüste spannen. Das ist ganz normal und überhaupt nicht schlimm. Wichtig ist nur, dass das nach der Periode wieder vorbei ist.

Nicht nur während der Periode können die Brustwarzen zu einem Problem werden. Sie sind die empfindlichste Stelle der Brust – die sonst recht pflegeleicht ist. An dieser Stelle ist die Haut sehr dünn und die zirkulär angeordneten Milchgänge laufen gebündelt heraus. Während der Menstruation weiten sie sich und können zu Überempfindlichkeit führen. Da oder auch bei Schmerzen durchs Stillen hilft die gute alte Salbeitinktur. Diese macht die Haut widerstandsfähiger. Und wer nicht mag, dass der Partner an den Brustwarzen nuckelt – egal ob überempfindliche Brüste, ohne Empfinden oder weil sie es einfach nicht mag – sollte es sagen!

Stundenlanges Abtasten der Brust ist übertrieben

Viele Frauen bekommen nach jedem Frauenarztbesuch ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Brüste nicht regelmäßig auf Knoten untersuchen. In der Regel sollten Frauen dies nach der Periode tun. Aber keine Sorge, ich knete auch nicht stundenlang herum. Es reicht aus, dies beim Einseifen unter der Dusche oder beim Eincremen vor dem Spiegel zu machen und zu schauen, ob alles ist wie immer. Alle zwei Tage abzutasten ist völlig übertrieben. In Tübingen gab es mal einen extra Kurs dazu. Da haben die Frauen dann 45 Minuten an ihren Brüsten getastet und geknetet und sich am Ende gewundert, dass sie kein bisschen schlauer sind, dafür aber schmerzende Brüste haben.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart – leider. Aber verhindern können wir ihn nicht. Ein gutes Körpergefühl ist da wichtig. Stimmt etwas nicht, fühlt es sich anders als sonst an oder hat man einfach nur Sorgen, dann geht man zum Frauenarzt. Ich kann den Brustkrebs zwar nicht verhindern, aber ich kann ihn möglichst früh erkennen.

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