Lasst uns über... die Klitoris reden Wie Frauen den Orgasmus lernen können

Orgasmen sind auch Übungssache, sagt unsere Kolumnistin Claudia Elisabeth Huber. (Symbolbild) Foto: Bernd Jürgens - stock.adobe.com/Photographer: Bernd Juergens

Der weibliche Orgasmus ist toll, aber nur schwer in Worte zu fassen. Die Sextherapeutin Claudia Elisabeth Huber erklärt, welche Fehler viele Frauen machen, die selten oder gar nicht kommen.

Eigentlich ist zu dem Thema weiblicher Orgasmus alles gesagt – das ist die in vielen Kreisen vorherrschende Meinung. Trotzdem kommen alle am Küchentisch immer wieder bei der Frage ins Rudern: Wie fühlt er sich eigentlich an, der weibliche Orgasmus? Dieses Gefühl ist vor allem dann schwer zu beschreiben, wenn jemand in der Runde sehr selten oder gar keine Orgasmen hat.

 

Wenn mir als Therapeutin Frauen davon berichten, ist meine erste Frage: Wirklich gar nie? Denn häufig ist es so, dass Frauen zwar beim Sex nicht zum Orgasmus kommen, durchaus aber bei der Selbstbefriedigung. Ich spreche dann von einem „Anlagefehler in der Situation“.

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Denn es wäre etwas billig, den am Beischlaf beteiligten Männern die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ein Beispiel: Viele Frauen liegen bei der Selbstbefriedigung auf dem Rücken und pressen währenddessen die Beine zusammen. Beim Sex funktioniert das so nicht, weil die Beine dabei nicht beieinander sind und weniger Spannung herrscht – daran ändern auch Stellungswechsel nichts.

Hormonelle Spätzünderinnen mit Problemen

Ein möglicher Lösungsweg liegt hier bei einem selbst. Am besten geht das über – ganz vergnügliches – Training. Wer bei der Masturbation die Beine weiter auseinander macht oder ganz allgemein lernt, auch in anderer Position zum Orgasmus zu kommen, hat es im Bett mit einem Sexualpartner leichter.

Lösungsweg Nummer Zwei: Den Sex anpassen. Denn der erste Weg ist manchen zu aufwendig. Dabei muss das Paar, wenn es heterosexuell ist, eben einsehen, dass die Frau durch Penetration durch den Mann nicht zum Orgasmus kommen kann und man dies unabhängig und zeitlich versetzt durch andere Berührungen bewerkstelligen muss. Meiner Erfahrung nach haben Männer mit solchen Varianten selten Probleme.

Beide Varianten sind gleich gut. Aber es gibt auch Frauen, denen keine hilft. Bei manchen liegt es schlicht an mangelnder Erfahrung mit dem eigenen Körper. Das ist häufig auf Erlebnisse in der Pubertät zurückzuführen. Für hormonelle Spätzünderinnen kann es belastend sein, wenn Gleichaltrige sich über ihre ersten sexuellen Erfahrungen austauschen und man selbst noch kein Verlangen verspürt. Viele denken dann: Es läuft was falsch bei mir; daraus kann sich Angst vor Sexualität entwickeln.

Orgasmen – von flach bis bombastisch

Ein anderer Aspekt, der vorkommen kann, ist sich selbst nicht gut zu spüren. Das betrifft viele junge Frauen, die gesellschaftlich viel von außen bewertet werden und das für sich antizipieren. Für diese psychisch bedingten Orgasmusprobleme gibt es leider kein Patentrezept. Und manche haben auch einfach nur weniger Interesse an Sex als andere.

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Und bei wieder anderen – aber das ist sehr selten – ist die Orgasmusunfähigkeit physisch bedingt. Nervenschäden oder starke Muskelprobleme zum Beispiel. Denn beim weiblichen Orgasmus ist wie beim männlichen ein stabiler Beckenboden enorm wichtig. Bei Frauen ist er aber biologisch bedingt schwächer und darum auch anfälliger, Orgasmusprobleme zu verursachen.

Zurück zum Küchentisch: Gerade das unterschiedliche Erleben von weiblichen Orgasmen kann auch die Frage aufwerfen, ob man denn einen richtigen Orgasmus hat. Denn manche Orgasmen sind flach, lokal und klein, eine Entladung findet statt, es ist aber doch unaufregend. Dann gibt’s die mittelprächtigen, die zwar entspannen, aber wo Arbeit und Genuss sich etwa die Waage halten. Und dann die krass intensiven, die bombastisch wirken und im Kopf unzählige Glückshormone freisetzen.

Klitoris statt Vagina

Die schwächste Variante nehmen manche Frauen gar nicht als richtige Orgasmen wahr. Aber auch hier kann die Intensität mit recht einfachen Tricks gesteigert werden. Frauen sollten nicht unbedingt meinen, sie bräuchten zwingend vaginale Orgasmen, wenn die klitoralen mau ausfallen. Denn die Klitoris ist das A und O.

Sie kann sowohl von außen als auch von innen stimuliert werden – wobei 70 Prozent der Frauen über äußerliche Berührungen zum Orgasmus kommen. Das ist auch für Männer wichtig zu wissen, die von vaginalen Orgasmen gehört haben und jetzt meinen, sie müssten ihren Frauen diese schenken. Auch wenn es Glücksache ist, kann man es versuchen. Aber trotzdem: Lasst euren Partnerinnen auch die klitoralen Orgasmen!

Das Gespräch zeichnete Sascha Maier auf.

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