Lasst uns über ... Genital-Mythen reden Warum eine Vagina nicht nach Fisch riechen sollte

Von Jutta Böhmler-Hahn (aufgezeichnet von

Um den weiblichen Intimbereich ranken sich so manche Mythen. Einige beruhen auf Unwissenheit der Frauen, andere sind von Männern gemacht. Die Gynäkologin Jutta-Böhmler Hahn räumt mit einigen von ihnen auf.

Die weiblichen Geschlechtsorgane sind für manche Frauen und Männer ein echtes Rätsel. Foto: stock.adobe.com
Die weiblichen Geschlechtsorgane sind für manche Frauen und Männer ein echtes Rätsel. Foto: stock.adobe.com

Stuttgart - Als Gynäkologin stößt man durchaus das ein oder andere Mal auf seltsame Vorstellungen rund um den Intimbereich der Frau. Zahlreiche Mythen ranken sich um Jungfernhäutchen, nach Fisch riechenden Scheiden und Orgasmen. Das weibliche Geschlecht ist nicht nur für manche Männer ein Rätsel. Es wird Zeit, dass wir mit ein paar Mythen aufräumen:

Mythos 1: Große Schamlippen sind abnormal

Das ist natürlich Quatsch! Jede Frau ist anders. So wie jeder eine andere Nase hat, haben auch Frauen unterschiedlich große und geformte Schamlippen, die sich sogar im Laufe der Jahre verändern. Große Schamlippen sind daher nicht abnormal. Jedoch können sie – je nach Größe – durchaus zu Problemen wie Quetschungen oder Schmerzen führen.

Mythos 2: Die Vagina ist weit weniger empfindlich als ein Penis

Das stimmt, zumindest für die Vagina! Daher bemerken Frauen in der Regel auch ein Tampon nicht, wenn sie es während ihrer Periode tragen. Dafür ist die Klitoris doppelt so empfindsam wie ein Penis. Aber auch innerhalb der Scheide gibt es durchaus erogene Zonen, wie zum Beispiel der Gebärmutterhals oder auch der Scheideneingang. Aber erklären Sie das mal alles einem Mann!

Mythos 3: Schambehaarung führt zu besseren Sex

Falsch! Es gibt sicherlich Menschen, die durch Schambehaarung erregt werden. Aber am Ende ist Schambehaarung Geschmackssache und hat nichts mit der Erregbarkeit oder einem erfüllteren Sexleben zu tun.

Mythos 4: Eine Vagina riecht immer leicht nach Fisch

Ganz falsch! Wenn eine Vagina nach Fisch riecht, dann besteht meist eine Infektion und Frau sollte dringend einen Gynäkologen aufsuchen. Normalerweise hat die Vagina einen pH-Wert von 4, also leicht säuerlich. Das ist ein guter Schutz gegen Bakterien. Das sorgt auch für den typischen Scheiden-Geruch, der eher an Joghurt erinnert. Riecht es nach Fisch, dann ist dieses Scheidenmilieu gestört.

Mythos 5: Eine Vagina kann durch zu viel Sex ausleiern

Das ist Blödsinn! Die Vagina besteht aus flexiblem Muskel- und Bindegewebe. Das muss auch so sein, denn bei der Geburt muss ein Baby durchpassen. Danach zieht sich – im besten Fall – wieder alles zusammen. Aber bei aller Liebe, ein Penis schafft das nicht.

Mythos 6: Einer Frau merkt man anhand ihrer Vagina an, wenn sie sexuell erregt ist

Rein optisch nicht direkt, aber bei Erregung nimmt nicht nur das Scheidensekret zu und Frau wird feucht, sondern auch die Klitoris schwillt an. Das sieht man allerdings nicht so deutlich wie die Erektion eines Penis.

Mythos 7: Beckenbodentraining und Liebeskugeln sorgen für besseren Sex

Das stimmt! Wobei Liebeskugeln meiner Meinung nach eher Quatsch sind. Besser regelmäßig gezielte Beckenbodenübungen machen und man spürt recht schnell einen Unterschied beim Sex. Denn der Beckenboden ist ein Geflecht aus vielen Muskeln, die trainiert werden können. Die Muskulatur ist sowohl beim Urinieren, als auch beim Orgasmus beteiligt. Ist die Beckenbodenmuskulatur stark, beugt man zudem Inkontinenz vor. Also ab auf die Matte!

Mythos 8: Den G-Punkt gibt es nicht wirklich

Ganz ehrlich? Man weiß es nicht. Es kann niemand so richtig erklären, wo und ob überhaupt eine Frau einen G-Punkt hat. Darüber gibt es so viele Theorien, also einfach selbst ausprobieren!

Mythos 9: Frauen können vaginale und klitorale Orgasmen erleben

Das stimmt! Wobei das Verhältnis etwa 50:50 ist. Einige Frauen kommen nur rein durch klitorale Stimulation zum Orgasmus, andere können auch vaginale Orgasmen erleben. Die klitoralen Orgasmen sind allerdings deutlich leichter, sowohl beim Sex als auch alleine.

Mythos 10: Tampons oder Sexspielzeuge können in die Gebärmutter rutschen

Nie! Viele Frauen wissen leider nicht, wie ihre Vagina aufgebaut ist und haben Angst, dass beispielsweise das Tampon „verschwindet“, wenn sie es zu weit in die Vagina einführen. Aber die Gebärmutter beziehungsweise der Gebärmutterhals ist nicht das Ende der Scheide, sondern liegt oben auf. Außerdem ist sie wie fest vernagelt. Die Scheide endet mit dem Scheidengewölbe das unterhalb der Gebärmutter liegt – dort, wo auch der Penis beim Sex Platz findet. Hier können durchaus Sexspielzeuge oder auch Tampons hin rutschen. Aber keine Sorge, es kann nichts verschwinden!

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