Lasst uns über ... Hormone reden Wie Hormone uns steuern – und warum das gut ist

Von Jutta Böhmler Hahn (aufgezeichnet von

Hormone beeinflussen alle Menschen, aber Frauen ganz besonders. Welche das sind, was sie auslösen können und warum man ihnen möglichst wenig Beachtung schenken sollte, erklärt die Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

Hormone steuern nicht nur unsere Körperfunktionen, sondern auch unsere Stimmungen – und das ist auch gut so. Foto: shutterstock/El Nariz/El Nariz
Hormone steuern nicht nur unsere Körperfunktionen, sondern auch unsere Stimmungen – und das ist auch gut so. Foto: shutterstock/El Nariz/El Nariz

Stuttgart - „Das sind die Hormone“. Diesen Satz haben Sie bestimmt auch schon mal gehört, wenn es Ihnen nicht gut ging, Sie Ihre Periode hatten oder einfach nur schlecht drauf waren. Ja, natürlich waren es die Hormone, denn wir haben immerhin etwa 400 davon im Körper – und jedes hat eine wichtige Aufgabe.

Besonders Frauen wird immer wieder unterstellt hormongesteuert zu sein. Aber was soll das heißen? Natürlich sind Frauen hormongesteuert – Männer übrigens auch. Aber die geschlechterspezifischen Hormone bei Frauen arbeiten zyklisch, schwanken daher stark und können so auch unterschiedliche Stimmungen, Verhaltensformen oder Wohlbefinden vermitteln. Man muss sich mal überlegen, dass der weibliche Körper sich jeden Monat auf eine Schwangerschaft vorbereitet, das ist durchaus nicht ohne.

Schwangerschaftsvorbereitung läuft monatlich auf Hochtouren

Die entscheidenden Hormone der Frau sind Östrogene (vor dem Eisprung) und Gestagen (nach dem Eisprung). Eine Frau hat drei verschiedene Östrogene, die zunächst für das Wachstum der typisch weiblichen Geschlechtsmerkmale wie Brust, weibliche Körperbehaarung oder Fetteinlagerungen verantwortlich sind. Nach der Pubertät steuern sie im Wesentlichen den Eisprung und bereiten die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

Gestagene sind aber die wahren Schwangerschaftsvorbereiter. Sie leiten alles für ein mögliches Eintreten einer Schwangerschaft ein. Dazu gehören die Gebärmutterschleimhaut, die Drüsen in der Brust oder auch die passende Körpertemperatur. Daher steigt nach dem Eisprung auch der Spiegel des Gestagens Progesteron an.

Ein Hormon, das eine wichtige Aufgabe bei einer Schwangerschaft hat, ist Beta-hCG. In den ersten Wochen einer Schwangerschaft regt es die Eierstöcke zur Produktion von Progesteron an, das wiederum die Schwangerschaft aufrechterhält. Die Konzentration steigt im Blut rasant an, verdoppelt sich etwa alle zwei Tage. Dies ist auch das Hormon, auf das bei Schwangerschaftstest getestet wird. Sobald die Plazenta die Produktion von Progesteron übernimmt, sinkt auch der Beta-hCG-Wert wieder.

Schilddrüsenhormone werden oft unterschätzt

Oft unterschätzt werden die Schilddrüsenhormone. Neben möglichen Symptomen bei einer Fehlfunktion beeinflusst sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion die Fruchtbarkeit einer Frau. Denn die weiblichen Hormone und die Schilddrüsenhormone arbeiten ziemlich eng zusammen. Gerät die Schilddrüse in irgendeiner Form aus dem Gleichgewicht, hat das beispielsweise Auswirkungen auf die Reifung der Eizelle. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leiden nicht selten an einer Schilddrüsenstörung. Daher rate ich bei einem Kinderwunsch auch dazu, vorher die Schilddrüse untersuchen zu lassen.

Sollte es doch zu einer Schwangerschaft kommen, ist vor allem bei einer Überfunktion Vorsicht geboten, da das Risiko einer Fehlgeburt erhöht ist. Bei einer Unterfunktion ändert sich bei einer Schwangerschaft ebenfalls etwas, da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen durch die gesteigerten Stoffwechselvorgänge grundsätzlich deutlich erhöht ist. Die Kontrolle der Werte sollte daher in regelmäßigen Abständen erfolgen, um die richtige Dosierung beizubehalten.

Seine Hormone kann man nur schwer beeinflussen

Aber auch das männliche Sexualhormon Testosteron kommt im weiblichen Körper vor – allerdings in einer deutlich geringeren Menge. Es ist beispielsweise wichtig für die Muskelbildung. Auch für die Libido ist das Hormon verantwortlich. Zu viel davon ist aber nicht gut – sowohl für Frauen, als auch für Männer nicht. Es kann zu vermehrter Körperbehaarung, Haarausfall und einem gestörten Zyklus kommen.

Hormonwerte kann man selbst quasi kaum verändern, aber es gibt Möglichkeiten, sie positiv zu beeinflussen. Mit Sport oder einem stressfreien Leben zum Beispiel. Es gibt Frauen, die bekommen bei zu viel Stress sofort ihre Periode. Aber Stress zu minimieren - das ist immer leichter gesagt, als getan. Wie so oft gilt: Jeder muss für sich herausfinden, was einem guttut. Und immer dran denken: Es sind Ihre Hormone. Akzeptieren Sie sie und schenken Sie ihnen nur so viel Beachtung, wie wirklich nötig ist.

Hier geht es zur Übersicht unserer Kolumne „Lasst uns über ... reden“: Über Liebe, Sex und Intimes – alle Folgen im Überblick.