Lasst uns über ... Vergleiche reden Warum der Sex der anderen (nicht) immer besser ist

Von Claudia Huber (aufgezeichnet von

Viele Paare haben das Gefühl: Das Liebesleben der anderen scheint oft besser zu sein als das eigene. Ist das wirklich so? Unsere Kolumnistin Claudia Huber erklärt, warum wir uns auf keinen Fall mit anderen vergleichen sollte.

Ist mein Sexleben in Ordnung? Eine Frage, die sich viele stellen. (Symbolbild) Foto: stock.adobe.com/fizkes
Ist mein Sexleben in Ordnung? Eine Frage, die sich viele stellen. (Symbolbild) Foto: stock.adobe.com/fizkes

Stuttgart - Auf der anderen Seite des Gartenzauns wächst das Gras grüner. Und die anderen haben irgendwie immer besseren Sex. Man hört es ja von Bekannten: Die ziehen sich einfach aus, die Leidenschaft kocht hoch, alles ist cool. Ist das nur eine gefühlte Wahrheit, oder ist es wirklich so? Das kommt natürlich ganz darauf an, mit wem man sich vergleicht. Und ob es überhaupt Sinn macht, zu vergleichen.

Einer Kundenumfrage des Sextoy-Versandhändlers Amorelie zufolge sind etwas mehr als die Hälfte aller Befragten zufrieden mit ihrem Sexleben. Das kann jetzt alles heißen: Ob jemand ein unglaublich erfülltes, abwechslungsreiches Sexleben oder auch zufrieden damit ist, in Ruhe gelassen zu werden. Deswegen sind solche umfragen zwar nett, aber nicht wirklich aussagekräftig.

Ein bisschen Voyeurismus steckt in jedem

Darum müsse wir uns überlegen, was wir davon zu halten haben, wenn wir im Bekanntenkreis hören, dass andere zwei Mal am Tag oder alle zwei Wochen Sex miteinander haben. Denn wenn wir ehrlich sind: Es interessiert uns ja schon. Ein bisschen Voyeurismus steckt in fast jedem von uns drin und wir Menschen gucken eben gerne ein bisschen durchs Schlüsselloch.

Wie wir das Gesehene einordnen, das liegt ganz bei uns. Zurück zum Vergleichen: Davon rate ich auf jeden Fall ab, das macht am Ende nur unglücklich. Im schlimmsten Fall entsteht nur Neid. Ob man jetzt fünf, sieben oder vierzehn Mal die Woche Sex hat – subjektiv muss da jeder selber wissen, wann er zufrieden ist.

Dennoch kann der Blick durchs Schlüsselloch auch bereichernd für das eigene Liebesleben sein. Mit anderen über Sexualität sprechen und sich dabei Inspirationen holen kann auf keinen Fall schaden. In solchen Gesprächen sollten wir aber wenig auf die Sensation aus sein und uns eher solche Fragen stellen: Wo geht meine Neugier hin? Wünsche ich mir das auch – und wie komme ich dort hin?

Sex auf der Prioritätenliste wirklich so weit oben?

Und dann darf man auch nicht vergessen: Auch nicht alle Paare, die mit ihrem Liebesleben glücklich wirken, sind das auch immer gewesen. Viele dieser Paare haben sich vielleicht einfach besser darum gekümmert. Sich aufgerafft und sind in Aktion gegangen und haben sich auch infrage gestellt: Ist der Sex auf meiner Prioritätenliste wirklich so weit oben? Bin ich nicht manchmal auch einfach zu faul? Was kann ich dazu beitragen, dass unser Sexleben wieder aufregender wird? Wonach sehne ich mich, das ich aktuell nicht habe? (Oft ist es nicht die Häufigkeit.)

Denn leicht ist das wirklich nicht, sexuelle Leidenschaft über längere Zeiträume – nach dem hormonellen High – am Leben zu halten. Selbst in meinem Sexcoach-Kollegenkreis ist das nicht anders! Auch dort gibt es Probleme. Man kann alles über Sexualität wissen – aber wenn man es nicht macht, bleibt man auf dem Stand wie davor.

Hier geht es zur Übersicht unserer Kolumne „Lasst uns über ... reden“: Über Liebe, Sex und Intimes – alle Folgen im Überblick

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