Bei so gutem Wein darf man auch mal lachen: Karl-Eugen Graf von Neipperg. Foto: Simon Granville
Eine Weinprobe im Gerlinger Stadtmuseum gibt Einblicke in die Familienbeziehungen Otto von Habsburgs und der Grafen von Neipperg. Und natürlich in die Geschichte des Weins.
Arnold Einholz
16.04.2025 - 17:04 Uhr
Wie wird man zum Schwiegersohn von Otto von Habsburg, dem letzten Kronprinzen der österreichisch-ungarischen Monarchie? Indem man einfach an einem Tag bei der zukünftigen Schwiegermutter, Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen, um die Hand ihrer ältesten Tochter Andrea anhält, wenn der Vater einen wichtigen Termin bei Franz-Josef Strauß hat. Dieser Anekdote, und viel Wissenswertem über Weine und ihren Anbau, haben die Besucher einer Weinprobe mit Karl-Eugen Graf von Neipperg im Gerlinger Stadtmuseum lauschen dürfen.
Anlass war die noch bis zum 1. Juni laufende Sonderausstellung „Otto von Habsburg - ein Leben für Europa“. Sie beschäftigt sich mit dem außergewöhnlichen Leben Otto von Habsburgs (20. November 1912 - 4. Juli 2011) und gibt einen Einblick in seine Vision von einem geeinten Europa und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Zudem zeigt sie Otto von Habsburg in Gerlingen – etwa als Ehrengast beim Bundesschwabenball und seinen Besuch in Stadtmuseum. Die Museumsleiterin Birgit Knolmayer konnte vor allem geschichtlich interessierte Weinkenner begrüßen.
Gräfin Andrea Habsburg-Lothringen (li.) und Museumsleiterin Birgit Knolmayer genießen einen guten Tropfen. Foto: Simon Granville
Die Adelsfamilie Neipperg baut seit gut 750 Jahren in der Region um Heilbronn Wein an. Gegenwärtig leitet Karl-Eugen Graf von Neipperg zusammen mit seinem Sohn Philipp Erbgraf zu Neipperg die Geschäfte. Das Weingut zählt zu den Top-Betrieben des Landes. „Unser Sohn bestimmt, was da passiert“, verriet Graf Karl-Eugen. Er ist mit Andrea von Habsburg, der ältesten Tochter Otto von Habsburgs, verheiratet.
„Als wir uns dann einig waren, eine Ehe einzugehen, ich war 24 und Andrea 23, wollte ich ganz standesgemäß bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten.“ Doch das war leichter gesagt, als getan. „Er war der arbeitsamste Mann, den ich je kennengelernt habe, ständig unterwegs“, erinnert sich Graff Neipperg. „Es hieß, ich könnte ihm einem Freitag um 13.30 Uhr in der Villa Habsburg am Starnberger See antreffen.“ Mit einem Blumenstrauß und zittrigen Knien sei er angekommen – doch Otto von Habsburg war nicht da.
Annäherung auf der Wallfahrt
„Dann hieß es, sprich mit der Mutter, denn die hat sowieso das Sagen in Familienangelegenheiten“, erinnert sich der Graf. Und als er dann herumzustammeln begonnen habe, hätte ihn die zukünftige Schwiegermutter schnell erlöst: „Nicht weiterreden, nimm sie!“ Der Schwiegervater habe das dann zur Kenntnis genommen.
„Er war für mich eine extreme Respektsperson“, verriet Graf Karl-Eugen von Neipperg. Und es habe einige Zeit gedauert, bis sie einen Weg zueinander gefunden hätten. Den Ausschlag gegeben habe eine von der Tochter veranstaltete Wallfahrt nach Santiago de Compostela in Spanien für alle zehnjährigen Enkel und Neffen der Großfamilie – Otto von Habsburg hatte sieben Kinder, Graf Karl-Eugen von Neipperg sieben Geschwister. „Da habe ich ihn schätzen gelernt.“
Wie hielt es Otto von Habsburg mit dem Wein? „Da hatte er klare Vorstellungen – und für ihn war die Herkunft ausschlaggebend“, musste Graf von Neipperg als Weinkenner mit Bedauern hinnehmen. „Man konnte ihm die auserlesensten Tropfen kredenzen, aber die konnten ihn nicht begeistern, doch jeden ungarischen Fussel fand er super“. Es habe drei Stufen gegeben: ungarischer Wein sei hervorragend, österreichischer galt als gut, alles andere tauge nichts.
Bei seiner Präsentation der Weinsorten Trollinger, Lemberger, Weißburgunder, Muskateller und Traminer ging Graf Neipperg auch auf den Wandel im Weinbau ein. Sein Gut produziert auf 32 Hektar jährlich rund 180 000 Flaschen Wein. Vorbei seien die Zeiten, als eine Familie von 1,5 Hektar Weinberg ordentlich leben konnte: „Ein Hektar bescherte damals ein Einkommen von 30 000 Mark, heute sind es 6000 Euro“.
Otto von Habsburg als Zweijähriger mit seinem Großvater, Kaiser Franz Josef von Österreich-Ungarn. Foto: Arno
Den Grafen Neipperg wird nachgesagt, den Lemberger nach Deutschland gebracht zu haben. Das gehe auf die Kinder von Graf Adam Albert von Neipperg (1775-1829) zurück. Der war ein österreichischer General und Staatsmann. „Ein Haudegen, der dank seiner äußeren Erscheinung und seiner ausgezeichneten Umgangsformen, seiner Bildung, Sprachbegabung und Musikalität seine Umgebung beeindruckte und großen Erfolg bei Frauen hatte“, weiß Graf Karl-Eugen von Neipperg.
Auf Befehl des Kaisers Franz I. begleitete der 39-Jährige 1814 die 23-jährige Marie-Louise von Österreich, die vormalige Kaiserin von Frankreich und Gattin Napoléon Bonapartes, auf ihren Reisen durch die Schweiz. 1816 wurden sie ein Liebespaar. 1821 heiratete Neipperg Herzogin Marie-Louise. Von ihren vier Kindern erreichten zwei das Erwachsenenalter. Beide hatten Weingüter auf denen sie die Rebsorten „Blaufränkisch“, die den Lemberger ergeben, einführten.