InterviewLaura Halding-Hoppenheit „Der Besen hat viel Treibstoff“

Wenn es ein Casting für die Stuttgarter Schwulen-Ikone gäbe, würde Laura Halding-Hoppenheit auf Platz eins, zwei und drei gewählt. Rosa von Praunheim hat nun ihr bewegtes Leben in einem Film verewigt.

Eine Figur wie aus einem Film:  Laura Halding-Hoppenheit Foto: Lichtgut/Zweygarth
Eine Figur wie aus einem Film: Laura Halding-Hoppenheit Foto: Lichtgut/Zweygarth

Stuttgart - Laura Halding-Hoppenheit mit schillernd zu umschreiben wäre untertrieben: Das feuerrote Gesamtkunstwerk sitzt seit Kurzem für die Linke im Stuttgarter Gemeinderat, ist seit fast 40 Jahren die wichtigste Vorkämpferin für Schwule und Lesben in dieser Stadt und wird jetzt von dem Regisseur Rosa von Praunheim mit dem Dokumentarfilm „Laura – das Juwel von Stuttgart“ gewürdigt. Ein Gespräch über ausrangierte Ehemänner und heilende Steine im Gemeinderat.

Frau Halding-Hoppenheit, lassen Sie uns mit einer kleinen Zeitreise beginnen: Wie sind Sie als junge Frau damals Teil der Schwulenszene geworden?
Ich studierte in Bukarest. An der Uni, aber nicht nur dort, habe ich eine Menge Schwule kennengelernt: Schriftsteller, Tänzer, Sportler. Auf den Partys wusstest du genau, welche Professoren und Studenten schwul sind, aber es hat niemanden gekümmert.
Sie sind in Rumänien aufgewachsen. Wie kamen Sie ausgerechnet nach Deutschland?
Nachdem ich in Bukarest meinen Abschluss in Kunstgeschichte und Archäologie gemacht habe, kam ich in den 1970er Jahren nach Hamburg. Ich ging mit gut einem Dutzend anderer junger Leute in den Westen. Wir sollten für drei Monate dort bleiben und wieder zurückkommen.
Aus drei Monaten wurden fast 40 Jahre.
Ja, dabei war Deutschland für mich ein Schock, ich wollte nicht lange bleiben.
Was war so schlimm?
Ich habe in Hamburg gemerkt: Du bist hier nicht erwünscht. Viele haben uns von oben herab angeschaut. Da dachte ich: Das ist nicht dein Land. Ich fühlte mich machtlos, weil ich die Sprache nicht verstand. Der erste Weg zur Freiheit ist es, die Sprache zu lernen. So schnell geht das aber nicht.
Hat dieses Grundgefühl, eine Außenseiterin zu sein, Ihr Leben geprägt?
Auf jeden Fall. Heute ist mir das vollkommen egal. Auch wenn ich Zwischentöne ­höre oder ironische Blicke spüre. Nach 40 Jahren Kampf bin ich heute sehr stark.
Zurück nach Hamburg: Wieso sind Sie am Ende doch geblieben?
Die einzigen Menschen, die sich dort um mich gekümmert haben, waren die Schwulen. Die kamen zu mir, fragten mich, wo ich herkam. Sie waren nett, haben versucht, mir zu helfen, obwohl sie selbst riesige Probleme hatten. Schwule konnten damals in Hamburg nicht mal Hand in Hand gehen.
Haben Sie sich schon in Hamburg für Schwule und Lesben eingesetzt?
Ich habe mit meinen schwulen Freunden damals darüber gesprochen, was wir eines Tages bewegen würden, wenn wir endlich stark sind. Zuerst musste ich mich aber selbst retten. Also habe ich in meiner Not geheiratet. Ich bin ins Rathaus rein und wusste kaum, was da gesprochen wird. Mein Trauzeuge war der Halding-Hoppenheit, der später mein zweiter Mann wurde. Der sagte halblaut auf dem Standesamt: „Heirate nicht diesen Menschen, heirate lieber mich!“ Ich sagte daraufhin zu ihm: „Du kommst auch noch dran.“
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