Laura Nolte bei Olympia 2026 Enttäuschung als Ansporn – die Tränen weichen der Lust auf Gold

Laura Nolte konnte sich über ihre Silbermedaille zunächst nicht so richtig freuen. Foto: Robert Michael/dpa

Gold im Monobob war zum Greifen nah – weil es am Ende Silber wurde, vergoss Laura Nolte bittere Tränen. Nun sind sie getrocknet. Und die 27-Jährige peilt im Zweier Platz eins an.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Am Morgen danach waren die Tränen endlich getrocknet. „Mir geht es“, sagte Laura Nolte, zwar müde, aber mit einem Lächeln im Gesicht, „heute schon besser mit der Medaille.“ Und alle, die nicht so ganz genau verfolgt hatten, was am Sonntag und Montag im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo genau passiert war, hätten sich nun ein wenig wundern können.

 

Laura Noltes Worte besagten ja schließlich, dass sie einerseits eine Medaille bei den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina gewonnen hatte – sich andererseits aber nicht wirklich darüber freuen konnte. Und genau so war es auch am Montagabend gewesen. Weil es Silber geworden war. Und nicht Gold.

Nun ist es nicht so, dass Laura Nolte als überehrgeizige sportliche Kannibalin unterwegs ist. Auch war es nicht so, dass alles andere als eine Goldmedaille im Monobob bei der Anreise nach Italien als Niederlage gegolten hätte. Aber dann war sie in zwei Läufen superstark, verteidigte auch im dritten noch einen Vorsprung – um am Ende doch noch den Platz ganz oben auf dem Podest räumen zu müssen. „Da“, sagte sie, „war die Enttäuschung erst einmal riesengroß.“ Und der Fluss der Tränen wollte gar nicht mehr versiegen.

„Die Siegerehrung konnte ich gar nicht genießen“, sagte sie – weil es ja auch verdammt knapp gewesen war am Ende. Mit 15 Hundertstelsekunden Vorsprung auf die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor war sie in den letzten der vier Durchgänge gegangen, am Ende waren daraus vier Hundertstelsekunden Rückstand geworden. Die mathematische Aufgabe, was das heruntergerechnet pro Lauf bedeutete, war denn recht einfach.

Erstes Olympia-Gold im Alter von 41 Jahren: Die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor siegte im Monobob. Foto: Robert Michael/dpa

„Ich lag drei Läufe lang auf Goldkurs“, sagte Laura Nolte, die in Peking vor vier Jahren eine Monobob-Medaille als Vierte verpasst hatte, „dann auf Silber zurückzufallen – da hat die Enttäuschung einfach überwogen.“ Aber: Sie ist im Laufe der Nacht dann auch verflogen.

Um 0.30 Uhr kam die Bob-Pilotin aus Unna am Deutschen Haus in Cortina an – und wurde da ordentlich gefeiert für ihre Silbermedaille. „Das“, sagte sie, „war extrem wichtig für mich.“ Die Zeremonie in der Dependance des Deutschen Olympischen Sportbundes sei dann „meine Siegerehrung“ gewesen. Im Kreise von Familie und Freunden. Wo Laura Nolte auch realisierte, dass auch Silber historische Dimensionen hat.

Nächste Chance in Zweierbob

Erstmals nämlich holte das deutsche Bobteam eine Medaille in der Frauen-Disziplin Monobob, die seit 2022 im olympischen Programm ist. Seit Peking, sagte Nolte, habe sie in der Individualdisziplin „eine super Entwicklung“ genommen, zweimal war sie Weltmeisterin, einmal WM-Zweite. Olympia-Gold wäre nun die Krönung gewesen. Die wurde aber Elana Meyers Taylor zuteil.

Die bestreitet ihre fünften Olympischen Spiele, stand in Vancouver, Sotschi, Pyeongchang und Peking jeweils auf dem Podest – aber nie ganz oben. Das holte sie nun nach – im Alter von 41 Jahren. Mit einem Bahnrekord entriss sie ihrer 14 Jahre jüngeren Konkurrentin im letzten Lauf noch Gold. Dritte wurde Kaillie Armbruster Humphries (USA). Die erste Olympiasiegerin im Monobob von Peking ist auch schon 40 Jahre alt.

Für Laura Nolte kann das ein Trost sein. Nach dem Motto: Im Bobsport bleiben ihr noch einige Jahre, um erfolgreich zu sein. Für die 27-Jährige zählt aber eher die nähere Zukunft. Am Freitag und Samstag geht es im Zweierbob um die Medaillen, hier wird Nolte gemeinsam mit ihrer Anschieberin Deborah Levi vom Start weg die Gejagte sein. 2022 holte das Duo Gold im Zweier.

Die Aussicht auf die Titelverteidigung ist eine große Motivation. Am Montagabend ist eine weitere hinzugekommen. „Die Enttäuschung“, sagte Laura Nolte, „ist definitiv ein Ansporn.“ Um am Ende wieder Tränen zu vergießen. Der Freude.

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