Laura Pausini in der Stuttgarter Porsche-Arena Schwindelfrei auf Höhenflug

Von Christof Hammer 

Mediterrane Partyzone: Laura Pausini zeigt sich in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena überraschend rockig und gefällt als Popstar ohne Allüren.

Pathosreduziert und gut: Laura Pausini in der Stuttgarter Porsche-Arena Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 5 Bilder
Pathosreduziert und gut: Laura Pausini in der Stuttgarter Porsche-Arena Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Neuerdings gehört selbst Schwindelfreiheit zum Anforderungsprofil eines Popstars. Udo Lindenberg fliegt bei seinen Stadionkonzerten per Drahtkäfig auf die Bühne, Pink oder Helene Fischer absolvieren waghalsige Akrobatikeinlagen in luftiger Höhe, Hardrocker wie Mötley Crüe oder die Scorpions schicken ihre Schlagzeuger mittels Schienenfahrzeugen oder Seilzügen – teils sogar kopfüber – bis unters Hallendach. Ganz so hoch geht es für Laura Pausini zwar noch nicht hinaus, aber auch für sie wäre Höhenangst bei ihrer aktuellen Tournee nicht eben hilfreich.

Zwei hydraulisch heb- und senkbare Podeste bilden den technischen Mittelpunkt ihrer Show und befördern sie am Dienstag in der Stuttgarter Porsche-Arena immer wieder mehrere Meter über die Köpfe der Besucher. Ein weiterer Würfel senkt sich ab und an von oben auf das bühnenmittige dieser beiden Elemente herab; der Star des Abends ist dann für ein paar Momente unsichtbar, nimmt sich eine kleine Atempause oder entschwindet durch eine Luke im Boden für einen seiner zahlreichen Kostümwechsel. Ein Hauch von Las Vegas liegt über der ausverkauften Halle, aber Laura Pausini überspannt den Bogen nicht. Selbst wenn die Technik die Szenerie in dramatische Farbspiele hüllt und ordentlich Kunstnebel und Wind in die Arena pustet, verfällt die Königin des italienischen Pops nie in übertrieben madonnenhafte Posen, bleibt stets nahbar und allürenfrei: Star ja, Diva oder Drama-Queen nein.

Mediterrane Partyzone

Ohne Überdosis Pathos inszeniert die 44-jährige Sängerin aus der Emilia-Romagna eine Zweieinhalbstunden-Show, die ihre fünftausendfünfhundert Fans bestens unterhält – ein Verdienst auch der tüchtig zupackenden Begleitband, die den in ihren Studioversionen oft übermäßig mit Streichern und Synthiesounds dekorierten Liedern viel von ihrem Fett nimmt. Überraschend rockig geht dieses Ensemble – je zwei Gitarristen und Perkussionisten, je ein Bassist, ein Keyboarder und ein Pianist sowie fünf Begleitstimmen – ans Werk, mischt gefälliges und melodienseliges Spiel mit kernigen Saitensounds und drückt mit eher grobgemusterten, aber zweckdienlich flotten Rhythmen schön aufs Tempo. Das dreiundzwanzig Songs starke Repertoire mit frühen Hits wie „La Solitudine“ (1993), mittelalten wie „Invece no“ von 2008 und vielen Songs des im März erschienenen Albums „Fatti Sentire“ wird so zu einem Reigen von tanzbaren, beschwingten Liedern zwischen Rock und Pop – und die Porsche-Arena zur Partyzone voll mediterraner Atmosphäre. Tifosi aus ganz Süddeutschland sind an diesem Abend nach „Stoccarda“ gekommen, aber auch mancher Schwabe, Badener oder Pfälzer gönnt sich diese üppige Portion „Italianità“, die aufwendig und farbenprächtig, aber nie überkandidelt daherkommt.

Artefakte wie die gute alte Konfettikanone oder eine Seifenblasenmaschine kommen zum Einsatz, Luftschlangen segeln von der Hallendecke, und zum Finale fliegt ein Dutzend blauer Plastikballons durch die Porsche-Arena. Nett nostalgisch ist das, gut anzusehen dazu – High-Tech-Monitore im XXL-Format überspannen fast den gesamten Bühnenhintergrund, und die Lichttechnik mischt Laser-, Video- und Grafikanimationen zu einem aparten Bilderreigen. Obwohl dieses Konzert als 45. von insgesamt 52 Liveterminen einer aktuellen Welttournee längst im Stadium der Routine angekommen ist, macht niemand nur Dienst nach Vorschrift. Mit erkennbarer Spielfreude erledigt Pausini ihre Arbeit, lässt ihrem Temperament freien Lauf und plaudert ausgiebig mit den Landsleuten, und ganz ohne seine Chefin macht das Vokalquintett die Halle nach der Hälfte des Programms mit Coverversionen von Ed Sheerans „Shape of you“ sowie Justin Timberlakes „Can’t stop the feeling“ und einem Schuss Tropical House zur Großraumdisco. Ebenso schmissig endet diese „Fiesta con Laura“ mit einer Fülle unterhaltsamer italienischer Momente kurz vor 23 Uhr mit einem Medley im Reggaeton-Stil – eine letzte Portion tanzbarer Pop auf durchaus gehobenem Niveau.