Lauterbach-Tweet zu Klima An Urlaub ist künftig kaum mehr zu denken
Karl Lauterbach hat mit seinem Tweet zur Zukunft Italiens deutsche Urlauber verstört. Dabei trifft der Gesundheitsminister den Nagel auf den Kopf, kommentiert Judith Sägesser.
Karl Lauterbach hat mit seinem Tweet zur Zukunft Italiens deutsche Urlauber verstört. Dabei trifft der Gesundheitsminister den Nagel auf den Kopf, kommentiert Judith Sägesser.
Mit seinem Tweet aus dem überhitzten Italienurlaub hat der deutsche Gesundheitsminister die Deutschen aufgeschreckt. Sind in Zukunft keine Sommerferien mehr möglich im Sehnsuchtsland schlechthin? „Wenn es so weitergeht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft haben“, twitterte Karl Lauterbach aus Bologna. „Der Klimawandel zerstört den Süden Europas. Eine Ära geht zu Ende.“ Huch, wie kann er denn so etwas sagen?
Hängt das allgemeine Verstörtsein, das Lauterbach mit seinem Zwischenruf auslöst, damit zusammen, dass er mit seiner Aussage falschliegt – oder dass er richtigliegt?
Fakten und Expertenprognosen legen nahe, dass Lauterbach den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Dieser Juli könnte global gesehen zum heißesten seit Jahrhunderten werden. Bereits im Frühjahr wurden auch in Europa viel zu hohe Temperaturen erreicht, die Iberische Halbinsel glühte – und glüht wieder. Der Weltklimarat stuft den Mittelmeerraum als Hotspot ein. Beleg dafür sind die Nachrichten aus den Mittelmeerländern, wo die Temperaturen in Rekordhöhen schnellen, die Flammen lodern und es an Wasser fehlt. Wer seinen Rom-Urlaub derzeit im klimatisierten Hotelzimmer verbringt, merkt: Schöne Ferien gehen anders.
Wenn Lauterbach also recht hat und trotzdem Kritik erntet, könnte der Grund dafür sein, dass niemand hören will, was er sagt. Allerdings ist Lauterbach auch nur der Überbringer der schlechten Botschaft. Er persönlich nimmt den Menschen den Italienurlaub ja nicht weg, er macht die Erderwärmung dafür verantwortlich, dass Sommerferien im Süden voraussichtlich keine Zukunft haben.
Der Tweet und die anschließende Diskussion sind ein gutes Beispiel für eine beachtliche Schieflage. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland erkennt den Klimawandel an und ist auch für mehr Klimaschutz. Doch die Konsequenzen, die jetzt schon zu spüren sind, auch in Europa, werden ausgeblendet. Oder salopp ausgedrückt: Ja, den Klimawandel gibt es schon, aber an den Reiseplänen ändert das noch lange nichts. Eine solche Einschätzung verkennt die Wirklichkeit.
Zu dieser Wirklichkeit gehört: Wenn der Klimawandel fortschreitet, ist der Sommerurlaub tatsächlich Geschichte. Aber nicht, weil es in Norwegen oder Schweden dann klimatisch erträglicher ist, sondern weil fraglich ist, ob in einer noch heißeren Welt an Urlaub noch zu denken ist. Zum Beispiel weil Landstriche unbewohnbar werden und das nie da gewesene weltweite Wanderungsbewegungen auslösen kann.
Das gilt es unbedingt zu vermeiden. Wenn das gelingt, hätte Karl Lauterbach am Ende trotzdem recht gehabt. Denn seinen Tweet leitete er ja mit „wenn es so weitergeht“ ein.