Lazios Fanproblem Organisierte Faschisten

In dieser Bar haben Lazio-Fans Ende November Tottenham-Anhänger angegriffen. Foto: dpa
In dieser Bar haben Lazio-Fans Ende November Tottenham-Anhänger angegriffen. Foto: dpa

Rom - Wütend und enttäuscht ist Claudio Lotito gewesen. „Hierherzukommen hat nichts gebracht. Es waren vier verschwendete Tage und verschwendetes Geld“, sagte der Präsident von Lazio Rom. Und er setzte noch einen drauf: „Das war die Geschichte eines angekündigten Todes.“

Lotito ist es wieder gelungen, sich und seinen Club gekonnt als bemitleidenswerte Sündenböcke darzustellen. Bis vergangenen Montag weilte er mit Vereinsvertretern in Nyon. In der beschaulichen Schweiz versuchte er, die Uefa-Granden davon zu überzeugen, wie doof ihre Bestrafung gegenüber Lazio sei. Zwei Spiele ohne Zuschauer plus 40.000 Euro hatten sie den Italienern aufgebrummt. Viel zu hart, echauffierte sich Lotito. Wenigstens gegen den VfB am Donnerstag wollte er das Geisterspiel abwenden.

Dass die Sanktionen der Uefa mehr als überfällig waren, interessiert Lotito nicht. Er scheint von Fakten nicht viel zu halten. Denn bei den vergangenen Europa-League-Heimspielen fielen zahlreiche Lazio-Fans mit rassistischen Aktionen auf. Tiefpunkt war die Partie Ende November gegen Tottenham Hotspur, unter deren Anhängern viele Juden sind. Im Stadion schallte es aus der Curva Nord: „Juden Tottenham.“ Ein Transparent mit der Aufschrift „Free Palastine“ wurde entrollt.

Vermummte Römer greifen die Tottenham-Fans an

Nach der Partie griffen dann etwa 40 mit Helmen und Hauben vermummte Römer in einer Bar Tottenham-Fans an. Sie verletzten zehn Engländer, einer musste wegen mehrerer Stichwunden am Oberkörper genäht werden. Der Besitzer der Bar, Marco Manzi, berichtete davon, wie organisiert die Angreifer vorgegangen seien. Zudem soll die Polizei erst sehr spät gekommen sein.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder gewaltbereite Lazio-Fans auffällig geworden. Besonders die Ultra-Gruppe „Irriducibili“ gilt als eine der gefährlichsten Europas. Dass sie überzeugte Faschisten sind, beweisen sie während der Spiele regelmäßig mit Hitlergrüßen oder Duce-Rufen. Bereits 1999 im Stadtderby gegen den AS Rom zeigten die Rechtsradikalen, dass sie vor nichts zurückschrecken. Sie entrollten ein Plakat mit der ekligen Aufschrift: „Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen euer Zuhause“.

Der größte Held der „Irriducibili“ ist der ehemalige Stürmer Paolo di Canio, der von 1985 bis 1990 und von 2004 bis 2006 für Lazio spielte. Er feierte viele seiner Tore mit dem Hitlergruß. Aus seiner faschistischen Gesinnung machte der mittlerweile 44-Jährige keinen Hehl. Einmal sagte di Canio: „Ja, ich bin ein Faschist, na und? Ich bin kein Rassist. Warum kann ich nicht sagen, dass ich rechtsradikal bin?“ Als di Canio wegen seiner Hitlergrüße 2005 eine Geldstrafe zahlen musste, organisierten Hunderte Lazio-Fans eine Protestdemonstration.

Die Mär von einigen wenigen Chaoten, die Lotito verbreiten will, stimmt also absolut nicht. So schade das Geisterspiel für die VfB-Fans ist, im Hinblick auf große Gruppen unter den Lazio-Fans ist dies mehr als überfällig. Allerdings bleibt zu bezweifeln, ob solche Uefa-Strafen wirklich etwas ändern – oder ob sie die Anhänger nur noch mehr radikalisieren.