Leben mit grüner Energie „Würden es wieder machen“ – Paar vollzieht Energiewende und spart fast 3000 Euro

Die Wärmepumpe gehört zur Strategie von Michael Gromig auf dem Weg in eine vollelektrische Zukunft. Foto: Simon Granville

Die Gromigs aus Ludwigsburg heizen per Wärmepumpe, der Strom kommt vom Dach, das Auto fährt elektrisch. Minutiös haben sie errechnet, wie viel Geld und CO2 sie damit sparen.

Die Benzinpreise klettern auf Rekordwerte. Für Gas muss man ebenfalls tief in die Tasche greifen. Ute und Michael Gromig beobachten solche Entwicklungen zwar interessiert, direkt betroffen sind sie davon aber nicht mehr. Die Eheleute aus Ludwigsburg haben in den vergangenen Jahren peu à peu in ihren und rund um ihre vier Wände die Energiewende vollzogen. Die Familie rollt mit einem E-Auto durch Stadt und Land, heizt per Wärmepumpe. Und einen Teil des Stroms liefern die Solarmodule auf dem Dach und an der Fassade.

 

Ein Umstieg, hinter dem sie voll und ganz stehen. „Wir würden es wieder so machen“, beteuern beide. Sie legen auch jedem ans Herz, ihrem Beispiel zu folgen. Michael Gromig hat sich durch einen Wust an Daten gearbeitet, hat daraus Diagramme erstellt und kann damit Schwarz auf Weiß dokumentieren: er entlastet zum einen auf Dauer seinen Geldbeutel, zum anderen verringert sich der CO 2-Ausstoß, wovon wiederum die Umwelt profitiert.

Mehr als sieben Tonnen weniger CO2 

Mit einem E-Auto sind die Gromigs seit fünf Jahren unterwegs. Foto: Imago/Sven Simon

„Bei den Energiekosten sparen wir jetzt alles in allem pro Jahr 2860 Euro“, sagt Gromig. Das entspreche einem Rückgang um 62 Prozent. Der Energieverbrauch habe sich um 34.400 Kilowattstunden beziehungsweise 94 Prozent reduziert. In Sachen CO2-Ausstoß sei eine Verringerung um 7,25 Tonnen oder 89 Prozent erreicht worden. Der Ingenieur im Ruhestand hat dabei die Werte von 2020 mit den aktuellen von 2025 verglichen. 2020 ist deshalb sein Referenzjahr, weil er und seine Frau kurz darauf mit dem Umstieg auf Erneuerbare ernst gemacht haben.

Klick machte es bei Michael Gromig allerdings schon ein paar Jahre früher. Über Bosch in Abstatt, wo er im Bereich Bremstechnik wirkte, kam er erstmals mit einem Tesla in Berührung. Seinem Team wurde 2014 ein Modell dieser Marke zu Demonstrationszwecken zur Verfügung gestellt. Nach Testfahrten war er hellauf begeistert „über die brachiale Power und eine sagenhafte Reichweite“. Er sei seinerzeit das erste Mal hinterm Steuer eines praxistauglichen E-Autos gesessen. „Von da an wusste ich, dass das die Zukunft ist“, sagt der 67-Jährige.

„Von da an wusste ich, dass das die Zukunft ist.“

Michael Gromig, über seine ersten Erfahrungen mit einem Tesla

2021 war es dann so weit, dass sich die Gromigs selbst ein E-Fahrzeug anschafften. Ihr BMW war in die Jahre gekommen, schluckte außerdem „irrsinnig viel Sprit“. Die Ludwigsburger sattelten im Februar 2021 auf einen E-Up um. Abzüglich der Kaufprämie mussten sie dafür lediglich 15.000 Euro in die Hand nehmen. Bis heute laufe der Kleinwagen wie ein Uhrwerk. Außerdem verbrauche der VW im Sommer mitunter weniger als 10 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Man spare darüber hinaus durch den Umstieg 900 Euro pro Jahr, produziere weniger Lärm und Feinstaub.

Gromig kann auch nicht verstehen, dass einige politische Lager weiter die Fahne der Benziner hochhalten und von hocheffizienten Verbrennern sprechen. „Betrachtet man den Ansatz ,Well to Wheel’, also die ganze Kette von der Quelle bis zum Rad, sprich beim Verbrenner von der Ölförderung über die Raffination, den Transport und den Verbrennungsprozess bis zum bewegten Fahrzeug, ergibt sich ein Wirkungsgrad von 15 bis 20 Prozent. Das Elektroauto erreicht hingegen mit erneuerbarem Strom vom Windrad über Transport, Transformation, Speicherung, etc. einen Wert zwischen 70 und 80 Prozent“, erklärt der Ingenieur.

Wesentlicher Teil des Stroms kommt vom Dach

Auch die Gromigs haben sich eine PV-Anlage aufs Dach schrauben lassen. Foto: Archiv (dpa)

Bei den Gromigs ist es sogar so, dass sie den Strom für den E-Up zum Teil selbst produzieren. Eine PV-Anlage ließen sie sich als zweiten Baustein ihrer persönlichen Energiewende aufs südliche Dach schrauben. Im November 2021 startete ihr Betrieb. Die installierte Leistung beträgt 8,5 Kilowattpeak. In der damit gekoppelten Batterie können 7,7 Kilowattstunden Energie gespeichert werden. „Unsere Anlage liefert einen wesentlichen Teil unseres Strombedarfs selbst“, sagt Michael Gromig.

Die Rechnung geht sogar noch besser auf, seit die Ludwigsburger im August 2023 ergänzend im Osten an der Fassade ein Balkonkraftwerk installiert haben.

Doch ein Puzzleteil fehlte noch: die Wärmepumpe. Zuerst waren die Gromigs skeptisch, ob diese Technologie in ihrem schmucken, aber fast 100 Jahre alten Haus funktionieren würde. Im Internet gebe es jedoch viele Videos, „die zeigen, dass die Wärmepumpe auch in einem Altbau funktioniert“, sagt Michael Gromig. Beim Recherchieren stieß er schließlich auf einen Clip über einen Hausherren, der sich eine Wärmepumpe hatte einbauen lassen und zur Frage nach seiner Motivation konstatiert habe: „Ich will einfach nichts mehr verbrennen.“ Einen Satz, den Gromig „total cool“ fand, wie er sagt.

Also fielen auch bei den Gromigs die Würfel zugunsten einer Wärmepumpe. Im Sommer 2023 rückten die Handwerker an. Die Heizkosten seien nun rund 880 Euro pro Jahr niedriger, sagt Michael Gromig.

Alles in allem haben er und seine Frau für Auto, Wärmepumpe und Co. 58.000 Euro selbst aufbringen müssen. Ute Gromig weiß, dass solche Beträge nicht jeder bewegen kann. „Aber ich finde, wenn man die Möglichkeit hat, dann muss man es auch machen“, erklärt sie. Aufgabe des Staates ist es aus ihrer Sicht nun, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, „dass nicht nur Privilegierte mit einem Eigenheim wie wir, sondern alle Mitbürger die Möglichkeit bekommen, niederschwellig von den finanziellen und technologischen Vorteilen der Energiewende zu profitieren“.

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