Den Spitznamen haben die Dachteler Weg. Sie gelten im Reigen der Aidlinger Teilorte als Füchse. Deshalb lag es für Birgit und Sara Breitling nahe, auch das Backbuch den Titel „Fuchs & Füchsle“ zu geben. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte rund um das Backhaus.
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Schlauer scheinen die Dachteler zumindest, was den Betrieb ihres Backhauses angeht. Der kann sich im Vergleich zu anderen Angeboten in Döffingen, Dätzingen, Lehenweiler und anderswo sehen lassen: „In der Saison zwischen März und Dezember wird 80-Mal eingeheizt“, sagt Backhaus-Verwalter Joachim Obenaus. Zudem nutzen Vereine das Backhaus als Veranstaltungsort. „Deshalb bekommen wir immer wieder Anfragen von Rathäusern, um unser Erfolgsrezept zu verraten“, sagt Birgit Breitling, die die Idee zu dem jüngsten Backwerk hatte.
Vereine nutzen Backhaus auch als Veranstaltungsort
Schließlich gibt es nicht nur Brot, das mit dem Einschießer in den Ofen wandert, sondern noch viele andere Leckereien. Deshalb warben Mutter und Tochter via Amtsblatt um Rezepte aus dem Heckengäu, die nicht nur gut fürs Backhaus sind, sondern auch für den heimischen Elektroofen. „Ob Südtiroler Vinschgerl, Schwäbische Seele oder Schweizer Bürli – wir backten alles nach, um zu sehen, ob es klappt“, erzählt Birgit Breitling alias Berta Backblech. Zusammen mit Joachim Obenaus alias Jogi Ofenschlupfer gibt sie das gemischte Doppel, um die kommunale Einrichtung mit Leben zu füllen.
Alle eingeschickten Rezepte selbst nachgebacken
Das Team ist Teil des Erfolgsrezeptes. Während BB die Ideen hat, organisiert JO die Umsetzung. Etwa bei der anstehenden Sause am Samstag. „Ich wollte den Menschen an der Ahr helfen und schon hatte Jogi alles organisiert mit seinen Backhausbuben“, sagt Breitling und freut sich auf Brotbacken und Weinprobe mit Musik. Der Rebensaft stammt von der Ahr und soll mit dem Brotverkauf viel Geld einspielen für den Wiederaufbau des zerstörten Backhauses in Walporzheim – einem Teilort von Bad Neuenahr.
Backhausbuben geben in ihrer Freizeit den Bäcker
Die Backhausbuben sind übrigens ein knappes Dutzend Männer, die in ihrer Freizeit den Bäcker geben und sich dabei nicht von der holden Weiblichkeit dreinreden lassen wollen, aber gerne zur Degustation einladen, um allen an den Gaumenfreuden teilhaben zu lassen.
In Frauenhand war dagegen die Produktion des Backbuches. Die 31-jährige Sarah Breitling ist Landschaftsarchitektin und hat in ihrer Freizeit fotografiert und getextet. Das 120 Seiten zählende Back- und Geschichtenbuch macht schon beim Blättern Lust auf frisches Backwerk. So springen einen die Bilder von Laugenweckle und Streuseltaler an.
Auch Wissenswertes ist zu erfahren. So ist zu lesen, dass das Backhaus im Jahr 1838 aufgrund einer feuerpolizeilichen Verordnung an das bestehende Waschhaus angegliedert wurde. Nicht nur einmal im Jahr im Juli ist das Dachteler Backhaus demnach heute das Zentrum der Dachteler Füchse. Dann strömt sogar das Umland zur Dachteler Hocketse, wenn es frisches Brot und leckeren Zwiebelkuchen aus den zwei Öfen gibt. Dafür brauchte es viele helfende Hände, auch bei zahlreichen Renovierungen, wie die chronologische Auflistung mit der Überschrift „Backhaus 2.0“ aufzeigt. Sogar ein Gedicht mit dem Titel „Dachtel, einst und jetzt“ in bestem Schwäbisch kann sich die Leserschaft zu Gemüte führen. Selbstverständlich geht es um das Zentrum der Dachteler Füchse – ihren Fuchsbau, in dem es immer heiß hergeht. Berta Backblech und Jogi Ofenschlupfer haben das Vorwort zu dem Buch geschrieben.
Schließlich kennen sie das Erfolgsrezept, das mit neuen Öfen, Heizkursen und Backvorführungen zusammenhängt. „Die neue Generation von Backfreunden stellte sich ein, als wir von betagten Dachtlern gespendetes Zubehör sammelten, das alle verwenden können“, sagt Jogi Ofenschlupfer und er weist voller Stolz auf die Urkunde hin, die an der Wand hängt: den Förderpreis der Region Stuttgart aus dem Jahr 2010.
Leckeres und Wissenswertes bietet das Backbuch
Käuflich zu erwerben ist das Backbuch im Mühlenladen der Oberen Mühle in Aidlingen, der örtlichen Metzgerei, außerdem am kommenden Samstag bei der Spendenaktion sowie natürlich bei Berta Backblech und Jogi Ofenschlupfer. Doch Interessenten sollten sich sputen – die Hälfte der Auflage von 400 Exemplaren ist bereits verkauft.
Das Dachteler Backhaus als Ort für Festivitäten
Festen und Feiern
Das Dachteler Backhaus wird nicht nur von Familien und Gruppen und der Schule zum Backen genutzt. Der Schwarzwaldverein bäckt für sein Kirbefest, ebenso der Verein „Dachtel hilft kranken Kindern“. Sogar der Musikverein Gechingen backt in Dachtel für seine Festivitäten. Zahlreiche Vereine feiern gleichzeitig im und um das Backhaus: Der Feuerwehr Oldtimerverein Dachtel bestreitet das Maibaumstellen und lädt am Vorabend des 1. Mai zur Hocketse. Der Dachteler Ortschaftsrat veranstaltet alle zwei Jahre am dritten Advent einen Ständerling mit leckeren Backwaren und heißen Getränken. Der Gemischte Chor ConTakt aus Deufringen nutzt das Backhaus ebenso für Feste.
Solidarität
Am Samstag, 14. Mai, laden die „Backhausbuben“ ab 11 Uhr zur Weinprobe mit Backhausbrotverkauf und Live-Musik. Der Erlös dient dem Wiederaufbau eines zerstörten Backhauses an der Ahr.