Lebensgefährliche Kletteraktion Jugendlicher klettert ungesichert auf Ulmer Münster

Von Christoph Donauer 

Ein Video macht die Ulmer fassungslos. Denn es zeigt einen Jugendlichen, der beim Klettern am Ulmer Münster sein Leben aufs Spiel setzt.

Lebensgefährliches Panorama über Ulm: Der Kletterer filmt sich selbst auf der Spitze des Ulmer Münsters. Foto: Screenshot „Grave Yard Kidz“
Lebensgefährliches Panorama über Ulm: Der Kletterer filmt sich selbst auf der Spitze des Ulmer Münsters. Foto: Screenshot „Grave Yard Kidz“

Ulm - Wer auf das Video der „Grave Yard Kidz“ klickt, vermutet zunächst nichts Böses. Schritte führen durch das nächtliche Ulm, kurz blickt man auf den dunklen Münsterplatz, dann sieht man zwei Hände. Später erkennt man, dass der junge Mann sich dabei filmt, wie er ungesichert auf das 161,53 Meter hohe Ulmer Münster klettert – und sich damit in Lebensgefahr begibt.

Dem vermummten Kletterer gefällt sein ungewöhnlicher Aussichtspunkt hoch über Ulm sichtlich: er schwenkt die Kamera in alle Himmelsrichtungen und hüpft wie ein Äffchen auf den steinernen Wasserspeiern des Kirchturmes umher – in rutschigen Turnschuhen, mit nur einer freien Hand. Einen Sturz aus dieser Höhe würde er wahrscheinlich nicht überleben. Die „Südwest Presse“ hatte das Video im Netz gefunden. Für die „Grave Yard Kidz“ ist es nicht die erste Aktion dieser Art. Auf ihrem Youtube-Kanal finden sich zahlreiche Videos von gefährlichen Kletteraktionen.

„Roofing“, ein Hobby mit Lebensgefahr

Der Jugendliche in Ulm ist also kein verrückter Einzeltäter. Unter jungen Erwachsenen hat sich längst eine Szene für das sogenannte „Roofing“ entwickelt. Es ist ein Wettbewerb. Je höher das Gebäude, desto größer die Anerkennung. Eine Kletterausrüstung benutzen die „Roofer“ nicht, sie erklimmen ihre Ziele ungesichert, oft in Straßenschuhen. Auch international klettern die waghalsigen „Roofer“ in waghalsige Höhen, zwei Russen bestiegen beispielsweise einen Baukran des „Shanghai Towers“ in 650 Metern Höhe.

Auch die schwäbischen Kletterer haben schon einige Höhenmeter hinter sich. Sie erklommen bereits den 61 Meter hohen Stuttgarter Tagblatt-Turm, den 363 Meter hohen Radiosendeturm in Donebach und einen rund 250 Meter hohen Baukran des ThyssenKrupp Elevator-Testturms in Rottweil.

Dekan: „Hohe kriminelle Energie nötig“

Ihre Aktion in Ulm sehen die „Grave Yard Kidz“ gelassen. In der Videobeschreibung bei Youtube schreibt der Kletterer: „Wichtig ist, dass ich nichts beschädigt habe bei der Aktion und alles so hinterlassen habe, dass es nicht mal jemandem aufgefallen ist, dass ich dort war.“

Der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl verurteilt die Kletteraktion am Ulmer Münster: „Das ist absolut verantwortungslos, damit bringt der Jugendliche sich selbst in Gefahr und stachelt Menschen zum Nachahmen an. Deshalb haben wir ihn angezeigt.“ Zudem sei das Münster nach allen gesetzlichen Vorgaben gesichert, betont Gohl. „Wir können das Münster nicht mit Nato-Draht sichern. Man braucht aber schon eine hohe kriminelle Energie, um da rein zu kommen“, erklärt der Dekan.

Ersichtlich ist, dass der Extrem-Kletterer sich erst nach 24 Uhr an die Besteigung des Münsterturmes gemacht hat. Denn erst dann werde am Münster die Beleuchtung abgeschaltet, sagt der Dekan Gohl. Deshalb habe er von dem Vorfall zunächst nichts mitbekommen: „Ich muss gestehen, mich hat ein Redakteur der „Südwest Presse“ angerufen und mir davon erzählt. Der Kletterer ist nachts hoch und morgens über den Turmabstieg wieder runter.“ Die Ulmer Polizei hat zwischenzeitlich Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch aufgenommen.