Lebenslange Haft für Brüderpaar Abtrünnige Ehefrau mit Kabelbinder erdrosselt

In einem Punkt war das Urteil überraschend. Foto: dpa
In einem Punkt war das Urteil überraschend. Foto: dpa

Er schlug immer wieder zu, sie suchte sich einen anderen Mann und wollte sich scheiden lassen. Dann plante der Ehemann mit seinem Bruder den Mord an seiner Frau. Beide erhielten nun nach der Gewalttat lebenslange Haft. Doch das Urteil war dennoch überraschend.

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Memmingen - Nach jahrelangen Streitigkeiten hatte der Ehemann seine Frau angesichts der bevorstehenden Scheidung mit einem Kabelbinder erdrosselt. Zusammen mit seinem Bruder hatte der zuvor schon gewalttätige Ehemann nach Überzeugung des Landgerichts im bayerischen Memmingen das Gewaltverbrechen an der dreifachen Mutter penibel geplant. Die Brüder wurden am Donnerstag wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht folgte weitgehend den Ermittlungen und Strafanträgen der Staatsanwaltschaft. Doch in einem Punkt war das Urteil überraschend. Denn obwohl auch die Richter davon ausgingen, dass der ältere Bruder nicht aktiv an der Tötung der 35-Jährigen beteiligt war, machte ihn die Strafkammer quasi zum Haupttäter.

Nur in seinem Fall wurde die sogenannte besondere Schwere der Schuld festgestellt. „Dies führt dazu, dass eine grundsätzlich mögliche Entlassung aus dem Strafvollzug nach 15 Jahren aufgrund der Aussetzung des Strafrests zur Bewährung in der Regel nicht stattfindet“, erläuterte ein Gerichtssprecher die Folgen des Urteils für den Bruder des Ehemannes.

Auch die beiden Verteidiger zeigten sich überrascht, dass der Schwager, der sich in dem monatelangen Prozess nie zu den Vorwürfen geäußert hat, nach Ansicht der Richter länger im Gefängnis sitzen soll. Beide Anwälte kündigten an, einen Revisionsantrag an den Bundesgerichtshof stellen zu wollen. Der Rechtsanwalt des älteren Bruders hatte einen Freispruch verlangt. Der Verteidiger des Ehemanns sah nur einen Totschlag und hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten gefordert.

Gericht glaubte der Schilderung nicht

Bei dem Opfer handelte es sich um eine Syrerin, die schon einige Zeit in Memmingen lebte. Die Brüder sind ebenfalls syrischer Abstammung, haben aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Der 51 Jahre alte Ehemann hatte zu Beginn des Prozesses im September zugegeben, seine Partnerin im Sommer 2017 in der Festhalle im benachbarten Memmingerberg umgebracht zu haben. Nach seiner Erklärung war sein neun Jahre älterer Bruder bei dem Verbrechen nicht dabei.

Das Gericht glaubte diese Schilderung nicht. Der Ältere habe sich als Familienoberhaupt gesehen und sich auch immer wieder in die Ehe seines Bruders eingemischt, erklärte der Kammervorsitzende. Die Männer hätten auch die Tat längst verabredet und die Beseitigung der Leiche genau geplant. Die Tote wurde in Plastikfolie verschnürt, in einen sechs Meter tiefen Sickerschacht der Halle geworfen und mit eigens dafür bestelltem Sand zugeschüttet.

Der Ehemann hatte in seiner Aussage seine Frau als eine gewalttätige Patronin beschrieben, die immer wieder auf ihn losgegangen war. Die Wahrheit sah nach Überzeugung der Kammer genau andersherum aus. Immer wieder musste die Polizei in den Jahren vor dem Verbrechen eingreifen, weil der Mann seine Frau geschlagen hatte. Diese hatte sich längst einem anderem Mann zugewendet.

Auslöser des Mordes war nach Ansicht der Richter, dass der Ehemann den drohenden Auszug auch der drei gemeinsamen Kinder vermeiden wollte. Deswegen strickte er nach dem Verbrechen die Legende, dass die 35-Jährige fluchtartig ihre Familie verlassen habe. Die Kripo machte diese Lügengeschichte nach zwei Monaten zunichte. Denn dann wurde die verscharrte Leiche entdeckt, die Brüder kamen in Untersuchungshaft.




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