Lebensmittel-Scanner und eigene Sinne Wie man verdorbene Lebensmittel erkennt

In Deutschland landen jährlich etwa zehn Tonnen von Lebensmitteln im Müll, die noch essbar wären. Foto: dpa

Anhand von Infrarot-Scannern oder intelligenten Verpackungen sollen Verbraucher künftig erkennen, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist. Doch es geht auch ohne technische Mittel: Verdorbenes Essen kann man meist gut erkennen.

Stuttgart - Es klingt praktisch, das Handy entscheiden zu lassen, ob der Fisch wirklich noch gut ist – oder ob er besser in die Mülltonne sollte. Zum Beispiel, wenn er nach dem letzten Einkauf doch etwas zu lange im warmen Auto lag. Schließlich sind das optimale Bedingungen für Keime, um sich zu vermehren. Also nur noch schnell den kleinen Infrarot-Scanner über den Fisch halten, und schon wertet eine App aus, wie viele Keime tatsächlich im Fischfleisch sind. Bis in ein paar Jahren, so hoffen Forscher, könnte ein solcher Infrarot-Scanner im Hosentaschenformat im Haushalt oder Supermarkt bei der Entscheidung helfen, ob ein Lebensmittel tatsächlich verdorben ist – oder trotz abgelaufenem Haltbarkeitsdatum noch genießbar. Wie funktioniert das? Und wie kann man auch ohne Scanner erkennen, was noch gut ist? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Wie wird ein Gericht mit einem Lebensmittelscanner analysiert?

„Damit die App für verschiedene Lebensmittel zuverlässig funktioniert, muss sie auf eine große Datenbank mit Vergleichswerten zugreifen können“, sagt Ulrich Pontes, Physiker am Fraunhofer Institut für Optik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe. Forscherinnen und Forscher des IOSB entwickeln den Scanner und das zugrunde liegende System gemeinsam mit anderen Instituten. Grundlage ist: Ein kleiner Scanner ermittelt per Infrarotlicht-Sensor die chemische Zusammensetzung beispielsweise eines Fisches. Je nach Frische sieht das entstehende Infrarotbild unterschiedlich aus. In der Datenbank müssen dann viele verschiedene Vergleichswerte von Fisch mit unterschiedlicher Keimzahl hinterlegt sein. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz gleicht die App diese Datenbankwerte mit der Frische des gescannten Fisches ab – und zeigt dann auf dem Handy ein Ergebnis an. Auch für Obst oder abgepackte Lebensmittel wie Joghurt soll dies künftig möglich sein. Ein Ziel: Essen, das noch genießbar wäre, soll künftig nicht mehr so häufig im Müll landen. Außerdem ließe sich so auch erkennen, ob Lebensmittel gepanscht sind.

Wie viele Lebensmittel schmeißen die Deutschen weg, obwohl sie noch genießbar wären?

Rund zehn Millionen Tonnen Lebensmittel landen hierzulande jedes Jahr im Mülleimer, obwohl sie noch essbar wären. Das ergab eine Studie der Umweltstiftung WWF. Der Hauptgrund ist dabei für viele ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum: 43 Prozent gaben dies in einer Umfrage des Bundesernährungsministeriums an.

Kann man Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essen?

Ja. Auch wenn 51 Prozent der Deutschen glauben, dass Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr genießbar sind. Aber das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum, sondern lediglich eine Empfehlung des Herstellers. Bis zu diesem Datum garantiert dieser die spezifischen Eigenschaften des Produkts wie Geschmack, Farbe, Konsistenz und Nährwert – vorausgesetzt, das Produkt wurde richtig gelagert und noch nicht geöffnet. Dieses Datum ist aber sehr großzügig gewählt – damit sich möglichst kein Kunde vor Ablauf beschwert und ein Produkt zurückbringt, etwa weil der Erdbeerjoghurt nicht mehr ganz so rosa aussieht. Joghurt beispielsweise ist oft noch mehrere Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar.

Wie kann man auch ohne Infrarot-Scanner erkennen, ob ein Lebensmittel noch gut ist?

„Indem man seine Sinne einsetzt“, sagt Angelika Kirchmaier, Ernährungsmedizinerin und Autorin des Ratgebers „Nicht alles ist Mist – Verdorbene Lebensmittel erkennen“. Für Eier bedeutet das beispielsweise: Hat sich das Eiweiß oder Eigelb in untypische Farben wie grün, grau oder pink verändert? Riecht das Ei penetrant faul nach Schwefel? Hat das Ei eine breiige Konsistenz? Dann gehört es in den Müll und sollte auch keinesfalls mehr probiert werden. Doch laut Verbraucherzentrale Hamburg sind Eier im Kühlschrank meist zwei Wochen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar.

Welche Merkmale gibt es noch?

„Bei den meisten Lebensmitteln können Verbraucher lernen, die Merkmale für einen Verderb zu erkennen“, sagt Angelika Kirchmaier. Bei verdorbenen Milchprodukten ist das meist vor allem der Geruch. Mit Bakterien befallene Konservendosen blähen sich auf. Ein ganz entscheidender Warnhinweis ist auch Schimmel: Er breitet sich im Brot weiter aus, auch wenn nur eine Scheibe befallen ist. Gleiches gilt für faulige Äpfel oder schimmeligen Weichkäse. Hier gehört deshalb das ganze Lebensmittel entsorgt. Produkte, die schnell verderben und dann eine Gesundheitsgefahr darstellen könnten, erhalten ein Verbrauchsdatum. Dazu gehören frische Fleischprodukte, Rohmilch, geräucherter Fisch und geschnittene Salate.

Kann der Verbraucher die Haltbarkeit von Lebensmitteln beeinflussen?

Ja. Ganz entscheidend ist die richtige Lagerung, insbesondere von Lebensmitteln, die gekühlt werden müssen: „Kühlschränke haben mehrere Temperaturzonen“, erklärt Janina Delp von der Initiative Zu gut für die Tonne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das unterste Fach über der Schublade ist am kühlsten. Hierhin gehören leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Geflügel und angebrochene Packungen im Kühlschrank unten zu lagern. Nach oben hin steigt die Temperatur an. Das mittlere Fach eignet sich am besten für Milchprodukte, das oberste Fach für Käse und zubereitete Speisen. In der Tür finden Eier, Butter, Milch, Soßen, Marmelade und Getränke Platz.

Da sich in einen Kühlschrank immer Keime einnisten, muss dieser regelmäßig geputzt werden – und zwar mindestens alle vier Wochen. Dazu braucht es lediglich einen frischen Lappen mit warmem Wasser und einem Spritzer mildem Allzweckreiniger, Essig oder Spülmittel sowie ein sauberes Geschirrtuch zum Trocken wischen.

Was kann man noch tun, um weniger Lebensmittel zu verschwenden?

Ein Tipp von Experten ist auch: Nach Bedarf einkaufen und kochen – und Reste gegebenenfalls einfrieren. Das gilt übrigens auch für ganz viele Lebensmittel. Ernährungsmedizinerin Angelika Kirchmaier würde im Tiefkühlfach viele Backzutaten wie Nüsse, Mohn oder Kokosflocken lagern, die im Küchenschrank oft nach wenigen Wochen verderben. „Tiefgekühlt halten sie mindestens ein Jahr und können ohne auftauen zum backen benutzt werden.“ Brot würde sie dagegen im kühlen Backofen lagern, auf einem Teller, mit der Schnittfläche nach unten. „Sollte es mal schimmeln, kann ich den Schimmel mit einmal aufheizen abtöten.“ Aus der herkömmlichen Brotdose dagegen bekomme man den Schimmel nie wieder raus. Inzwischen gibt es in vielen Orten außerdem Apps oder Initiativen gegen die Verschwendung von genießbaren Lebensmitteln, mit deren Hilfe man beispielsweise übrig gebliebene Produkte weitergeben kann.

Wird noch an anderen technischen Helfern geforscht, welche die Haltbarkeit von Lebensmitteln anzeigen können?

Ja. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert derzeit drei Forschungsprojekte zur Entwicklung intelligenter Verpackungen. So sollen beispielsweise Farbwechsel bei Sensoren auf den Verpackungen anzeigen, ob ein Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar ist. Die Sensoren messen die mikrobiologische Qualität, also beispielsweise die Anzahl von Keimen.

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