Lebensmittelüberwachung in Stuttgart Schimmelfleisch und Kakerlakenplage

Wenn Lebensmittel im Regal vergammeln, schreitet die Dienststelle Lebensmittelüberwachung ein. Foto: Stadt Stuttgart

Im Bericht der Lebensmittelüberwachung für das Jahr 2022 finden sich etliche unappetitliche Fakten. Zum Teil mussten sehr hohe Bußgelder bezahlt werden.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Dem Blick der Kontrolleurinnen und Kontrolleure entgeht nichts. Auch nicht die Maus, die sich offenbar in letzter Sekunde noch aus der Speisekammer retten wollte. Beim Schließen der Tür wurde sie allerdings eingequetscht – und blieb dort hängen. Für Thomas Stegmanns, den Leiter der Dienststelle für Lebensmittelüberwachung, Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Stadt Stuttgart, ist die Maus auf der Flucht „das Bild des Jahres“ aus den Alben seiner Kolleginnen und Kollegen, die insgesamt 10 405 Kontrollen in 5394 Betrieben in Stuttgart vornahmen im Jahr 2022.

 

11 146 Betriebe, die Lebensmittel verarbeiten, zählt man aktuell in der Landeshauptstadt. Zwar war die Zahl der Kontrollen mit 10 405 fast genauso hoch. Doch die Quote der kontrollierten Betriebe liegt dennoch lediglich bei 47,9 Prozent, also knapp der Hälfte aller Lokalitäten. Der Chef der Dienststelle kann das erklären: „Wir waren in 5394 Betrieben. Das liegt daran, dass in vielen Fällen eine Nachkontrolle notwendig ist, wenn Mängel festgestellt worden waren.“ Liegt etwas hygienisch so sehr im Argen, dass der Betrieb geschlossen wird, darf er erst wieder aufmachen, wenn alle Mängel beseitigt sind.

164 Schließungen haben die Kontrolleure im Stadtgebiet im Jahr 2022 angeordnet. Das ist auch ein Stück „Rückkehr zur Normalität“ nach der Pandemie: Denn mit der Zahl habe man etwa das Niveau von vor Corona-Zeiten wieder erreicht, so Stegmanns.

Ein Lokal darf erst wieder aufmachen, wenn die Missstände beseitigt sind

131 Fälle führten dazu, dass große Mengen verdorbene oder falsch gelagerte Lebensmittel weggeworfen werden mussten. Stegmanns untermalt diese Zahl bei der Präsentation der Bilanz mit einem unappetitlichen Foto einer undefinierbaren Masse. Auch sein Hinweis, es habe sich dabei um Rindfleisch gehandelt, macht die Sache nicht unbedingt klarer. Der Inhaber des Betriebs wurde wegen des Vergehens zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt. Und 1500 Euro Bußgeld musste der Betreiber eines Lokals mit massivem Kakerlakenbefall bezahlen. Fast 150 000 Euro Buß- und Verwarnungsgelder wurden insgesamt im vorigen Jahr verhängt.

290 Mal wurden die Kontrolleure nach Verbraucherbeschwerden tätig. Gemeldet wurden auch 108 Fälle lebensmittelbedingter Erkrankungen. Als ein Beispiel zeigte Stegmanns eine Dose Thunfisch, die zu lange bei zu hoher Temperatur herumgestanden hatte. Dadurch würden sich in der Dose Histamine bilden. Diese führten bei betroffenen Personen zu Atemnot und einer Reihe weiterer typischer Symptome, wie sie ab einer Menge von 100 Milligramm Histamine auftreten können. In besagtem Thunfisch seien 1500 Milligramm gemessen worden.

Auch ungeimpfte Haustiere aus der Ukraine beschäftigten die Dienststelle

Außerdem hat die Dienststelle, die auch für das Veterinärwesen zuständig ist, im vergangenen Jahr 300 Heimtierpässe ausgegeben. Das waren in erster Linie Tiere Geflüchteter aus der Ukraine. 156 wurden gechippt und 162 geimpft. In der Ukraine breite sich wegen der instabilen Verhältnisse, die viele Haustiere zu Streunern mache, die Tollwut aus. Wer von dort – oder auch aus anderen Ländern – gerettete Hunde aufnehme, solle sich wegen des Impfschutzes beraten lassen – vor allem wegen der Tollwut, die, falls sie beim Menschen ausbricht, tödlich ist.

25 Katzen der Rasse Heilige Birma, eine davon in einer Waschmaschine eingesperrt, wurden bei Verkäufern entdeckt, die die Rassekatzen im Internet für 400 Euro pro Tier anboten. Den Interessenten kam es seltsam vor, dass die Katzen beim Besuch nur zum Fenster herausgehalten wurden. Eine spätere Kontrolle ergab, dass viel zu viele Tiere in unhaltbaren Umständen in der Wohnung lebten. Sie kamen ins Tierheim.

Weitere Themen