Lebensmittelversorgung Der Dorfladen in Schnait fürchtet sich nicht vor Konkurrenz

Wolfgang Lenz blickt als Vorsitzender des Dorfladenvereins Schnait optimistisch in die Zukunft Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Seit zwei Jahrzehnten gibt es den Dorfladenverein Schnait. Sein Geschäftskonzept trägt sich nach wie vor, sodass man sich vor einer etwaigen Konkurrenz durch Tante M gewappnet fühlt. Auch beim Dorfladen Schlichten setzt man auf die soziale Komponente.

Einen runden Geburtstag hat der Dorfladenverein Schnait bald zu feiern. Anfang September jährt es sich zum 20. Mal, dass er sein Lebensmittelgeschäft in dem Weinstädter Teilort eröffnet hat. Eigens dazu hatte sich der Verein am 7. Juli 2003 gegründet. Den Anstoß dazu hatte die Geschäftsaufgabe Angelika Negros gegeben, die zuvor in den Räumlichkeiten einen Lebensmittelladen betrieb. „Wie viele ihrer Vorgängerinnen hat sie die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass ein Dorfladen in Schnait keine Zukunft mehr hat, zumindest nicht mit den bisherigen Konzepten“, sagt Wolfgang Lenz, der Vorsitzende des Dorfladenvereins.

 

Der Dorfladen soll über einen Verein betrieben werden

Als der Vermieter des Ladengeschäfts Anfang Juni 2003 davon erfuhr, habe er die Idee seines Schwagers aufgegriffen, den Laden über einen Verein zu betreiben. „Der Hintergedanke dabei war, dass es für Menschen mit Mobilitätsproblemen immens wichtig wäre, vor Ort einkaufen gehen zu können und dass viele mobile Bürger gerne einen Einkaufsnotnagel vor Ort behalten wollen“, erläutert Lenz. „Wenn möglichst viele Bürger, so die Idee, bereit wären, einen moderaten monatlichen Mitgliedsbeitrag für den Weiterbestand einer kleinen Einkaufsmöglichkeit beizusteuern, könnte man diesen nicht nur erhalten, sondern auch vom Umsatz unabhängig gestalten.“

Sieben Mitglieder zählte der Verein bei seiner Gründung. „Bis zur Eröffnung waren es rund 30, und am Tag danach kamen noch ein Dutzend dazu.“ Nach dem Schwung zu Beginn sei die Anzahl der Unterstützer dann peu à peu nach oben gegangen.

Die Idee des Dorfladens trägt sich noch heute – wenngleich es in der Vereinsgeschichte auch schwierige Zeiten gab. 2015 stand der Verein nach fortwährendem Mitgliederschwund durch Wegzug oder Tod wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten kurz vor der Auflösung. Ein neues Vorstandsteam indes wollte nicht aufgeben. Mit vielen ehrenamtlichen Kräften, einem halbierten Monatsbeitrag, Einkaufsmöglichkeiten für Nichtmitglieder und einem um Backwaren erweiterten Angebot gelangen die Kehrtwende und eine Verdopplung der Mitgliederzahl in den folgenden Jahren. Aktuell läuft eine von der Stadt gesponsorte Aktion zur Mitgliederwerbung. Wer neu für mindestens zwei Jahre beitritt, muss im ersten Jahr den Beitrag von 60 Euro nicht zahlen. Dadurch liege man nun kurz davor, die Marke von 300 Mitgliedern zu knacken, berichtet Lenz. Derweil sei das städtische Budget für die Aktion noch längst nicht ausgeschöpft.

So blickt der Dorfladenvorsitzende optimistisch in die Zukunft und fürchtet sich auch vor einer eventuellen Konkurrenz durch Tante M nicht. Dahinter steht Chrisma, eine Gesellschaft aus Pliezhausen (Landkreis Reutlingen), die unter dem Logo Nahversorgerläden betreibt. Sieben Tage die Woche kann man sich jeweils von fünf Uhr morgens bis 23 Uhr in diesen selbst bedienen und abkassieren.

Mehr als 40 Tante-M-Läden sind es nach Angaben der Gesellschaft im süddeutschen Raum bereits. Mit den Standorten Großerlach, Schorndorf-Haubersbronn, Urbach und Backnang-Waldrems liegen vier davon im Rems-Murr-Kreis. „Ich finde es gut, dass es so etwas gibt“, sagt Lenz. Schließlich seien in vielen Dörfern sonst keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Doch letztlich seien sie „zweite Wahl“, findet Lenz, der gemeinsam mit Vereinskollegen ein paar davon besucht hat. Denn im Gegensatz zu den Selbstbedienungsläden ohne Personal erhielten die Kunden des Schnaiter Lädles durch dessen Mitarbeiter mehr als nur Waren. „Sie bekommen Ansprache und Unterstützung. Das Lädle ist ein Kommunikationsraum.“ Zudem biete man einen Lieferservice für jene an, denen das Gehen Schwierigkeiten bereitet, so dass sie nicht in den Dorfladen kommen können.

Auch beim Dorfladen Schlichten nimmt man telefonische Bestellungen von gehandicapten Menschen entgegen und bringt diesen ihre Einkäufe nach Hause. „Wir bieten eine soziale Komponente“, sagt Max Mayer vom Vorstandsteam der Genossenschaft, die den Dorfladen Schlichten betreibt. Dieser sei „eine soziale Zentrale“. „Die Leute werden bedient, bekommen Auskunft, können noch einen Kaffee bei uns trinken und einen Kuchen oder eine Brezel dazu essen.“ So stelle man die Versorgung vor allem älterer Menschen in dem Schorndorfer Teilort sicher, die nicht mehr Auto fahren können oder dürfen, um in einem der Supermärkte der Kernstadt einzukaufen. Eben für diese Zielgruppe sei das Konzept von Tante M nicht geeignet, ist Mayer überzeugt. Daher sieht er wie Lenz keine Konkurrenz darin. Zumal der nächstgelegene Standort in Schorndorf-Haubersbronn für die Schlichtener Dorfladenkundschaft viel zu weit entfernt liege. Eine wirkliche Konkurrenz sei dagegen der Discounter im Nachbarort Lichtenwald-Thomashardt (Kreis Esslingen).

Die Inflation hat massive Spuren hinterlassen

Zudem habe man derzeit „große Probleme“ mit einem Teil der den Dorfladen beliefernden Unternehmen, sagt Mayer über die aktuelle Geschäftslage. Außerdem habe die Inflation „massive Spuren“ hinterlassen, und die Umsatzzuwächse während der Coronapandemie habe man inzwischen längst wieder eingebüßt. „Der Umsatzerlös ist von 2021 zu 2022 um vier Prozent zurückgegangen.“ Berücksichtige man dabei die durchschnittliche Inflation von 15 Prozent, so sei der Rückgang an verkauften Waren noch deutlich größer, als das Minus von vier Prozent auf den ersten Blick nahelegt.

Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, hat man beim Dorfladen Schlichten seinen eigenen Ansatz: „Wir feiern drei Feste im Jahr.“ Nach einem Frühjahrsfest im April und der Feier des achtjährigen Bestehens des Dorfladens im Juni sei das nächste Fest für Anfang Oktober geplant.

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